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Landwirtschaft: „Tierbestand dauerhaft reduzieren“

Gescher (topagrar). „Wir haben glühende Landschaften“, sagt Grünen-Chef Robert Habeck jetzt in einem Interview mit topagrar.  Die Bauern müssen mit dramatischen Einbußen rechnen. Die Tierhaltung in ihrer sehr intensiven Form stoße an ihre ökologischen Grenzen. „Im Winter kann die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangelt es an Futter.“ Für Habeck gibt es da nur den Ausweg, den Tierbestand dauerhaft zu reduzieren.

Der Klimawandel erzwinge es, „dass wir für die Bauern Einkommensmodelle entwickeln, die jenseits des bisherigen Systems von „Wachse oder weiche“, also „Produziere immer mehr, hab mehr Tiere, oder gib auf“ funktionieren.“

Auf flächengebundene Landwirtschaft umstellen

Als Gegenmodell bringt Habeck eine Umsteuerung zu einer flächengebundenen Landwirtschaft ins Spiel: „Ein Betrieb soll nur so viele Tiere haben, wie er mit dem Ertrag seiner Flächen grundsätzlich ernähren kann.“ Bauern, die weniger Kühe haben, würden dann eine höhere Prämie bekommen. So könne das „industrielle Wachstum mit zu vielen Tieren auf engem Raum und zu viel Güllebedarf samt entsprechenden Nitraten im Grundwasser“ gestoppt werden.

Sollte dies nicht geschehen, fordert der Grünen-Vorsitzende eine radikalere Lösung: eine „Obergrenze der Viehhaltung“. „Das hieße, dass man beispielsweise nicht über zwei Großvieheinheiten – das sind zwei Kühe – pro Hektar gehen darf.“ Die Agrarsubventionen würde Habeck dabei nicht erhöhen, sondern bei etwa 350 Milliarden Euro EU-weit pro Förderperiode bleiben.

Original: Topagrar

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4 Kommentare zu Landwirtschaft: „Tierbestand dauerhaft reduzieren“

  1. Ulrich Althoff // 6. August 2018 um 11:40 //

    Was macht eigentlich der gesinnungstechnisch richtig, also grün eingestellte Bio-Bauer? Denn auch vor einer grünen Bio-Wiese macht die Trockenheit,(also Klimawandel) nicht halt. Eine Katastrophe wenn denn die bio-korrekte Kuh Grashalme fressen würde, die nicht den hohen Ansprüchen der neuen grünen Oberschicht entsprechen.

  2. Weshalb nicht auf Bio gehen?!
    Kein glyphosat!? Weniger Tiere, dafür bessere Qualität!?
    Nur durch den massiven Einsatz von Pestiziden, kann so viel produziert werden. Was nicht bedacht wird ist, dass die Böden, das Grund und TRINKWASSER, auf lange Zeit verseucht wird.
    Weshalb nicht Familie Betriebe unterstützen!?
    Und… Klimawandel ist immer dann, wenn ein Sommer heiß ist.
    Jahre vorher, hätten wir so lange Winter, da sprach niemand vom Klimawandel!?

  3. Andreas Heumer // 23. Juli 2018 um 17:04 //

    Der Robert Habeck ist der einzige Spitzenpolitiker der Grünen, mit dem man sich ernsthaft auseinandersetzen kann. Was er hier aber fordert, ist ein alter Hut der vor fünfzig Jahren schon erfunden wurde, nämlich der Vieheinheitenschlüssel, wo steuerlich Anreize geschaffen werden, nicht mehr Tiere pro Hektar zu halten.

    Grundsätzlich erzeugt eine Bindung der Tierhaltung an die Fläche ein Tierschutzproblem. Aus Tierschutzgründen sollte die Tierhaltung zum besten Wirt wandern und nicht zum größten Flächenbesitzer. Deshalb sollten Kooperationsmodelle möglich sein, damit der gute Ackerbauer ackert und der beste Tierbetreuer Tiere betreut.

    Leider wird dem Habeck auch das nötige Hintergrundwissen fehlen, wenn er mit solchen Verkürzungen ein kompliziertes Thema beackern will. Obwohl ich grundsätzlich seine Zielsetzung teile.

    Ich möchte ein kurzes Beispiel bringen warum die nachhaltige Landwirtschaft vor die Hunde geht. Es geht ja letztendlich auch um Strukturwandel und Herr Röring (CDU) hat in Nottuln bei einer interessanten Diskussion eine Aussage gemacht, die man als gegenteilig zu Habeck Wahrnehmung sehen kann. Er sagte:“ in den viehstarken Kreisen haben wir den geringsten Strukturwandel“.

    Die Ursache ist in der Agrarstatistik zu finden, die nicht mehr in der Lage ist Bauernhöfe zu zählen.
    So werden die aufgegebenen Höfe immer größer, und wenn einer zwei Höfe pachtet, laufen diese unter speziellen Namen mit Tierhaltung weiter um steuerliche Vorteile zu haben. Also: 2 weg – einer pachtet und es bleiben statistisch 3 Bauern.
    In Kreisen wie BOR steigt sogar der Anteil Höfe unter 2 Hektar. Das hängt mit den gewerblichen Ställen zusammen die nebenher gebaut und bewirtschaftet werden ohne Fläche. Also ein Ferkelerzeuger baut einen gewerblichen Stall und in der Statistik entsteht ein neuer Hof – den es nicht gibt. Viele andere Statistikfehler könnte ich noch nennen…

    Die Landwirtschaft könnte sich am schnellsten selbst helfen, indem man den Bauernverband abschafft, der komplizierte Sachverhalte noch mit verbalem Unsinn völlig undurchschaubar macht und natürlich Leute wie Habeck überfordert.

    Zum Glück ist Gescher natürlich anders im Kreis Borken und hier hat man vermutlich schon die 2 Großvieheinheiten pro Hektar, die gefordert werden.

  4. Ulrich.Althoff // 23. Juli 2018 um 15:30 //

    Eine alte Bauernweisheit aus dem vorletzten Jahrhundert, als es auch schon glühende Sommer, aber noch keinen antropogenen Klimawandel gab: Ist der Juli trocken und heiß, klebt dem Bauern die Hose am Steiss.

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