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Bischof Meister: „Es geht um eine Ethik der Selbstbegrenzung.“

Ralf Meister (rechts), Landesbischof der ev.-luth. Landeskirche Hannover, setzt sich für eine nachhaltige, in Verantwortung mit der Schöpfung stehende Landwirtschaft ein. Hier im Gespräch mit Kardinal Zollitsch (links).

GESCHER/HANNOVER (pd). In einer viel beachteten Stellungnahme setzt sich Bischof Ralf Meister (oben rechts)  aus Hannover mit Fragen der landwirtschaftlichen Tierhaltung auseinander. Nicht ohne eine Reaktion auszulösen. So  hatte z. B.  der niedersächsische Bauernverband die Kritik von Pastoren an der modernen Landwirtschaft getadelt. Dazu dazu veröffentlicht das landwirtschaftliche Magazin TopAgrar eine Stellungnahme von Bischof Ralf Meister:

„Eines habe ich bei den über 50 Besuchen in den Kirchenkreisen unserer Landeskirche gelernt: Es gibt keine einfachen Antworten auf die komplexen Fragen und Probleme der Landwirtschaft. Ich habe zahlreiche Höfe und Betriebe besucht und offene Gespräche mit allen Verbänden der Landwirtschaft geführt. Mein Fazit: Ich bin durchweg auf Landwirte getroffen, die ihre Betriebe mit einem hohen Maß an Verantwortung bewirtschaften. Sie nehmen den Auftrag, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren, ernst.

Gleichzeitig habe ich wahrgenommen, dass sie einen enormen Konkurrenzdruck aushalten müssen, der ihre Entscheidungen maßgeblich beeinflusst und unter Umständen problematische Folgen mit sich bringt.

Wenn sich die Kirchen äußern, dann verstehe ich das vor allem als Appell, dass der nachhaltige Umgang mit der Schöpfung, der in der Landwirtschaft geschieht, eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft ist. Wir müssen uns fragen, welche Grenzen können und wollen wir setzen? Wir müssen überlegen, wie viel Fleisch wir essen, ob die Supermärkte auch am Samstagabend noch gefüllte Obst- und Gemüseregale haben müssen, ob es vertretbar ist, nicht normgerechtes Gemüse auszusortieren und unter welchen Bedingungen landwirtschaftliche Güter produziert werden.

Es geht letztlich um eine „Ethik der Selbstbegrenzung“ in Verantwortung vor Gott und seinen Geschöpfen, Menschen und Tieren. Wenn es in dem Positionspapier unserer Landessynode ganz konkret heißt, dass „bei Haltung, Transport und Schlachtung von Tieren die Angst-, Schmerz- und Leidfreiheit zu garantieren“ ist, achten wir die Fortschritte in diesen Bereichen, ermahnen aber zugleich, weitere Verbesserungen zu erreichen. Wir haben die Sorge, dass die großen Einheiten, wie sie bestehen oder geplant werden, dem Tierwohl und den sozialen und umweltethischen Anforderungen nicht gerecht werden.

Zu vermeiden ist eine Agrarpolitik, die zwangsläufig von industrieller Technologie und entsprechenden Großhaltungen geprägt ist. Deshalb hat unsere Landessynode einen Wandel gefordert, der „zielgerichtet und unverzüglich“ zu einer Tierhaltung und Tiernutzung führt, die auf Tierwohl, Menschengesundheit und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Den Kirchen geht es darum, in diesen Diskussionsprozessen Impulse zu setzen, Meinungsbildung zu fördern und an unsere Verantwortung im Umgang mit der Schöpfung zu erinnern.“

*Originaltext TopAgrar.

 

 

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