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Ausbau Erlengrund: „Lebensfremde Lösungsansätze“

SchwarzGrün lehnt Antrag der SPD auf Einrichtung einer 7er-Zone ab.

Gescher (fjk). Die Verwaltung war sauer und Fachbereichsleiter Uwe Wißmann machte keinen Hehl daraus. Denn der anstehende Ausbau Erlengrund ist bereits als 30er-Zone beschlossen. Den im Nachgang eingebrachten Antrag der SPD auf Einrichtung einer 7er Zone bezeichnete Wißmann als „nachkarten“.

„Man kann sicher der Auffassung sein, das dies keine 1a-Lösung ist. Aber unter den gegebenen Umständen ist es die beste Lösung,“ machte Wißmann die Position der Verwaltung deutlich. Zudem sei man in der Umsetzung des Beschlusses bereits fortgeschritten und habe die Arbeiten für das Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht. „Jetzt noch einmal von vorne anzufangen , ist nicht richtig. Dem Antrag der SPD kann nicht gefolgt werden.“

Die SPD-Fraktion rieb sich im Wesentlichen an der „Problemzone“ in Höhe Schützenwald. Dort  soll ein gebogener Weg durch das Wäldchen führen und Fußgänger aufnehmen. Im vorherigen und weiteren Verlauf der Straße ist ein seitlicher Fußweg vorgesehen.

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Christian Wellering, SPD, machte deutlich worum es seiner Fraktion geht: Um die Sicherheit der Bürger, ganz besonders die der Kinder. Niemand werde den Weg durch das Schützenwäldchen nehmen, sondern wie jetzt die Straße nutzen. Großartige Umplanungen seien nicht notwendig. Es gäbe einen ganzen Strauß von Maßnahmen mit denen man eine Geschwindigkeitsreduzierung herbeiführen könne, so Wellering. Er nannte Markierungen auf der Straße und stationäre Geschwindigkeitsanzeigen.

„In einer 30iger Zone ist die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit 40 km/h. Für Fußgänger die sich zweifellos an dieser Stelle auf der Straße befinden werden ist uns das zu gefährlich,“ appellierte der SPD-Mann an die Verwaltung. „In dem Wohngebiet leben viele junge Familien mit Kindern. Wir müssen damit rechnen, dass sie auf der Straße sind.“

Der Bau- und Planungsausschuss am Mittwochabend kurz vor Beginn der Sitzung. Größer? – Klick auf Bild!

Günter Effkemann von den GRÜNEN bezeichnete den Antrag der SPD als „Rolle rückwärts“. Man solle beim vorhandenen Beschluss bleiben. Er könne keine neuen Fakten erkennen.

Dominikus Bartusch, Sprecher der CDU-Fraktion, wies darauf hin, auch die 7er-Zone sei ausführlich diskutiert worden. Seine Fraktion hält die 30iger Zone für gut und richtig. Der Planer habe deutlich gemacht, dass ein absolut sicherer Gegenverkehr vor dem Schützenwäldchen nicht zu „handeln“ sei. Die CDU werde den Antrag der SPD auf Ausweisung einer 7er-Zone ablehnen.

Nico Charbon, UWG,  wollte wissen, ob die Anwohner zu dem Thema befragt worden seien. Es habe von der Verwaltung geheißen: „Nichts ist in Stein gemeißelt.“ Es gehe um Verkehrssicherheit, unterstrich Charbon. „Wir haben dort einen Kindergarten mit so vielen Kindern, die haben einen Anspruch auf Sicherheit.“

Am Ende stand die schwarzgrüne Mehrheit. CDU und Grüne lehnten den Antrag der SPD auf Einrichtung einer 7er-Zone -an Stelle der geplanten 30er-Zone- ab. SPD, UWG und FDP stimmten für den Antrag der Sozialdemokraten.

Franz-Josef Kunst

meint: Beide Lösungsansätze: Separater Rundweg durch das Schützenwäldchen   und Einrichtung einer 7er-Zone haben eines gemeinsam: Sie sind weltfremd. Kein Fußgänger wird durch den Wald laufen, schon gar nicht bei Regen oder Dunkelheit.

Ebenso wird sich kaum ein Autofahrer in einer 7er-Zone an die dann verbindliche Geschwindigkeit halten, es sei denn man erzwingt diese durch bauliche Maßnahmen. Was die Verwaltung angeblich nicht kann, wahrscheinlich aber nicht will. 

Die Verwaltung sieht die Mängel der 30iger-Zone mit Rundweg durchaus. Warum hat sie keine andere, bessere Lösung vorgeschlagen? Sicher gibt es die! Was hat die Verwaltung behindert? Immerhin hat Bürgermeister Kerkhoff jetzt angekündigt, den Rundweg im Schützenwäldchen in einen geraden Weg parallel zur Straße zu konzipieren. Hoffen wir, dass das hilft…

 

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3 Kommentare zu Ausbau Erlengrund: „Lebensfremde Lösungsansätze“

  1. Christian Wellering // 12. März 2019 um 14:57 //

    Der Kommentar von „ein Bürger“ bestätigt genau die Intention des SPD-Antrags, eine 7er-Zone einzurichten.

    Der Hauptunterschied zwischen einer 30er-Zone und einer 7er-Zone besteht darin, dass sich in einer 7er-Zone auch Fußgänger und Kinder auf der gesamten Fläche bewegen dürfen. Deshalb wird sie oft auch als „Spielstraße“ bezeichnet, ein Begriff, der durch die Einführung des verkehrsberuhigten Bereichs mit dem blauen Verkehrszeichen 325.1, weggefallen ist. Verkehrsberuhigter Bereich bedeutet, dass Kinder überall spielen dürfen, sich Fußgänger überall bewegen dürfen, lediglich Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist und Fußgänger den Fahrzeugverkehr nicht unnötig behindern dürfen.
    In einer 30er-Zone sind Fahrbahn und Gehweg getrennt. Fußgänger müssen den Gehweg nutzen.
    Es geht dabei nicht um den Kindergarten, der ist nur ein weiterer Aspekt in dem Zusammenhang. Es geht auch nicht darum, Autofahrer „zu benachteiligen“.
    Es geht um den Bereich am Schützenwäldchen, wo eine Fahrbahn mit seitlichem Gehweg nicht möglich ist.

    Die gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeiten innerhalb verkehrsberuhigter Bereiche liegen überwiegend bei ca. 20 km/h. In 30er-Zonen bei ca. 40 km/h.
    Was dies bedeutet, kann jeder Autofahrer ausprobieren (aber bitte nur in abgesperrten Bereichen). Wo er bei 20 km/h vor einem plötzlich in seinen Fahrweg laufenden Menschen gut zum Stillstand kommt, fährt er diesen, ist er mit 40 km/h unterwegs, quasi ungebremst um.
    Ich glaube nicht, dass man spielende Kinder zu verkehrsordentlichem Verhalten im Spiel erziehen kann. Außerdem bestätigt „ein Bürger“ unsere Befürchtung, den Aufenthalt von Menschen auf der Fahrbahn einer 30er-Zone als deren Fehlverhalten zu betrachten und sich dann möglicherweise weniger rücksichtsvoll zu verhalten.

    Den Antrag haben wir 3 Tage nach der HFA-Sitzung nur gestellt, weil die Verwaltung den Beschluss unbedingt wollte, um weiterplanen zu können – verbunden mit dem Hinweis, dass Änderungen weiterhin möglich sind. Das Thema war m. E. nicht ausdiskutiert. Dass es fast drei Monate dauert, ihn beraten zu lassen, haben wir nicht zu verantworten.

    @Franz-Josef Kunst:
    Deshalb betrachten wir unseren Antrag auch nicht als weltfremd, sondern genau auf die dort bestehende Situation zugeschnitten. Genau dafür steht ein verkehrsberuhigter Bereich.

    Natürlich gäbe es andere Lösungen, jedoch müssen diese auch umsetzbar sein.

    Ich heiße übrigens Christian Wellering

  2. Ein Bürger // 9. März 2019 um 14:28 //

    Bei allen anderen Kindergärten, die ich kenne, reicht 30km/h scheinbar aus, und sonst sind 50km/h ja auch sicher genug. Warum jetzt die Autofahrer so benachteiligen? Mal im Ernst, selbst wenn da 7km/h wäre, würden 95% der Leute das vollkommen ignorieren. So ist das ja in jedem verkehrsberuhigend Bereich. Da wird teilweise schneller gefahren, als in einer 30er Zone.
    Klar ist der Schutz der Kinder wichtig, aber mit der Aussage, dass 30km/h zu gefährlich ist, da könnten ja Kinder auf der Straße sein, ist auch eine Beleidigung der Eltern, dass die zu dumm seien, ihre Kinder richtig zu erziehen (ich habe damals noch gelernt, dass man nicht auf befahrenen Straßen spielt).

  3. MamahatRecht // 7. März 2019 um 21:54 //

    Was mir immer noch nicht einleuchtet ist die Tatsache, dass gerade auf dem Stück des Erlengrundes “ plötzlich“ 30 km/h gilt, wo doch dort ein Kindergarten angesiedelt wurde. Ringsherum sind 7 er Zonen (Stück zwischen Riete und Westfalenring , Fritz-Reuter-Straße,Reststück des Erlengrundes bis zum Lönsweg, Theodor-Storm-Weg, An den Bachgärten). Schade, dass hier nicht die Gelegenheit genutzt wird, gerade im Kindergartenbereich für eine wirkliche Verkehrsberuhigung zu sorgen….

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