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Gewerbepolitik: „Gefährliches Minenfeld“

Wird der Energie-Campus eine Luftnummer?

Gescher (fjk). Wie und zu welchem Preis sollen Gewerbegrundstücke in Gescher angeboten werden? Dieses hochinteressante Thema wurde in der letzten Hauptausschusssitzung diskutiert. Doch zu Beginn  gab`s erst einmal Ärger.

Der Bürgermeister hatte den Tagesordnungspunkt in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung gelegt. Warum, wollten die Sozialdemokraten wissen? Sie beantragten die öffentliche Diskussion des Themas. „Es gibt nichts, was die Bürger nicht erfahren dürften“.

BM Thomas Kerkhoff

Das sah Bürgermeister Kerkhoff anders, er wolle konkret und tiefgreifend informieren. Da müsse er Ross und Reiter -also Namen- nennen können. Deren Persönlichkeitsrechte seien zu schützen. Schwarz/Grün unterstützte die Ansicht des Bürgermeisters und votierte für „nichtöffentlich“.

Die Stadt Gescher hat noch ca. 50.000 qm Gewerbefläche im Bestand. Hinzu kommt der Hof Wissing mit ca. 40.000 qm. Aktuell kostet Gewerbefläche -voll erschlossen- in Gescher 35 Euro/qm. Im Vergleich mit den Nachbarkommunen befindet  sich die Stadt im Mittelfeld. Ist dieser Preis noch haltbar? Die Schere zwischen Einkauf und Verkauf entsprechender Flächen geht seit Jahren schon auseinander. Gewerbeflächen sind rar und schwer zu generieren.

Gewerbeflächen werden aus der Stadtkasse hoch subventioniert.

Im Gespräch mit GescherBlog bestätigt Bürgermeister Kerkhoff dies. Der Ausschuss habe in seiner nichtöffentlichen Sitzung keine Entscheidung getroffen. Die Stadtvertreter wollen in der zweiten Jahreshälfte konkret werden. Bei der Preisfindung sei die Entwicklung in den Nachbarkommunen zu beobachten, so der Bürgermeister.

Klassifizieren, erhöhen oder so lassen wie es jetzt ist. Diese Entscheidung steht also noch an.  Die Politiker liebäugeln  damit, die Gewerbegrundstücke in A-, B- oder C-Lage zu klassifizieren und unterschiedlich zu bepreisen. „Das hat Charm,“ wird ein Ausschussmitglied zitiert.

An den Vergabekriterien wird man wohl nur wenig ändern wollen. So ist bisher das wichtigste Kriterium,  möglichst viele  neue Arbeitsplätze auf möglichst kleiner Fläche zu schaffen. Die Sozialdemokraten wünschen sich, Ausbildungsplätze für Jugendliche stärker im Vergabekatalog zu berücksichtigen. Heimische Unternehmen werden nicht bevorzugt.

Die Veräußerung von Gewerbeflächen ist ein hochsensibles Thema mit erheblicher Sprengkraft. Hundertausende Euro aus der Stadtkasse fließen je nach Größe in ein Projekt.

Dem Bürger einen Energie-Campus versprochen.

Als Beispiel sei hier der Energie-Campus genannt: 2017 wurden einem Unternehmer aus Stadtlohn 28.000 qm Gewerbefläche an der B 525 überlassen. Mit einigen hunderttausend Euro Förderung aus der Stadtkasse. Dem Bürger wurde das als ein Projekt ähnlich dem Campus an der Bahnhofstraße verkauft. Doch geschehen ist bisher nichts!

Wie sonst auch die hohen Subventionen begründen?

Der „Pliete-Anzug“ scheint dem Unternehmer  aus Stadtlohn  vielleicht doch  eine Nummer zu groß zu sein. Bürgermeister Kerkhoff sieht das Unheil  kommen. Denn eilig wurde eine Veranstaltung mit Unternehmern im Rahmen der Veranstaltungsreihe denk.bar initiiert. Geladen war nur die „vertrauenswürdige Presse“, um die gewünschte Botschaft zu transportieren.

Angekündigt werden nun Erdarbeiten für dieses Jahr und der Baubeginn für`s nächste. 50 Arbeitnehmer sollen dann -irgendwann- von Stadtlohn nach Gescher wechseln. Arbeitsplätze die es schon gibt.

Wenn das so kommt, wird es kommunalpolitische Eruptionen auslösen, die den Bürgermeister  allerdings kaum noch treffen. Er sitzt dann schon im Bocholter Rathaus.. Die Ratsmitglieder, die diese Entscheidung getroffen haben, werden sich rechtfertigen müssen.

Franz-Josef Kunst

kommentiert: Eine Luftnummer darf der Energie-Campus nicht werden. Es muss geliefert werden, was dem Bürger für seine Steuern versprochen wurde.. ein Energie-Campus.. und nicht die profane Umsiedlung eines bereits vorhandenen Unternehmens von A nach B. Dafür hat Gescher zuviel Geld in die Hand genommen.

Der Bürgermeister reitet auf der Rasierklinge. Seine Gewerbepolitik hat bisher bestenfalls durchwachsen funktioniert. Es ist richtig, die Vergabe stärker mit dem Kriterium Ausbildungsplätze zu verknüpfen. Auch die Einteilung in Verkaufsklassen macht Sinn.

Unverzichtbar indessen ist,  sich besser um die heimischen Unternehmen zu kümmern. Es kann nicht angehen, dass ein altes, aber sehr erfolgreiches Unternehmen aus Gescher vor seinem Grundstück ein meterhohes Banner anbringt: „Wir würden hier bauen, wenn man uns ließe.“

Die heimischen Unternehmer erwarten beileibe nicht, dass sie bevorzugt behandelt werden. Sie dürfen aber Fairness und Unterstützung aus dem Rathaus erwarten. Denn sie haben aus ihren Gewerbesteuern die Subventionen für Prestigeobjekte à la Energie-Campus zum großen Teil mitbezahlt.. 

Lies hier: Firma Döpik wandert nach Gescher ab. 

*Foto: Gescher erleben.

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2 Kommentare zu Gewerbepolitik: „Gefährliches Minenfeld“

  1. @Unglaublich
    Man muss Kritik in diesem Fall relativieren. Der Bürgemreister mag den Deal vorgeschlagen, entschieden haben ihn aber unsere Volksvertreter. Die sitzen im Dunkeln des nichtöffentlichen Teils einer Sitzung und waschen anschließend ihre Hände in Unschuld.

  2. Unglaublich // 11. Juni 2019 um 11:26 //

    Jeder Tag den dieser Bürgermeister hier sitzt, ist ein Tag zu viel.

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