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Glasfaserausbau: Warum verzichten Landwirte auf Fördermittel?

Genossenschaftsmodell für Landwirte im Außenbereich vorteilhafter

Gescher (fjk). Während in der Innenstadt von Gescher der Glasfaserausbau stockt, macht er im Außenbereich gute Fortschritte. Dort haben die Landwirte in einem privatrechtlichen Modell zusammen mit einem Netzbetreiber aus Rosendahl den Netzaufbau selbst in die Hand genommen. Politik , Verwaltung und Medien geizten nicht mit Beifall. Möglicherweise haben sie zu früh geklatscht.

Henning Hoene, FDP Landtagsabgeordneter in Düsseldorf, ist erstaunt. Er weist darauf hin, dass es für den Ausbau des Breitbandnetzes im ländlichen Raum erhebliche Fördermittel gibt. Auf Anfrage von Gescherblog nennt er in einer Mail das europäische ELER-Programm. Mit diesem Förderprogramm können 90% der Wirtschaftlichkeitslücke für den Infrastrukturausbau inkl. Tiefbau etc. gefördert werden. „Unter gewissen Voraussetzungen sind sogar 100% möglich,“ sagt Henning Hoene.

Nach dem aktuellen Modell in Gescher (siehe Grafik) ist der Netzbetreiber Eigentümer des Netzes einschließlich der Technik vom Versorger bis zum Endkunden, obwohl der Bau des Netzes durch die Landwirte selbst erfolgt. Der Netzbetreiber bestimmt allein die Regeln für die Fremdaufschaltung. In der Praxis bedeutet das, dass die Wechselmöglichkeit zu einem anderen Anbieter am Ende nur Theorie ist. Es gibt nämlich keine Regulierung der Gebühren. Diese können so hoch angesetzt werden, dass Fremdprovider keine Möglichkeiten haben, unter vertretbaren Kosten aufzuschalten. Die Folge, das Internet könnte teuer werden.

„Besser wäre das Modell einer Genossenschaft gewesen,“ sagt der lokale Internetanbieter Thomas Haveresch von GigaDSL. Haveresch versorgt Teile des Außenbereichs von Gescher über Funktechnologie mit Internet. Beim Genossenschaftsmodell ist die Genossenschaft Eigentümerin des Netzes. Sie projektiert und baut das Netz. Die eG bestimmt, welches Netzentgeld (TAL-Gebühr) für die Verpachtung von den Providern erhoben wird. Da die eG nach dem Kostendeckungsprinzip arbeitet, wird am Ende die Nutzung des Internets für die Endkunden billiger, nicht nur der Bau des Netzes. „Für dieses Modell stehen zudem umfangreiche Fördermittel zur Verfügung,“ so Haveresch.

*Foto: Motiv/Grafik

2 Kommentare zu Glasfaserausbau: Warum verzichten Landwirte auf Fördermittel?

  1. Entscheidend ist der Satz des Bürgermeister „Fördermittel für das im Außenbereich von Gescher praktizierte privatrechtliche Modell seien nach seiner Kenntnis nicht möglich.“ Wenn es nicht privat umgesetzt wird, müsste ein öffentlicher Träger das Vorhaben durchführen. Der Träger müsste dann auch die Lücke zwischen Förderung und Endsumme finanzieren. Sprich, die Stadt Gescher müsste ca.10 % aus eigenen Mitteln investieren. Wenn man sich dann alleine das Theater mit der Schülerbeförderung im Außenbereich anguckt, sehe ich hier für die nächsten Jahre keine finanziellen Mittel für diese Maßnahme. Deswegen verzichten die Landwirte auf Fördermittel.

  2. Da waren wohl einige eifrige „Aussenbereichler“ ein wenig zu schnell mit dem buddeln. Es gab in Tungerloh ja auch eine „Friss oder Stirb“ Mentalität. Für die Organisatoren bestimmt kein Nachteil. Ein Schelm wer böses dabei vermutet. Aber Hauptsache die Rosendahler Firma verdient richtig Geld damit. Kaum Arbeit und kaum Kosten. Bevor dann Fördergelder öffentlich werden noch mal eben Abkassieren. Das ist dann auch ein interessantes Geschäftsmodell.

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