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Hochmoor hat ein Trinkwasserproblem: Nitrat!

"Dat Wasser von Kölle es jot".. das von Gescher besser - ohne Nitrat

Gescher/Hochmoor (fjk). In der letzten Ratssitzung verabschiedete der Rat das Wasserversorgungskonzept für die nächsten 6 Jahre. Das Konzept soll langfristig Versorgungssicherheit gewährleisten. Wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die Sicherung der Wasserqualität. Bürgermeister Kerkhoff: „Die Trinkwasserwerte für Gescher sind sehr gut. In Hochmoor, haben wir nicht  ganz so gute Ergebnisse, dennoch gibt es keinen Anlass zur Besorgnis.“

Während „dat jote Wasser von Kölle“ mit 20 mg/l Nitrat belastet ist,  aber noch unter dem Grenzwert von 50 mg/l liegt,  sind die Nitratwerte an den Entnahmestellen der Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke Gescher in Nordvelen seit Jahren  unter der Nachweisgrenze!! Das Trinkwasser für die Stadt Gescher enthält  praktisch kein Nitrat. Ein hervorragendes Ergebnis.

Dennoch ist das kein Grund für die Wasserspezialisten der Stadtwerke Gescher,  sich „entspannt“ zurückzulehnen: Die „Gülleflut“ kommt von oben. In flacheren Messstellen werden schon heute Nitratwerte weit über 50 mg/l (Grenzwert) gemessen. Grundsätzlich gilt: Je besser geologisch geschützt, um so weniger Nitrat. Die spannende Frage, wann das Nitrat in den entnehmenden  Wasserschichten  ankommt, will und kann wohl  niemand  seriös beantworten: „In 5 Jahren, vielleicht in 10 Jahren.. oder erst in 100 Jahren. Niemand kann das prognostizieren“

Stadtwerke setzen auf Kooperation mit der Landwirtschaft

Bei den Stadtwerken lobt man die Kooperation mit den Landwirten.  Die Bauern  von 88% der Flächen im Wasserschutzgebiet (Nordvelen) hätten sich einer freiwilligen Kooperation angeschlossen. Der  dauerhaft angestrebte sogen. „Herbst NminWert“ (was ist der Herbst NminWert?) von 30 kg Stickstoff/ha werde aber nicht erreicht. Der Wert habe in den letzten Jahren im Mittel zwischen 33  und 45 kg/ha geschwankt. 2018 hätten nur ganz wenige Landwirte den 30 kg-Wert geschafft, er habe über 50 kg/ha gelegen. Dies sei auf die extremen Witterungsverhältnisse (Trockenheit) in 2018 zurückzuführen gewesen, heißt es.

Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel werden in den Untersuchungen der Stadtwerke gemessen und dokumentiert. Die Werte befinden sich allesamt unter den Grenzwerten. Maßnahmen müssen lt. Aussage der Stadtwerke nicht getroffen werden. Grundsätzlich will man in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft erreichen, den Eintrag von Pflanzenschutzmittel -ohne wirtschaftliche Nachteile-  ganz zu verhindern.

Hochmoor hat ein Trinkwasserproblem: Nitrat!

Der Ortsteil Gescher-Hochmoor und die Stadt Velen werden durch das Wasserwerk Reken-Melchenberg versorgt. Das Grundwasserwerk  ist seit 1968 in Betrieb und fördert das Grundwasser aus den Halterner Sanden und Recklinghäuser Schichten durch eine Galerie mit sechs Brunnen.  Betreiber ist die RWW RheinischWestfälische Wasserwerksgesellschaft mbH (RWW) in Mühlheim.

Dort räumt man ein, dass man in Reken ein Nitratproblem hat. Die GRÜNEN im Rat wollten in einer schriftlichen Anfrage wissen, ob sich in der Nitratentwicklung ein Trend abzeichnet und ob sich für die Zukunft eine Nitrataufbereitung nicht vermeiden läßt?

Trinkwasernitratentwicklung in Hochmoor. Verschlechternde Tendenz..

Bei weiter andauernder ungünstiger Entwicklung sei eine Nitrataufbereitung langfristig nicht zu verhindern, so die RWW in einer Mail an die Stadtvertreter. Besonders dann, wenn die Erweiterung der Flächenanteile für den Gemüseanbau in Reken sich fortsetzt. „Gemüseanbau wirkt sich tendenziell nachteilig auf die Nitratwerte im Grundwasser aus“.

Eine Ausweitung des industriellen Gemüseanbaus in Reken könnte direkte Auswirkungen auf die Qualität des Trinkwassers in Hochmoor haben.

2018 betrug der „NminWert“ (was ist der NminWert?) 83 kg/ha im Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Reken-Melchenberg, bei einem angestrebten Zielwert von 30 kg/ha. Auch hier werden fehlende Niederschlagsmengen für die ungünstige Entwicklung verantwortlich gemacht.

Durch die höheren Nitratkonzentrationen des Rohwassers weist das Trinkwasser für Hochmoor (Wasserwerk Reken-Melchenberg) Nitratwerte zwischen 25 und 35 mg/L (Grenzwert 50 mg/L) auf. In Gescher befindet sich praktisch (noch) kein Nitrat im Wasser.

Qualität des Trinkwassers in Hochmoor. Mit einem Höchstwert von 39,4 mg/l Nitrat wird der Grenzwert von 50 mg/l nur knapp unterschritten.

Franz-Josef Kunst

kommentiert: Nein, für Pankikmache besteht kein Grund. Das Wasser in Gescher ist von hervorragender Qualität. Nitrat ist in den Entnahmetiefen der Brunnen in Nordvelen noch nicht angekommen. Zweifellos ist es auf den Weg dorthin. Das zu unterbinden oder einzudämmen ist die Aufgabe der Stadt und der Verantwortlichen im Versorgungsbetrieb, zusammen mit den Landwirten. Ohne die geht`s nicht.

Auch gut zu wissen, dass der Versorger für die Stadt  Gescher in Gescher an der Inselstraße ist. Man kann sich „die Leute“ angucken, die für unser Wasser verantwortlich sind. Anders sieht es schon in Hochmoor aus,  der Versorger (RWW) hat seinen Sitz in Mühlheim.  Nitrat im Trinkwasser, wenn auch noch unter dem Grenzwert, wird von dort  für den Ortsteil   gemeldet.

Hoffnung auf Besserung in Hochmoor? Wohl kaum! Im Gegenteil! Sollte sich der Anteil des industriellen Gemüseanbaus im Wasserschutzgebiet Melchenberg weiter vergrößern, wird sich auch das Nitratproblem vergrößern. Geeignete Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize für die Landwirtschaft fordern deshalb die Wasservorsorger aus Mühlheim von der Politik.

Wenn der Bürgermeister in der Trinkwassersituation Hochmoors keinen Anlass zur Besorgnis sieht, ist das schon ein wenig besorgniserregend. Denn der Hochmooraner zahlt die Zeche für landwirtschaftliche Fehlentwicklungen -wie den industriellen Gemüseanbau- am Ende „in bar“ oder was wir uns gar nicht vorstellen wollen: Mit seiner Gesundheit!

Fotos: Pixabay.com/Stadt Gescher

Lies hier: So ermitteln Sie den Düngebedarf (topagrar)

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Der BLUMENFREUND am Campus.. BUY LOCAL

3 Kommentare zu Hochmoor hat ein Trinkwasserproblem: Nitrat!

  1. Genn Micha // 13. August 2019 um 13:48 //

    Das Problem mit dem Trinkwasser und dem NITRAT ist ein -leider- selbst gemachtes „unserer“ Landwirtschaft, da wird der normale Bürger nicht gefragt sondern pöh a pöh regelrecht vergiftet. Der Landwirt produziert auf Teufel komm raus, Schweinefleisch zum Export nach China, dabei entstehende „Beiprudukte“ wie eben in Hülle und Fülle GÜLLE werden in Kauf genommen und ja hier unter dem Deckmantel der Düngung all zu reichlich auf`s Feld gefahren, so gar des Nächtens…..

  2. GÜNTER // 10. August 2019 um 12:42 //

    Hallo Herr Gras
    Ich teile Ihre Meinung,
    Hochmoor ist doch das schönste Dorf und damit das Aushängeschild für Gescher, wir wollen keine grossen Gelder, nur die Unterstützung, die uns
    als Golddorf zusteht.

  3. Dirk Gras // 5. August 2019 um 19:40 //

    Hochmoor baut immer weiter ab. Keine Nahversorgung nur noch ein Stabiles Mobilfunknetz (D1) die Problem mit dem Glasfasernetz sind allseits bekannt. Jetzt dann noch Wasserprobleme. Sind aber ja alles nur wirtschaftliche Probleme für die der Bürgermeister und die Ämter nicht zuständig sind.

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