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Sind konventionelle Landwirtschaft und Artenschutz vereinbar?

Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht schätzt der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen (IPBES) in seinem ersten globalen Bericht zum Zustand der Artenvielfalt. Auch die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sinkt dramatisch.

Das Ausmaß des Artensterbens war noch nie so groß wie heute – und die Aussterberate nimmt weiter zu. Insbesondere die Zahl der insektenfressenden Vögel ist in Europa signifikant gesunken. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem landwirtschaftlich genutzter Flächen und Lebensräume.

Die Ursachen für den Artenrückgang sind vielfältig: Die Zunahme bewirtschafteter Ackerbauflächen, die sinkende Strukturvielfalt der Landschaft und die Flächenversiegelung schaden der Biodiversität. Die intensiv wirtschaftende Landwirtschaft führt zwar zu steigender Nahrungsmittelproduktion – das geht aber zu Lasten von Artenvielfalt, Boden, Wasser und Luft.

Sind konventionelle Landwirtschaft und Artenschutz vereinbar? Wie können Agrarlandschaften nachhaltig genutzt werden und gleichzeitig Lebensraum für eine große Artenvielfalt bieten? Der Betrieb des Landwirtes Jochen Hartmann zeigt, dass Landwirtschaft und Naturschutz vereinbar sind. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und einem Betriebsberater setzt er im Rahmen des Projektes F.R.A.N.Z. verschiedene Naturschutzmaßnahmen auf seinen Feldern um.

Mehrjährige Blühstreifen, Feldvogelinsel und Oberbodenabtrag sind nur einige seiner Maßnahmen, die er auf seinem rund 200 ha großen Ackerbaubetrieb in der nördlichen Lüneburger Heide anwendet. Im Rahmen des F.R.A.N.Z.-Projektes fördert Hartmann auf zehn Prozent seiner Fläche die Lebensgrundlagen für Insekten und Feldvögel. Damit sein Beispiel Schule macht verdeutlicht er: „Ein Biotop muss eine Einkommensquelle sein und keine Last. Aktuell haben Hecken und Biotope keinen Wert. Das müssen wir ändern.“

Für Hartmann stehen die Nützlinge im Fokus: „Wir müssen als Landwirte die Nützlinge fördern. Mein Ziel ist den Boden ganzjährig grün zu halten.“ Um Biodiversität in die Fläche zu bringen sind für Hartmann die positiven Nachrichten entscheidend. Nur so sieht die Gesellschaft den Nutzen solcher Naturschutzmaßnahmen.

Die Kosten für diese Naturschutzleistungen sind überschaubar: „Wir haben 30 Hektar Kartoffeln. Wenn alle Kartoffeln bei Edeka verkauft werden, kostet F.R.A.N.Z.-Biodiversität nur 3,9 Cent pro Kilogramm Kartoffeln“, erläutert Hartmann. Hartmann’s Beispiel zeigt, dass Landwirtschaft und Naturschutz nur gemeinsam im Dialog mit allen beteiligten Akteuren aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Politik vorangebracht werden können.

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*Foto: Ruhrnachrichten

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