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„Bauern in Gescher gehen verantwortlich mit Gülle um“

EU droht mit Konsequenzen wegen Gülleflut

Gescher (HB/fjk). Die EU hat „die Faxen dicke“. Schon 2014 forderte sie Deutschland auf, gegen die Gülleflut in der Republick vorzugehen. Ohne Wirkung.  Innerhalb von 8 Wochen soll das Landwirtschaftsministerin nun effektive Maßnahmen präsentieren, so die „letzte Galgenfrist“ aus Brüssel.  Sonst droht erneute Klage, in der Folge könnte das zu Lasten der Steuerzahler bis zu 800.000 Euro Strafzahlung -täglich- bedeuten, das berichtet das Handelsblatt in seiner aktuellen Ausgabe.

Auf deutschen Feldern landet als Folge der Massentierhaltung viel mehr Gülle, als sie aufnehmen können. In vielen Regionen wird der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter seit Jahren überschritten. Betroffen sind vor allem Niedersachsen und Teile Nordrhein-Westfalens, Sachsen und Rheinland-Pfalz.

2016 gab es lt. Agrarstrukturerhebung in Gescher 72 Betriebe mit Rinderhaltung (7.996 Rinder) und 57 Schweinemastbetriebe  (53.209 Schweine).  

Heinz Lanfer

Heinz Lanfer, stellvertr. LOV-Vorsitzender sieht das Problem einer „Übergüllung“ auf den heimischen Äckern nicht. „Unsere Bauern sind fast ausschließlich noch Familienbetriebe, die verantwortlich mit dem Dünger Gülle umgehen,“ sagt er im Gespräch mit GescherBlog. Ein Nitratproblem im Grundwasser gäbe es deshalb in Gescher erfreulicherweise nicht.

Grundsätzlich und richtig angewandt, so Lanfer,  fördere Gülle –schon seit Jahrhunderten- den Humusaufbau im Acker, und Humus sei ein besonders effektiver CO2-Speicher. Potenzial, im Bemühen Düngemittel einzusparen, sieht Lanfer beim mineralischen Dünger: „Hier kann noch was getan werden.

Deutschland steht mit dem Nitratproblem nicht allein in Europa da. Doch andere EU-Staaten schafften es deutlich schneller, die Vorgaben der EU-Nitratverordnung zu erfüllen: Frankreich, die Niederlande und Dänemark brachten ihre intensive Landwirtschaft auf EU-Kurs – teils mit drastischen Maßnahmen. Die Niederlande zwangen die Bauern sogar, Tierbestände abzubauen. Dagegen nimmt die Massentierhaltung in Deutschland seit Jahren immer weiter zu.

Für die Wasserwerke ist die ungehemmte Gülleflut längst zu einem Problem geworden.Immer öfter müssen sie nitratbelastetes Grundwasser mit unbedenklichem Wasser verschneiden, um Trinkwasserqualität zu erreichen. Zu hohe Nitratwerte können vor allem für Säuglinge und Schwangere gefährlich werden. Die Beseitigung des Nitrats ist eine kostspielige Angelegenheit, die den Wasserpreis in die Höhe treibt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft beklagt seit Jahren eine „verfehlte Landwirtschaftspolitik“.

Den Preis für diese Politik zahlt nicht nur der Wasserverbraucher, sondern vor allem die Natur: Zu viel Nitrat entzieht dem Wasser Sauerstoff, fördert das Algenwachstum, lässt Fische und Pflanzen sterben und Gewässer am Ende ganz umkippen.

*Quelle: Handelsblatt

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4 Kommentare zu „Bauern in Gescher gehen verantwortlich mit Gülle um“

  1. Klosterei // 4. August 2019 um 12:40 //

    https://www.bund-nrw.de/themen/wasser/im-fokus/guelleflut/
    wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen und wirklich unsere
    Gewohnheiten ändern ?!

  2. Brigitte B. // 27. Juli 2019 um 10:09 //

    @Verärgerter Bürger
    Ein Beispiel:
    Ich kaufe meine Eier z. B. auf einem Hühnerhof in Legden, Bio, die kosten zwar ein paar Cent mehr, aber dafür kann ich die Hühner sehen, die auf der Wiese herumlaufen, das Tageslicht sehen, ihrem üblichen Hühnertagesablauf nachgehen. Netterweise legen sie auch Eier für uns Menschen.
    Ach ja, und mein Geld bleibt direkt bei dem Hühnerbauern.

    Ich weiß, dass auch diese Hühner nach einer gewissen Zeit geschlachtet werden, aber VORHER hatten sie ein hühnerwertes Leben. Bestimmt schmecken die auch besser, aber ich muß sie ja nicht essen.

    Gucken Sie sich diese Sendung in der Mediathek des WDR an: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/menschen-hautnah/video-vom-glueck-ein-huhn-zu-retten-100.html: und dann sagen Sie mir bitte, ob Ihnen der Zustand der Legebatteriehühner NICHT die Tränen in die Augen getrieben hat.

    Was mein „Alles“-Essen und nix wegschmeissen mit dem Verdienst des Landwirtes zu tun hat, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass z.B. die Bauern die Demeter beliefern, faires Geld bekommen.

    Ich muss nicht zwischen 200 Joghurtsorten wählen können, ich muss kein Fleisch von gequälten Tieren essen (du bist was du isst), nur weil es billig ist, für mich müssen keine Tiere sterben; ich habe die Wahl und ich nutze sie, und wie man liest, steigt die Zahl der Bio-Höfe in Deutschland (https://www.foodwatch.org/de/informieren/bio-landwirtschaft/zahlen-daten-fakten/).

    Ich denke ,die Anzahl der Bio-Höfe steigt, weil die Konsumenten mehr und mehr die Massen-Tierhaltung hinterfragen, weil die Bio-Bauern ihre Tiere artgerecht halten wollen, weil wir allgemein den Umgang mit Lebensmitteln ändern und den uns vorgesetzten industriellen Fraß einfach nicht mehr zu uns nehmen wollen.

    Wieso muß jeder Landwirt einen Hofladen haben, um faires Geld zu erhalten? Ich kauf zwar gerne regionale Gemüse etc. in unseren „Bauernlädchen“ ein, aber haben die Landwirte nicht einen mächtigen Verband, der sie vertreten soll?
    Selber schuld, wenn sie sich so einen Verbandsvorsitzenden wie Röring aussuchen und wählen, der die Interessen der Industrie wie Agravis vertritt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Röring

    Ich hoffe doch, dass mit dem wachsendem Einfluß der Grünen auch die EU-Subventions-Politik sich ändern wird und der Spruch: „Wachse oder Weiche“ in Zukunft nicht mehr Geltung in der Landwirtschaft findet.

    Letztendlich: ich als Konsument habe es in der Hand, diesen Wandel mit meinem ausgegebenen Geld anzustoßen und mit mir wächst dieser Anteil in der Bevölkerung nachweislich.

  3. verärgerter Bürger // 26. Juli 2019 um 21:09 //

    @ Brigitte
    Nur mal so als Gedanke, wenn nun die Kuh, deren Milch und Joghurt Sie gerne essen, „abdankt“, wo soll das Fleisch dann bleiben?
    Gleiches gilt für die Hühner, deren Eier Sie essen.

    Auch wenn Sie alles essen was Sie kaufen bedeutet das eben NICHT, das der Produzent, also der Landwirt, MEHR in der Kasse hat!

    Sobald ein landwirtschaftliches Produkt den Hof verlässt und bei einem Großhändler landet, egal ob es nun eine Molkerei, einen Eierhandel oder eine Metzgerei ist, dann wird zuerst die „Kasse des Handels“ gefüllt. Was dann übrig bleibt, landet erst beim Landwirt.

    Ihrer Auffassung nach, müsste jeder Landwirt auch einen Hofladen führen. Warum ist das eigentlich anders?

  4. Brigitte B. // 26. Juli 2019 um 15:05 //

    Ja was denn jetzt, fast oder ausschließlich Familienbetriebe? Das Eine schließt das Andere aus.
    Und was hat ein Familienbetrieb mit der Menge der ausgebrachten Gülle zu tun?

    Immer mehr schäme ich mich für die Massentierhaltung, gerade hier im Münsterland; wie unsäglich respektlos wir mit fühlenden Lebewesen umgehen.

    Als Konsequenz esse ich kein Fleisch mehr und schaue, welche Kühe meine getrunkene Milch geben und woher Joghurt, Quark und Butter kommen.
    Auch meine Eier kommen von Hühnern, die auf der Wiese leben.

    Und nein, es ist nicht kostspieliger, das was ich kaufe, esse ich auch und werfe nichts weg. Außerdem ermöglicht mein Einkaufsverhalten den Produzenten aus natürlicher Tierhaltung ein angemessenes Einkommen.

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