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„Kinder haben unentwegt schlimme Dinge hinnehmen müssen“

Gut Hochmoor mit Perspektive zur Erfolgsgeschichte

Gescher (fjk). In Hochmoor wird es im nächsten Jahr eine neue therapeutische Einrichtung geben. „Gut Hochmoor“. Dort sollen bis zu 7 hochbelastete Jungen im Aufnahmealter von sechs bis elf Jahren eine stationäre Erziehungshilfe erhalten. Die Kaiserswerther Diakonie aus Düsseldorf hat sich auf hochkomplexe Auffälligkeiten von Jugendlichen spezialisiert. Kornelia Tiffert und Dirk Hintemann von der Diakonie stellten dem „Schulausschuss“ (GFBKS) das Konzept am Mittwochabend vor.

Von dem Vorhaben hat die Stadt Gescher im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zum Bauantrag erfahren.  Baurechtliche Bedenken gegen die Nutzungsänderung eines ehemals gewerblich genutzten Gebäuden zu einer Wohnanlage für eine familienanaloge Wohngruppe habe es seitens der Verwaltung nicht gegeben. Jedoch wurde aufgrund der möglicherweise bestehenden Sorgen in der Bevölkerung in Bezug auf die Eingliederung der Jungen in das soziale Leben in Hochmoor und Gescher Kontakt mit dem Kreis Borken aufgenommen. Die Verwaltung habe die Schulleitungen informiert, da die Schüler in die örtlichen Regelschulsystemen, unter enger Begleitung durch das Fachpersonal, eingegliedert werden sollen.

Foto: pixabay.com

„Die Kinder, die wir aufnehmen sind höchst belastet. Sie haben ganz schlimme Sachen in ihrer bisherigen Entwicklung erlebt. Sie haben immer wieder erlebt, dass sie ausgestoßen werden. Aus der Schule, aus der Familie und aus anderen Einrichtungen ausgegliedert werden,“ erläuterte Kornelia Tiffert die Situation der Kinder. Die Kinder seien nicht so auf die Welt gekommen, sondern ihre Auffälligkeiten seien eine Reaktion auf das traumatisch Erlebte. „Die Kinder haben unentwegt schlimme Dinge hinnehmen müssen.“

Die Kinder werden ganzjährig familienanalog Tag und Nacht betreut. Mindestens zwei bis drei Fachkräfte sind täglich im Schichtdienst präsent. In der Nacht übernachtet eine Fachkraft in der Einrichtung. Bei sich abzeichnenden Krisen wird eine Hintergrundrufbereitschaft eingerichtet, sodass auch in der Nacht eine weitere Fachkraft hinzugezogen werden kann, bekommt der Ausschuss ausführliche Einblicke in den Tagesablauf.

Dirk Hintemann stellte sich als der zukünftige Leiter von Gut Hochmoor vor. Grundsätzliches Ziel sei es, die Kinder wieder zu den Eltern zurückzuführen. Es sei aber klar, das dies nicht in jedem Fall gelingen könne. „Mit den Biographien einzelner Kinder können sie die Bildzeitung jeden Tag mit einer Schlagzeile füllen.“ Sexuell gefährdende Kinder, Brandstifter und suizidgefährdete Kinder würden aber nicht aufgenommen. „Auch wir haben unsere Grenzen.“

Die bisherigen Erfahrungen auf „Gut Rosendahl“ in Holtwick seien eine Erfolgsgeschichte. So habe sich ein Junge vom örtlichen Fußballverein bis nach Borussia Dortmund hochgearbeitet und stehe dort jetzt unter Vertrag. Ein weiterer sei ehrenamtlich als Trainer im Verein engagiert, zwei seien Klassensprecher in ihrer Schule. „Wir legen großen Wert auf soziale Kompetenz,“ berichtete der leitende Erzieher. „Zwei Kinder von Gut Rosendahl können perspektivisch das Abitur machen“.

„Gibt es Probleme mit den Schulen und sind die Schulen in Gescher darauf vorbereitet“, wollte man aus dem Ausschuss wissen. Die Kinder seien in der Regel nicht schlimmer, nicht agressiver als die Kinder die normal auf die Schule gingen. In diesem Jahr habe man in Gut Rosendahl „nur“ einmal zu einer Schule hinfahren müssen, weil ein Kind im Unterricht auffälliger geworden war.

Anne Hauling, FDP und selbst Lehrerin, erkundigte sich nach der langfristigen Perspektive der Einrichtung. „Ist an eine Aufstockung über die geplanten 7 Kinder hinaus gedacht“? fragte sie. Das verneinte Dirk Hintemann. „Zwei Gruppen beeinflussen sich immer negativ“. Auch in Rosendahl gäbe und bliebe es bei einer Gruppe.

Das erste Kind wird im April nächsten Jahres auf „Gut Hochmoor“ eintreffen. Bis Ende des Jahres 2020 soll die Gruppenbildung abgeschlossen sein.

Lies hier: Stellenanzeige der Kaiserswerther Diakonie

Download hier: Konzept Gut Hochmoor

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