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Initiative Tierwohl: „Von glücklichen Bauern und zufriedenen Schweinen!“

GESCHER (fjk). Als Vorbild für eine erfolgreiche Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland und möglicherweise in Europa sieht WLV-Präsident Johannes Röring die Initiative Tierwohl. Aktuell wird an der Formulierung der Branchenvereinbarung gearbeitet, die danach kartellrechtlich geprüft und von allen Initiatoren unterzeichnet werden soll.

Danach sollen auf freiwilliger Basis Schweinehalter sowie Hähnchen- und Putenmäster über das gesetzliche Maß hinausgehende Leistungen für mehr Tierwohl erbringen. Der Lebensmitteleinzelhandel wird den Landwirten für den entstehenden Mehraufwand einen Kostenausgleich zahlen. Eine Pflicht zur Teilnahme besteht nicht. Schweinehalter können sich frei entscheiden, ob sie an der Initiative teilnehmen wollen oder nicht.

Glückliche Bauern die mit zufriedenen Schweinen spielen... wohl eher Imagepflege als Realität.

Glückliche Bauern die mit zufriedenen Schweinen spielen… wohl eher Imagepflege als Realität.

Andreas Heumer, Schweinemäster aus Tungerloh-Pröbsting, ist vom Erfolg der Initiative nicht überzeugt. Zwar sei es  zu begrüßen wenn der DBV und Johannes Röring sich Gedanken um Tierhaltungsbedingungen machten, die Realität jedoch sehe anders aus.

„Tierwohl ist nicht einfach messbar. Viel hängt nicht so sehr vom Stallsystem sondern vom Viehtransporteur und Schlachter ab,“ sagt er und fügt hinzu: „ Zunächst muss eine breite, öffentliche Debatte stattfinden, mit allen besonders aber mit den Verbrauchern.“ Dieser müsse sich ehrlich und vorurteilsfrei informieren.

Heumer fordert Röring auf, konkret zu werden. „ Johannes Röring muss sagen ob das Kupieren der Schwänze und die Kastration der Ferkel in Ordnung ist.“ Er selbst spreche sich für die zweimalige Immunkastration aus. Das Kupieren der Schwänze hält Andreas Heumer für unverzichtbar. Er hofft, dass das Kartellamt die Initiative ablehnt denn er befürchtet, dass sich am Ende Mittel und Wege finden, den Mästern das ausgezahlte Geld vorher vom Verkaufspreis abzuziehen.

Noch bevor die Initiative überhaupt gestartet ist, das soll im Laufe dieses Jahres geschehen, fordert  CDU-Agrarexperte Johannes Röring vom Lebensmitteleinzelhandel, das derzeit vorgesehene Budget von 65 Mio. € als Kostenausgleich für den Mehraufwand der teilnehmenden Landwirte deutlich aufzustocken. Dies sei für den Erfolg der Initiative unerlässlich.

Ortslandwirt Bernhard Bronnert bestätigt, dass das Thema „mehr Tierwohl“ auch unter den Landwirten diskutiert wird. „Unter Druck gesetzt, fühlen die Landwirte sich allerdings nicht,“ so Bronnert. Vieles habe sich schon verbessert, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit dem Großschlachter Westfleisch. „Am Ende wird`s wohl auf kleinere Mastgruppen hinauslaufen.“

Bei den Kritikern der Initiative Tierwohl überwiegt Skepsis. Sie halten die Aktion bestenfalls für einen Versuch , die industrielle Tierhaltung allgemein aufzuwerten. „Es gibt kein artgerecht produziertes Fleisch, keine Milch von glücklichen Kühen und keine Eier vom zufrieden gackernden Huhn auf dem Misthaufen, “ sagen sie.

Denn wenn nur ein Bruchteil der Mäster die minimalen Verbesserungen einhält, dann könne die gesamte Branche flächendeckend mit der Kampagne werben ohne die Hosen runterlassen zu müssen, wer wirklich an dieser „Initiative Tierwohl“ teilnimmt und wie kontrolliert wurde.

Lies hier topagrar: Initiative Tierwohl – Branchenvereinbarung unterschriftsreif?

7 Kommentare zu Initiative Tierwohl: „Von glücklichen Bauern und zufriedenen Schweinen!“

  1. Andreas H. // 15. September 2014 um 10:00 //

    Das ist ein Ding. Ob es gelingen kann mit „Tierechtlern“ zu verhandeln?
    Bitte den Kommentar vom „User10 “ lesen.
    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Roering-vom-Erfolg-der-Tierwohl-Initiative-ueberzeugt-1547140.html

  2. Andreas H. // 16. Juli 2014 um 11:59 //

    @Herr Becker
    Sie sagen:“Warum ist es eigentlich nicht möglich, Schweine artgerecht zu mästen?“
    Leider haben Sie Ihren Beruf nicht angegeben. Ich „tue“ jetzt einfach mal so, Sie sind ein Verwaltungsangestellter oder Maurer. „Warum ist es eigentlich nicht möglich, Akten fristgemäß zu bearbeiten? Warum ist es nicht möglich, eine gerade Fuge zu mauern?“

    Was ist artgerecht? Es gibt Wildschweine und es gibt Hausschweine als Nutztiere. Würde man ein Wildschwein fangen und auf Vollspalten stellen, wäre das eine „Sauerei“. Ein modernes Hybridschwein, mit z.B. harten Klauen und Potential 800 bis sogar 900gr täglich zuzunehmen, können Sie mit der „Art“ Wildschwein nicht mehr vergleichen.
    Nach dem 30 Minütigen „Report Mainz“ Beitrag vom Montag, habe ich aber ehrlich gesagt keine Lust mehr meinen Namen für „moderne Tierhaltung“ herzugeben. Wir haben 200 000 Tierhalter in 17 Bundesländern. Was in den einzelnen Betrieben passiert, weiß man nicht.
    Es ist ja auch so, dass ein Vorschlag eines Einzelnen nie bis „Oben“ dringt. Es ist aber nachzulesen, dass ich vor dieser Skandalberichterstattung schon vorgeschlagen habe, dass die ordnungsgemäße „Nottötung“ ein K.O. Kriterium im QS System sein muss.
    Sollte hier ein Tierarzt mitlesen, hätte ich diesen Vorschlag. Zur Vermeidung von Skandalen in einzelnen Tierhaltungen muss ein Betreuungsvertrag (Tierarzt/Landwirt) Verpflichtung werden. Gleichzeitig besteht eine Art „Mithaftung“ für den Tierarzt. Aktuell ist der Landwirt Kunde. Wird der TA zu lästig oder streng, wechselt er. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass sich große Kunden mehr erlauben können als kleine (Vermutung)
    Bestandteil des VErtrages muss ein regelmäßiger Check sein. U.v.m. Sollte mal drüber nachgedacht werden.Würde dieser Vertrag einseitig gekündigt werden, erfolgt eine Meldung ans V.Amt. Binnen einer Frist muss der Bauer einen andern Vertrag vorlegen.

    Grundsätzlich bin ich mit dem Thema durch. Die „vierte Gewalt“ (Medien) werden so lange unsachlich auf Tierhalter eindreschen, bis sich weder ein Tierarzt noch Landwirt noch für den Job hergibt. Im letzten Wochenblatt war zu lesen, dass in ganz NRW 250 den Beruf Landwirt gelernt haben. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es 1988 allein in COE und BOR über 250.

  3. Becker // 15. Juli 2014 um 12:26 //

    Warum ist es eigentlich nicht möglich, Schweine artgerecht zu mästen? Warum finden es Verbraucher eigentlich erstrebenswert, möglichst billiges Fleisch zu kaufen?
    und warum müssen Leute an so einer Initiative herummeckern, anstatt sich zu freuen, dass sich mal in Richtung Tierwohl was tut? Gute Ideen beginnen immer mit dem ersten Schritt!!

  4. Andreas H. // 22. Juni 2014 um 10:28 //

    @Herr Kunst
    Wenn ihre Familie beschlossen hat nur zweimal wöchentlich Fleisch zu essen, sollte man den Grund dafür nennen. Wenn man das aus gesundheitlichen Gründen für richtig hält, ist das in Ordnung. Macht man dies aus ethischen Gründen, ist das absurd. Den Regenwald rettet man damit auch nicht (wird oft behauptet). Denn, Soja wird in Südamerika nicht zur Fütterung europäischer Schweine angebaut, sondern zur Ölgewinnung (Sojaöl). Dies wird als Salatöl etc. oder zur Bioenergiegewinnung genutzt. Die Schweine bekommen nur das Nebenprodukt, was nach dem Pressen übrig bleibt, also das Sojaschrot.
    Zu Ihren Essgewohnheiten noch die Frage, ob Ihr Hund auch umgestellt wurde? 😉

    Ihre Kritik an Herrn Röring mag ja politisch gesehen berechtigt sein. Nur im Ton nicht in Ordnung. Wir kenne seine Einstellung zum Tierschutz nicht. Bin mir aber sicher, dass er seine Tiere gut aufpasst. Wenn Sie sagen, „Tierwohl geht Ihm am A… vorbei, dann beschreiben Sie eine Eigenschaft die wohl auf 80% der Bürger zutrifft.

    Wir müssen grundsätzlich fragen was hier los ist. Wer im Bundestagswahlkampf in Vreden und Umgebung die beschmierten Wahlplakate des Abgeordneten gesehen hat, muss sich mal ernsthaft Gedanken machen was für Fanatiker im Kreis frei herumlaufen.

    Die Kommunikation der ganzen CDU lässt zu wünschen übrig. Dadurch beflügelt man natürlich Aggressionen.

    Der Bauernpräsident aus Schleswig-Holstein versucht es so:
    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Werner-Schwarz-Wie-kommuniziere-ich-Landwirtschaft-1474871.html

  5. Meine Familie und ich haben den Fleischkonsum schon vor Jahren stark reduziert. Bei uns gibt`s Fleisch maximal ein- bis zweimal die Woche. In meiner Jugend war das übrigens nicht anders, da gab`s richtiges Fleisch nur am Sonntag , an Feiertagen oder an den Tagen wann geschlachtet wurde.

    Ethisch ist der Tötungsvorgang eher weniger ein Problem für mich. Tiere töten sich untereinander, Menschen töten Tiere und umgekehrt. Sterben, Töten ist Teil des Lebens! Das entscheidende ist das Wie und Warum. Hier sehe ich den Menschen als das allen anderen Tieren überlegene Geschöpf in der Bringschuld.

    Ebenso wichtig ist der quantitative Aspekt. Müssen wir soviel Fleisch „produzieren?“ – Meine Meinung ist ein klares Nein. Meine Version eher: Nur noch die Hälfte Fleisch produzieren, das aber doppelt so teuer. Das ganze dezentralisiert. Schlachtvieh darf nur dort getötet werden wo es aufgewachsen bzw. gemästet wurde. Den Kreaturen, die für unsere Lebensqualität ihr Leben verlieren müssen, ist eine qualfreie Existenz zu garantieren. Dem hat sich alles andere unterzuordnen.

    Deshalb finde ich es gut, dass Herr Heumer als Mäster eine EHRLICHE und vorurteilsfreie Diskussion fordert. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass wenn wir etwas für die Tiere tun wollen, wird/muss der Genuss ihres Fleisches teurer werden. Deshalb ist es zu kurz gegriffen, den Mäster und seine Haltungsbedingungen allein an den Pranger zu stellen. Der billiggeile Verbraucher gehört dazu, ebenso wie profitgeile Tötungskonzerne à la Westfleisch und Tönnjes…

    Was die Aktion „Initiative Tierwohl“ betrifft will ich mich gern eines Besseren belehren lassen. Heute bin ich skeptisch. Ich befürchte ein hohes Potenzial an wirkungslosen Mitnahmeeffekten.

    Meine Skepsis hat natürlich auch mit der Person des Agrar-Lobbyisten Röring zu tun, der als einer der Erfinder dieser Initiative gelten möchte. Röring hat erwiesenermaßen eine „totsichere“ Nase wie in der Landwirtschaft Geld zu machen ist. Siehe Biogaswahnsinn à la Röring!! Tierwohl… geht Herrn Röring am A…sch vorbei. Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage.

  6. Andreas H. // 20. Juni 2014 um 13:47 //

    Herr Kunst, Sie sollten wirklich mit großen Schweinemästern sprechen. Ein „großer Schweinemäster “ hat nämlich ein GROßES Genehmigungsverfahren durchlaufen und dafür viel Geld bezahlt. Besonders hier im Kreis Borken geht die Rechnung für die Mäster (Groß) nicht auf.Von Gülleentsorgungskosten im fünf bis sechsstelligen Bereich ist zu hören. JS hat recht, diese Betriebe warten auf diesen Soli des Bauernverbandes, um wenigstens etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen – investieren brauchen die „Großen“ ja nicht, weil sie die Anforderungen eh erfüllen.

    Genau wegen dieser Bauernschläue hoffe ich auf das Scheitern. Wer sich verkalkuliert hat, muss dafür gerade stehen – nicht der Verbraucher. Wiedereinmal hat JS hier demonstriert, was der Bauernverband ist. Ein Verband für Subventionsoptimierer (nicht alle).

    Ich muss noch einmal darlegen, wo der Schuh wirklich drückt. Es gab vor wenigen Wochen einen ausführlichen NDR TV- Bericht (Titel:“Armes Schwein“)über einen sehr großen Ferkelerzeuger. In 30 Minuten wurde „ungeschminkt“, besonders von der Betriebsleiterin (eine gelernte Tierärztin), die moderne Tierhaltung gezeigt. Die Ferkel wurden vom Nachbarbetrieb gemästet, quasi ohne Krankheitsausbrüche mit nur knapp 30 Cent Medikamentenkosten (Entwurmung?).
    Die Folge dieser kommunikativen Glanzleistung war ein nächtlicher Stalleinbruch – vermutlich von „Tierrechtlern“. Wie bei diesen Gruppen üblich, wurde ein Stallabteil mit Wasser geflutet um vermutlich hässliche Videobilder zu erzeugen. Dies wurde alles zur Anzeige gebracht und kann auch über facebook „Brokser Sauen“ gelesen werden.
    Ich will damit sagen, wie wichtig eine offene und EHRLICHE Debatte ist, um endlich aus der Defensive raus zu kommen.Glaubwürdigkeit ist essentiell in so einem extremen Spannungsfeld! Genau dieses leistet die Initiative nicht. Dort geht es um Geld, um Geld und um noch mehr Bürokratie, die den 1 Mann – Betrieb noch an der Tierbetreuung hindert.
    Wir werden es nie schaffen „Fanatiker“ zu überzeugen. Aber den Verbraucher haben wir sauber aufzuklären.

    Wäre schön mal Meinungen von den „Kunden“ zu sehen!!!

  7. Bauer JS // 20. Juni 2014 um 11:56 //

    Hallo
    Aktuell sind wir soweit sagen zu können, das es einen vom LEH festgelegten Aufpreis von 4 cent je kg ,an der Ladentheke geben wird.
    Unabhängig von Einzelprojekten die das gesamte Tierwohlkonzept abzudecken versuchen, warten unsere Schweinemäster nur auf den Startschuss !
    Herr Kunst, sprechen sie mal mit grossen Mästern in unserer Gegend !
    Diese erwarten mit Freuden den finanziellen Ausgleich für z.b. eine geringere Belegung der Mastgruppen. Dies ergibt eine höhere Wirtschaftlichkeit durch geringere Gülleverbringung und Flächenpacht. Gleichzeitig haben unsere Tiere ein höhere Platzausnutzung. Tierwohl bedeutet auch Fortschritt, dies betrifft den finanziellen Ausgleich für Kühlverfahren und Beschäftigung.
    Sicher ist auch, das alle vorgegebenen Massnahmen vom Mensch vorgeschrieben werden und wir nicht wissen ob das Tier dies auch als Verbesserung empfindet! Daran wird geforscht werden müssen.
    Auch ist klar das nicht unsere komplette Tierhaltung auf Stroh zu mästen ist, da in diesem Fall der Rohstoff Stroh bei weitem nicht ausreicht den Bedarf zu decken.
    Dies ist auch nicht das Ziel der Kampagne sondern eine flächendeckende Verbesserung der Tierhaltung mit Spezialbetrieben und Grossbetrieben. Dies ergibt auch kleineren Betrieben ein ausreichendes Einkommen und den grösseren Betrieben zusätzliche Anreize.
    Der Kunde an der Ladentheke (immerhin 98% der Bevölkerung sind unsere Kunden) muß merken das die gesamte Branche bereit ist etwas zu drehen und das dies gleichzeitig auch höhere Preise bedarf .
    Mit nur 4 cent je kg etwas zu leisten ist tragbar für jeden unserer Kunden……oder etwa nicht ?

    MfG

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