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Die wilden Jahre sind für Daniel Bahr vorbei…

MÜNSTER/BERLIN. Und sieht auch so aus. Dunkelblaues Jackett, Ton in Ton die Krawatte. Das spricht Bände: Seriosität statt Wahlkampf-Getöse. Die liberale Abteilung Attacke muss seit Wochen ohne den Münsteraner Daniel Bahr auskommen, denn dessen Wirkungskreis ist nun vermint: Der FDP-Politiker ist seit Ende Oktober Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium.

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Daniel Bahr im Gespräch mit Dr. Bertram,Praxisklinik Gescher.

Wenn sein Parteifreund und Ressortchef Philipp Rösler im Bundestag verhindert ist, nimmt Bahr auf Angela Merkels Regierungsbank unter der Reichstagskuppel Platz. „Da steht man unter besonderer Beobachtung“ – das hat der 33-Jährige beim Blick in die Gesichter der Abgeordneten-Kollegen festgestellt. Eine Umstellung – auch, weil die Teleobjektive und Kameras auf der Pressetribüne die Regierung intensiver ins Visier nehmen.

Zwischenrufe und Klatschen sind für den lustvollen Polit-Streiter jetzt tabu. „Kopfschütteln und Grimassen – das geht noch“, sagt Bahr im heimischen Münster. Die neue Rolle, so räumt er ein, falle ihm durchaus noch schwer. Aber tauschen wolle er auf keinen Fall: „Ich habe sieben Jahre lang dafür gekämpft.“

Noch seltener sieht der Liberale nun allerdings seine Frau Judy und die Wohnung im Münsteraner Kreuzviertel; das Amt bringe eine „enorme Mehrbelastung“ mit sich. „Man ist nicht mehr Herr seines eigenen Terminkalenders“, sagt Bahr. Dafür steht ein Dienstwagen bereit. „Das hört sich toll an“, sagt dazu der Staatssekretär. „Man muss nicht mehr gucken, wo man parken kann.“ Ein Vorteil im engen Zeitkorsett. Zumal sich das politische Hamsterrad unermüdlich dreht.

Der heutige Parlamentarische Staatssekretär Bahr im Gespräch mit Gescherner Bürgern (2008).

Der heutige Parlamentarische Staatssekretär Bahr im Gespräch auf dem Parkplatz an der Spinne. (2008).

Den jüngsten Aufenthalt in der Heimat nutzt Bahr zum Besuch beim Hausarzt: Dort lässt er sich gegen die sogenannte Schweinegrippe impfen. Ein Thema, das dem Neuling im Amt seine Regierungsrolle vor Augen führt: „Man wird für Dinge verantwortlich gemacht, für die wir gar nicht verantwortlich sind.“ Die Bekämpfung der Grippe etwa sei Ländersache. Trotzdem legt Bahr beim Gedanken an die Impfmüdigkeit der Deutschen seine Stirn in tiefe Falten. Die werden auch angesichts des milliardenschweren Lochs in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht weniger.

Systemwechsel, wettbewerbsfähige Tarife, einkommensunabhängige Pauschalen: All das will der Liberale erreichen, um das System zu retten. Und liegt darüber mit den „Nervensägen aus München“ im Clinch. „Manche wissen nicht, was sie unterschrieben haben“, kontert Bahr die Störfeuer aus dem Süden.

Im Ministerium unterschreibt er zwecks Erkennbarkeit mit Lila, sein Chef Rösler – in wilden FDP-Nachwuchsjahren einer seiner Gegenspieler – verwendet Grün. „Jetzt verstehe ich mich gut mit ihm“, sagt Bahr.

Quelle: BBV-NET.

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