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EDEKA-Center an der Pankratiusstraße?

GESCHER (fjk). 60 Personen, davon ca. 40 Einzelhändler und Gewerbetreibende, waren am Donnerstagabend im Rathaus zu Gast. Der Verfasser des Einzelhandelskonzeptes, Dipl. Ing. Schrader, erläuterte den bisherigen Entwurf des Einzelhandelskonzeptes. Auch nach Beschluss durch den Rat wird es in erster Linie ein informelles Instrument sein. Aus dem Konzept heraus entsteht kein Baurecht. Vielmehr wird der Rahmen für die Entwicklung der Innenstadt festgesteckt und seine räumlichen Grenzen aufgewiesen, um klare Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb zu schaffen.

Von links: Wirtschaftsförderer Christian Hübers, Bürgermeister Effkemann, Fachbereichsleiter Uwe Wissmann, Dip. Ing. Schrader.

Von links: Wirtschaftsförderer Christian Hübers, Bürgermeister Effkemann, Fachbereichsleiter Uwe Wissmann, Dip. Ing. Schrader.

Die Nahversorgung mit Ausnahme des Ortsteiles Hochmoor ist flächendeckend gut ausgerichtet. In Gescher verfügen die Bürger über 6 Nahversorgungsstandorte, stellt das Konzept fest.  Nahezu jeder Bürger hat im Umkreis von 10 Minuten Fußläufigkeit eine Bezugsquelle für den  Einkauf von Artikeln des täglichen Bedarfs.

Erste Reaktionen der Besucher auf die Ausführungen des Gutachters waren zurückhaltend bis skeptisch. Warum der Parkplatz Huesker aus der Stadtkernfläche herausgenommen worden sei, wurde aus der Versammlung gefragt. Der Standort sei seit Jahrhunderten Stadtkern von Gescher, bestätigte Eigentümer Wilhelm Kösters. Das sehe nach Willkür aus.

Zustimmung  kam aus der Versammlung. Auch Parkplätze gehörten zur Innenstadt. Man habe über diesen Standort lange, teils kontrovers im Arbeitskreis diskutiert, bestätigte Gutachter Schrader. Räumlich sei diese Fläche  der Innenstadt zuzurechnen. Bürgermeister Effkemann erklärte, warum sich im Arbeitskreis letztendlich die Meinung der Verwaltungsspitze durchgesetzt habe. Es sei im Interesse der Stadt, den Gewerbebetrieb Huesker Synthetik mit einer entsprechenden Infrastruktur zu schützen. „Wir wollen dies Areal für großflächiges Parken erhalten und deshalb nicht der Innenstadt zurechnen,“ sagte der erste Bürger der Stadt.

Gregor Kösters, Teilnehmer des Arbeitskreises Einzelhandelskonzept, widersprach: „ Die Stadt schwächt sich, wenn sie diese Fläche nicht als Kernbereich ausweist.“ Die heutige Argumentation des Bürgermeisters sei völlig neu und so im Arbeitskreis nicht besprochen.

Johannes Seifer, Bierverleger und Inhaber mehrerer Getränkemärkte, beurteilte die Situation für den kleinflächigen Einzelhandel in der Innenstadt  problematisch. Das Konzept fordere die Einzelhändler auf, Angebotsdichte und Präsentation Ihrer Sortimente zu überdenken. Das sei schwierig umzusetzen, sagte der Jungunternehmer, denn die Verwaltung plane wie bekannt, die Ansiedlung eines EDEKA-Centers mit einer großen Angebotstiefe an der Pankratiusstraße.

Schrader erwiderte, hier solle kein Baurecht für einen bestimmten Investor geschaffen werden. Dennoch sei diese Fläche für die Ansiedlung eines großflächigen Einzelhandelsbetriebes geeignet. Erst im Planungsverfahren müsse festgestellt werden, wie innenstadtverträglich ein Projekt am Ende sei. Man werde im Laufe des Planungsverfahrens sehr genau darauf achten müssen, ob sich so ein Vorhaben städtebaulich integrieren lasse, wich Schrader der Frage Seifers aus. Nach seiner Meinung gelte es, diesen Standort für die Innenstadt nutzbar zu machen

Erst auf Nachfrage bestätigte der Bürgermeister, dass es an der Stelle Pankratiusstraße bereits einen Investor gibt, der hier „sehr aktiv“ ist. (Anmerkung: Stroetmann Münster – EDEKA).

Ob es denn keine anderen Flächen in der Innenstadt für einen Einzelhandelsmagneten gebe, wurde gefragt. Bürgermeister Effkemann erinnerte an die „leidige“ Diskussion um die Marienkirche. Wenn man etwas verändern wolle, müsse man alte Strukturen aufbrechen. Seit der Denkmalunterschutzstellung der Kirche sei dieser Standort für einen Einzelhandelsmagneten nicht mehr im Fokus. Deshalb müsse man nach anderen Stellen für einen großflächigen Einzelhandel suchen. Die Fläche an der Pankritiusstraße sei die derzeit einzige die eine Anbindung an die historisch gewachsene Struktur der Innenstadt habe.

Franz-Josef Kunst

Franz-Josef Kunst

Fazit: Der Entwurf eines Einzelhandelskonzeptes, noch ist es nur ein Entwurf, war überfällig. Gutachter Dipl. Ing. Schrader hat sorgfältige und detailreiche Arbeit, wenngleich keine Patentrezepte, abgeliefert. Weder in der Frage der Innenstadtleerstände noch zum drängenden Nahversorgungsproblem in Hochmoor. Das durfte auch nicht erwartet werden.

Deutlich wird, wer die Einzelhandelssituation in Gescher verbessern will, muss seine Struktur verändern: Discountern Entwicklungsmöglichkeiten bieten, einen Einzelhandelsmagneten schaffen und Marken-Filialisten in die Innenstadt „locken,“ Diese Antwort liefert das Gutachten schon. Dazu eine zweite weniger erfreuliche Botschaft: Der inhabergeführte Einzelhandel vor Ort muss seine Zukunftschancen sorgfältig prüfen und – so weh es auch tut- rechtzeitig „den Schlüssel umdrehen.“

Problematisch dürften die von der Verwaltung „eingebauten Intentionen“ sein. Die Parkfläche vor Hüsker Synthetik nicht zur Innenstadt zu rechnen ist, aufgrund des historischen Hintergrundes, paradox. Eine Ausweisung als Innenstadtfläche heißt nicht gleichzeitig eine Beeinträchtigung der berechtigten Interessen des Globalplayers Huesker. Im Gegenteil, das eine schließt das andere nicht aus. Der Rat der Stadt Gescher sollte die Absichten des Bürgermeisters korrigieren. Sonst ist der Vorwurf der Willkür  berechtigt.

Der Prozess Innenstadtentwicklung muss zukünftig viel offener als bisher geführt werden. In Arbeits- und Kungelkreisen wesentliche Entwicklungen unserer Stadt auf den Weg bringen zu wollen ist Politikstil von gestern. Akzeptanz schafft man durch Transparenz. Wenn der Bürger eine Entwicklung versteht und seine Entstehung mit verfolgen kann ist er bereit, dringend notwendige Veränderungen unserer Heimatstadt mitzutragen.

Lies hier: GZ online –  „Wichtigstes Ziel die Innenstadt stärken.“

7 Kommentare zu EDEKA-Center an der Pankratiusstraße?

  1. Hallo Herr Terbrüggen,

    Details sind offiziell noch nicht bekannt. Ich denke, ein E-Center in der Größenordnung 3 bis 4000 qm dürfte für Gescher nicht rechenbar sein. Eher für Städte in der Größenordnung Bocholt aufwärts.

    Dennoch ist der politische Auftrag für diese Fläche klar. Es soll dort ein Einzelhandelsmagnet platziert werden, der Ausstrahlung auf die gesamte Innenstadt hat. Einer Größenordnung hinter dem EDEKA-Markt in Stadtlohn müsste man eine solche Magnetwirkung wohl absprechen.

    Der Bürgermeister deutete in der Bürgerversammlung vorige Woche eine andere Lösung an: Kleinerer Lebensmittelmarkt (Edeka) mit Markenfilialisten „angeflanscht.“ Könnte von diesem die gewünschte Magnetwirkung für die Innenstadt ausgehen. An dieser Stelle? Ich habe da Zweifel.

  2. Gunter Terbrueggen // 2. Dezember 2013 um 21:52 //

    Sehr geehrter Herr Kunst,

    bei dem Investor handelt es sich um die Firma Stroetmann (nicht Strothmann) aus Münster.

    Sind ihre Informationen richtig? Soll ein E-Center mit einer Verkaufsfläche über 2.000 qm oder ein Edeka Markt mit einer Fläche unter 2.000 qm realisiert werden?

    Mit freundlichen Grüßen
    Gunther Terbrüggen

  3. Volker Puttmann // 2. Dezember 2013 um 21:03 //

    Schade. Mein halber Text wurde nicht veröffentlicht.
    Ich probier’s morgen noch einmal.
    VG
    V. Puttmann

  4. Volker Puttmann // 2. Dezember 2013 um 21:01 //

    Hallo Herr van Üüm,

    Vielen Dank für Ihre Antwort!
    Mein Beitrag war eine konstruktive Kritik und ich hoffe, er ist auch so angekommen.
    Mir sind die begrenzten personellen und finanziellen Mittel vom Stadtmarketing bekannt und ich zolle Ihnen und Ihren Mitarbeitern höchsten Respekt für Ihr Tun.

    Leider werden, in meinen Augen, zu wenig Mittel für das Marketing freigegeben (Bitte an die Mitleser: Lassen Sie bitte die Claim Geschichte bei Ihren etwaigen Antworten weg. Ich kenne die Meinungen.).

    Neben dem Berkelradweg, müsste eigentlich der Fluß wieder für Wassersportler freigegeben werden. Toter als zwischen Stadtlohn und Vreden wird die Berkel in Gescher garantiert nicht dadurch bestimmt nicht.

    Leider habe ich kein Patentreze

  5. andreas lutz // 2. Dezember 2013 um 11:07 //

    Hallo Herr van Üüm,

    wo parken den die Busse bei Ihrem neuen Hotel? Oder meinen Sie Busse kommen ohne entsprechenden Parkplatz aus. Oder sollen die Behinderten durch die ganze Stadt laufen/fahren?

    MfG

  6. Franz van Üüm // 2. Dezember 2013 um 09:12 //

    Lieber Herr Puttmann,
    Sie sprechen den Tourismus und und den Berkelradweg an.
    Wir haben in den vergangenen jahren schon einige Erfolge zu verzeichnen. Natürlich ist noch viel Luft nach oben. Wir sind ja froh, dass wir jetzt ein Hotel haben, dass behindertengerecht ist und wo wir ganze Busse unterbringen können.
    Wir haben jetzt erst an dem RDA-Workshop in Köln, wo wir Kontakt mit Busunternehmen geknüpft haben, teilnehmen können.
    Es gibt noch viele Ideen, man muss aber die finanzhiellen und personellen Kapazitäten haben um dieses auch umsetzen zu können.
    Wir sind ja dankbar für jede konstuktive Kritik, wie wäre es aber wenn Sie und auch andere mal ganz konkrete Vorschläge machen würden, die man umsetzen kann und wo Sie bereit sind sich einzubringen.
    Wir sind für jede Untersützung dankbar.
    Wenn Sie in den vergangenen Jahren die Entwicklung des Tourismus in Gescher genau beobachtet hätten, dann dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass schon eine ganze Menge paxssiet ist..

  7. Volker Puttmann // 29. November 2013 um 21:01 //

    Guten Abend allerseits,
    Man kann soviel Planen, wie man will. Ohne ein griffiges Tourismuskonzept wird Gescher auf ewig weiter rumkrebsen und die sogenannten Ausschüsse weiter diskutieren.
    Es ist wie es ist. Wir sind nicht attraktiv genug.

    Ein Berkelwanderweg ist klasse. Aber da muss mehr kommen.

    Das Ruhrgebiet kämpft seit Jahrzehnten mit dem Leerstand Lösung wurde bislang nicht gefunden. Da haben sich schon viele „Experten“ die Zähne dran ausgebissen.

    Und hier reden wir jetzt von der Schwächung der Innenstadt wegen einer Parkplatzsituation (hrhrhrhr)?
    Lustig ist das schon.

    VG
    V. Puttmann

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