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Keine Chance: Bahnanschluss für Gescher wird Traum bleiben

Gescher (fjk). Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) gab im vergangenen Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag: Läßt sich die frühere Bahnverbindung Bocholt-Münster wiederbeleben? Die Strecke führte einst von Bocholt über Borken, Gescher und Coesfeld bis Münster, wurde 1974 jedoch für den Personenverkehr und 1985 für den Güterverkehr stillgelegt. Lediglich der Abschnitt von Coesfeld nach Münster blieb erhalten.

Der Traum vom Bahnhof Gescher ist vorerst ausgeträumt. Eine Machbarkeitsstudie gibt der Reaktivierung der Strecke Bocholt Coesfeld kaum eine Chance.

Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor, teilte Bürgermeister Kerkhoff kürzlich mit. Der Kreis Borken habe vorab informiert, dass die Reaktivierung der Schiene den  volkswirtschaftlichen Nutzen nicht aufweise.  Er liege unter 1,0.t. Bei der Reaktivierung und Neubau von Schienen werde darauf geachtet, dass der Nutzen mindestens den Kosten entspricht.

Ab einem Wert von 1,0 liegt dieser Nutzen vor. Die Strecken, Bocholt-Borken und Borken-Coesfeld weisen diesen Wert  nicht auf und werden daher als weitere Varianten nicht verfolgt.

8 Kommentare zu Keine Chance: Bahnanschluss für Gescher wird Traum bleiben

  1. M. Honvehlmann // 11. Februar 2020 um 02:22 //

    Vielen Dank an „Unbekannt“ für den Link auf das Gutachten.
    Der Schwellwert für die Förderwürdigkeit liegt bei 1, die Planungsoption 1 erreicht einen Wert von 0,86 und liegt damit so nahe am Schwellwert, dass sich eine Überprüfung lohnen sollte.
    Mehr als 585.000 Stunden verschwendete Reisezeit könnten die Bürger im Kreis Borken pro Jahr einsparen. Wie wäre es wenn die Verwaltungen der Kommunen Bocholt, Rhede, Borken, Velen und Gescher ein paar Stunden investieren würden um in dem Gutachten die Schwachstellen zu identifizieren. Ich habe als Laie einige amüsante Punkte gefunden, die vermutlich rechtlich nicht angreifbar sind, aber die doch zeigen, wie weltfremd die Planungsannahmen sind. Hier einige Beispiele: Die Kosten für einen mit dem PKW gefahrenen Kilometer gehen mit 0,22 € in die Berechnung ein, in der ADAC Statistik gibt es kein einziges Fahrzeug, das diesen Wert erreicht, alle 1.600 vom ADAC untersuchten Modell liegen darüber. Deutlich realistischer wären m. E. 0,45 – 0,55 €. Allein durch diese Anpassung würde der obige Schwellwert schon überschritten und die Maßnahme förderungswürdig. Die Studie rechnet mit einem CO2 Preis von 149 €/t, das Umweltbundesamt mit 185€/t. Für eine Stunde warten im Stau werden 7,10 € als entgangener Nutzen angerechnet. Ich möchte nicht für 7,10 € eine Stunde im Stau stehen und dann noch zu spät zu einem Termin kommen. Wenn die Pendler auf den ÖPNV umsteigen, haben wir weniger Staus, die Handwerker kommen zügiger durch, die Emissionen nehmen ab und die Menschen an den Ausfallstraßen haben weniger Lärm und Dreck vor der Haustür. Diese Effekte werden nicht berücksichtigt. Die Grundstücke für die Trasse wurden teilweise an die Kommunen verkauft. Die Preise für den Wiederverkauf an den Trassenbetreiber wurden mit Marktpreisen angesetzt. Das muss nicht sein, wenn die Kommunen ihre Attraktivität mit einer Bahnanbindung verbessern, könnten sie die positiven Effekte auf die kommunalen Haushalte abschätzen und diese bei der Ermittlung der Verkaufspreise berücksichtigen, oder man geht noch ganz andere Wege, bei denn die Grundstücke im Eigentum der Kommune bleiben, falls das möglich ist. Welche Verwaltung findet einen Weg? 0,14 Punkte sind doch sicherlich machbar um auf die 1,0 zu kommen und sich damit die Förderung zu holen!

  2. Schade!
    Aber das war zu erwarten. Die Politik will scheinbar den ÖPNV nicht subventionieren! Man kann ja besser auf den Bürger („auf dem Land“) zeigen und sagen: Kauf Dir ein Elektroauto oder verlege den Wohnsitz in die Nähe der Arbeitsstätte. Das ist schön einfach….und verursacht keine Kosten.
    Jeder, der schon einmal mit Bus oder Bahn (von COE) irgendwohin fahren wollte, weiß wie schwierig das von Gescher sein kann. Und teuer dazu!
    Ich werde weiter meinen Diesel-PKW fahren und die Luft verpesten 🙂

  3. Unbekannt // 29. Januar 2020 um 20:05 //

    Wer interessiert ist, kann sich das Gutachten hier ansehen:
    https://www.nwl-info.de/fileadmin/NWL/Downloads/Informationen_fuer_Meinungsbildner/Machbarkeitsstudie_Wiederinbetriebnahme/Studie_Strecke_Bocholt-Borken-Coesfeld_.pdf
    Man kann auch den geplanten Trassenverlauf im Bereich Gescher sehen.

    Zusammenfassung:
    Keine der geplanten Optionen ist wirtschaftlich. Grund ist, dass der rechtliche Zustand der (alten) Strecke unklar ist und man deshalb von einem Neubau mit allen heutigen Vorschriften ausgeht. Darum dürfen Kreuzungen nicht als Bahnübergang geplant werden, sondern als Unter- bzw. Überführung (Kosten mindestens 2,2-4,8 Mio.; Bahnübergang: < 1 Mio.).

  4. Jugentlicher 17 // 21. Januar 2020 um 23:37 //

    Einfach nur traurig …. Für jeden scheiß werden Steuergelder und co verschwändet… und wenn es um die Umwelt geht scheißen die Politiker drauf… nichtmal die Busse fahren regelmäßig und auch nicht pünktlich… es kann doch nicht sein das ich sonntags zwei stunde auf ein bus nach coesfeld warten muss…..

  5. Robbi Tobbi // 21. Januar 2020 um 12:27 //

    Hauptsache die großen Städte bekommen ihre Prunkvollen überzogen überteuerten Bahnhöfe (siehe Stuttgart 8,2 Milliarden ) , hier bin ich ganz auf Friedhelms Seite , auf dem ländlichen wird man echt veräppelt , anstatt mal in die Zukunft zu schauen , gerade die Verbindung Bocholt Bis Münster soll sich nicht lohnen ?
    Welcher schlaue Politiker oder Wirtschaftsvogel hat sich das wohl ausgerechnet , die Strecke Ahaus lohnt sich wohl , wünsche ein strahliges Wochenende !!!

  6. Stefan Müller // 20. Januar 2020 um 20:30 //

    Guten Abend,

    die Ergebnisse liegen vor. Schön und gut.
    Aber was waren denn die inhaltlichen Schwerpunkte/Fragestellungen dieser Studie?
    Das sich der ÖPNV auf dieser (und anderen) Strecke/n, Stand jetzt, nicht rentiert sollte Allen klar sein. Könnte er aber in naher Zukunft.
    Ohne Anreize bekommt man die Leute nicht aus dem Auto raus. Es ist vorläufig leider so.

  7. Friedhelm // 20. Januar 2020 um 19:55 //

    Ok, dann lassen die das. Dann muß ich weiter den teuren Sprit bezahlen und mir die dummen Standpauken anhören, wir sollen umsteigen auf öffentlichen Nahverkehr. Hier im ländlichen Raum werden wir nur veräppelt. Hauptsache wir bezahlen fleißig Steuern und unterstützen solche Pleite Firmen.

  8. Brigitte // 20. Januar 2020 um 19:44 //

    Schade.

    Und so werden weiterhin Schüler mit Bussen durch die Gegend gekarrt, der Individualverkehr stößt weiter seine Schadstoffe aus, Münster versinkt weiter im Verkehrschaos.

    Ich werde nie begreifen, warum weiterhin so auf den Straßenverkehr gesetzt wird. Wieso hier der Kosten/Nutzen als (einziges) Argument greift, also die Wirtschaftlichkeit. Bezuschussen wir nicht ständig den Bahnverkehr mit unseren Steuern? Wo bleibt denn die Umweltfreundlichkeit?

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