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Wirtschaftswegeverband auf der Zielgerade..

.. aber noch nicht im Ziel.

Gescher (fjk). Seit fast zehn Jahren steht er in Gescher auf der Tagesordnung: Der Wirtschaftswegeverband. Jetzt könnte seine Realisierung -ein Pilotprojekt in NRW- kurz bevor stehen. Im fast vollen Theater- und Konzertsaal trafen sich am Dienstagabend Grundstückseigentümer des Aussenbereichs zu einer ersten Info-Veranstaltung. Am Schluss gab`s eine Probeabstimmung, anonym unter Aufsicht eines Notars aus Stadtlohn, der die abgegeben Stimmen auszählen wird und dem Rathaus ein Stimmungsbild liefern soll. Das Ergebnis wird nach der zweiten Info-Veranstaltung in einer Woche vorliegen. 

Wer bezahlt die Sanierung der Wirtschaftswege? Zweihundert Kilometer davon hat die Stadt. Landwirtschaftlicher Ortsverein, Bürgermeister und Politik in Gescher sind sich einig: Die Last kann nur auf viele Schultern verteilt werden. Mit dem Wirtschaftswegeverband will man das Solidarprinzip verwirklichen und den Landwirten weitgehende Handlungsfreiheit einräumen.

Bürgermeister Kerkhoff freute sich , dass der Saal so gut gefüllt war. Die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, Elke Böyer, hieß die Besucher willkommen. Unter ihnen auch eine Delegation aus dem Metelener Rathaus um Bürgermeister Gregor Krabbe. Die Metelener ziehen in Sachen Wirtschaftswegeverband mit den Gescheranern an einem Strang. Die Landwirte hätten die Bemühungen um einen Wirtschaftswegeverband in den letzten Jahren unterstützt, sagte Böyer. Und das obwohl die auf Landwirte und Grundstückseigentümer zukommenden finanziellen Belastungen durchhaus von vielen noch kritisch gesehen würden.

Mehr als eineinhalb Stunden beleuchtete Thomas Kerkhoff das Themenfeld von vielen Seiten. Kerkhoff darf durchaus als „der Vater“ des aktuellen Satzungsentwurfs bezeichnet werden. Als Jurist war er schon zu seinen Zeiten als Anwalt mit dem Thema beschäftigt.

„Ein wesentlicher Vorteil des Wirtschaftswegeverbandes ist seine Selbstständigkeit. Er ist nicht mehr auf die Kassenlage der Kommune und politische Mehrheiten im Rat angewiesen. Er kann sehr weitgehend frei handeln,“ erläuterte Kerkhoff.  Zudem seien auch Kreis, Land und Bezirksregierung als Zahler mit im Boot.

Kerkhoff machte keinen Hehl daraus, dass der Weg bis zum heutigen Tag manchmal steinig war. „Rechtlich ist das Neuland. Immer wenn ich glaubte, jetzt haben wir`s, jetzt geht`s los.. kommt noch eine Frage die auszuarbeiten und zu beantworten war,“ sagte er mit Blick in Richtung der vom Kreis anwesenden Vertreterin Kordula Blickmann.

Kerkhoff ging auch auf Kosten und Beiträge ein. Z. Zt. noch beispielhaft. Bei einem Investitionsvolumen von jährlich 240.000 Euro (Neubau und Unterhalt) will sich die Stadt rechtsverbindlich langfristig verpflichten 100.000 Euro (100.000 Neubau plus 40.000 Unterhaltung durch Bauhof) jährlich an den Verband zu überweisen. „Meinetwegen 20 Jahre,“ so Kerkhoff. Weitere 100.000 Euro sollen durch den Verband eingebracht werden. Für die Grundstückseigentümer käme dann ein Beitrag von 13 bis 18 Euro pro Hektar zu. Der Hektarsatz richtet sich nach der „Wertigkeit“ der Landfläche (Acker, Wald oder Naturschutzgebiet). Wie in Metelen beklagten Waldbesitzer aus Gescher den zu hohen Ansatz für Waldflächen.

„Mit 240.000 Euro schaffen wir nicht viel,“ monierte dann auch ein Landwirt, „dafür müssen wir keinen Verband  gründen.“ Die Metelner sind offensichtlich offensiver und optimistischer. Sie arbeiten an einem „Hektarsatz“ von 49 Euro um das Wirtschaftswegenetz in überschaubarer Zeit einmal komplett durchzusanieren.

Kerkhoff hatte gegen eines solche Kritik nichts einzuwenden. „Wenn Sie mehr wollen, kann man das natürlich machen. Ich habe nix dagegen.“

Ortslandwirt Bernhard Bronnert wies auf die Risiken einer KAG-Regelung hin. Dort zahlen ausschließlich die Anlieger. Ein Landwirt könne durchaus mehrfach hintereinander zu Zahlungen herangezogen werden. „Existenzbedrohend“ so sein Resumé. Auch die Finanzierung über Grundsteuer A sah Bronnert kritisch. „Wir haben ja schon immer 50 Prozentpunkte mehr gezahlt, doch in den Aussenbereich zurückgeflossen sind die Mittel nicht. Die sind irgendwo versickert.“

Lies hier mehr zum Thema „Wirtschaftswegeverband“.

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