Newsticker

Informationspolitik im Zeichen der Coranakrise: Gescher „im Tal der Ahnungslosen“

Bürger üben heftige Kritik an der Informationspolitik zur Coronasituation.

Gescher (fjk). Die Zahl der aktiv Infizierten hat sich in Gescher wieder erhöht. Auf jetzt 20 Personen. Aber über das Infektionsgeschehen in der Glockenstadt fließen aus dem Rathaus nur spärlich Informationen. Gescher liegt  an 2. Stelle im Kreis Borken. Warum ist das so? Welche Rolle spielen Arbeitskräfte der Fleischbranche? Werden in den Unterkünften die Quarantänebedingungen eingehalten? Bürger, die im Rathaus anrufen,  sind verunsichert und reagieren mit teils heftiger Kritik. 

Fragen der Bürger werden im Rathaus nur ausweichend und unzureichend beantwortet. Auch die der Presse. Erst auf mehrfache Presseanfrage äußert sich Bürgermeister Kerkhoff: „Anfragen durch Bürger haben keinen Anspruch, innerhalb 12 Stunden beantwortet zu sein,“ schreibt der Verwaltungschef in einer Mail. Er müsse sich mit den Kollegen abstimmen, da er nicht alle Vorgänge unmittelbar selbst kenne.

Für die Mitarbeiter aus der Fleischbranche, die in Gescher untergebracht seien, gibt Kerkhoff Entwarnung. Die Quarantänezeit für diesen Personenkreis sei  beendet. Weitere Vorfälle gebe es bisher nicht. Nach Auskunft des Kreises werden  alle Personen in diesem Kontext zum Ende der Quarantäne noch einmal getestet.

Thomas Kerkhoff möchte Bürgermeister von Bocholt werden. Doch bis es soweit ist, sitzt im „das Corona-Virus“ in Gescher noch im Nacken. Seine Qualitäten als Krisenmanager hat er in der Glockenstadt nicht unter Beweis gestellt, kritisieren Bürger.

Bürger aus der Nachbarschaft einer Wohnunterkunft (Westfleisch/Tummel) an der Von-Galen-Straße  hatten sich mehrfach an die Verwaltung gewandt, weil sie nicht davon überzeugt waren, dass man sich hier an die Quarantänevorschriften hält. „Autos kommen und gehen, auch der Personenbus,“ so ein Anrufer bei Gescherblog. Am Samstag habe es dort keine besonderen Vorkommnisse gegeben, die Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien lediglich vor Ort gewesen, um Präsenz zu zeigen, erklärt der Bürgermeister.

Franz-Josef Kunst

meint: Man muss es deutlich sagen: Die Informationspolitik in der Coronakrise im Rathaus ist eine einzige Katastrophe. Gescher spielt im Kreis wegen seiner Verbindungen zu den Schlachthöfen in Coesfeld und Schöppingen eine besondere Rolle. Die Hohe Anzahl von aktiv Infizierten ist ein eindeutiger Beleg. Fehlende Information und mangelnde Transparenz verunsichern die Bürger, in einer Zeit in der  aus dem Rathaus Sicherheit erwartet wird.  Doch von da kommt nichts. Ausweichende und nicht nachvollziehbare Auskünfte der Mitarbeiter des BM führen zudem dazu, dass das Vertrauen in den „Kapitän auf der Brücke“ mit jedem Tag  schwindet. Öffentlichkeit und Transparenz waren noch nie das Ding von Thomas Kerkhoff. Seine Stärke ist die Partei, das „Netzwerk“ und die Entscheidung im kleinen Kreis. Nur in einer existenziellen Krise wie dieser geht das nicht. 70% der wahlberechtigten Bürger haben vor 5 Jahren Thomas Kerkhoff gewählt, weil sie ihm vertraut haben.. das Vertrauen verspielt er jetzt und lässt seine Bürger im Regen stehen. 

*Foto: Bocholter Volksblatt

8 Kommentare zu Informationspolitik im Zeichen der Coranakrise: Gescher „im Tal der Ahnungslosen“

  1. reimer // 28. Mai 2020 um 07:03 //

    Alleine die Aussage „Anfragen durch Bürger haben keinen Anspruch, innerhalb von 12 Stunden beantwortet zu sein“ zeugt von der gelebten Arroganz gegenüber den Bürgern……

  2. Helene // 27. Mai 2020 um 23:03 //

    Es ist schon sehr verwunderlich, dass hier in Gescher vom Bürgermeister keine Auskunft kommt und man von anderer Stelle aus Nachbarorten erfährt: „Les doch mal nicht die AZ oder wenn der Gescherblog keine Antwort von eurem Bürgermeister erhält, dann les die „WN.de“ da steht folgendes:
    (Newsticker gelesen am 27.05.2020 um 0 Uhr 40 Min, war aber schon vor 17.30 Uhr am 26.05.2020 zu lesen)
    „…sei dem Kreisgesundheitsamt nicht bekannt.
    Genau diesen gibt es laut einer Kreismitteilung aber bei drei NEUEN Fällen in Gescher. Diese stünden im Zusammenhang mit dem Infektionsausbruch bei Westfleisch. Es handele sich bei den drei neuen Corona-Patienten um drei Familienmitglieder eines Beschäftigten von Westfleisch, der bei der damaligen Testaktion positiv war. Alle befanden sich bereits in Quarantäne und sind es nun weiterhin.“

    So viel zur offenen bürgernahen Diskussion.
    Man erfährt also von anderen aus anderen Orten, was in Gescher so los ist.

    Mir tut es unendlich Leid, dass sich drei Personen angesteckt haben.

    Nur dieses Vorgehen des Bürgermeisters zeigt mir, dass der Kreis selbst sachlich und für alle Bürger offen spricht und hier im Ort bestimmte Lagen nicht veröffentlicht werden sollen. Offenheit und kümmern um alle Bürger sieht anders aus. Und mit ALLE BÜRGER meine ich auch ALLE. Es ist egal wer betroffen ist.
    Ich wünsche allen eine baldige Genesung!

  3. Hubert I. // 27. Mai 2020 um 21:09 //

    Natürlich freut sich jeder Gescheraner, dass jeder einzelne Infizierter wieder gesundet! Es ist aber wohl mal verständlich, dass Anwohner Angst bekommen, wenn dort Transporter vorfahren, um Mitarbeiter abzuholen. Fakt ist, es fehlen entsprechende aktuelle Sachstandsinformationen aus dem Rathaus. Das kann man auch nicht „schönreden“ 😉

  4. Sandra // 27. Mai 2020 um 19:47 //

    Ich stimme Herrn Schütte zu. Die Mitarbeiter von Westfleisch sind mit Sicherheit zu bedauern. Und es ist gut, dass sie gesundet sind und mittlerweile wieder arbeiten dürfen.Insofern stimme ich auch der anderen Aussage von Wise Gys zu. Aber Fakt ist, dass sich die Beschwerden der Nachbarn nicht nach der Genesung häuften.

    Seit dem ersten Tag der Quarantäne war dort regelmäßig Bewegung. Besuche nach 22.00 Uhr mit Handshaking etc. Zurück kommen mit Einkäufen. Bewohner verlassen das Haus mit dem Wagen und kommen nicht wieder. Das hat man als Nachbar zwangsläufig mitbekommen. Und dann darf man im Falle dieser Pandemie besorgt sein. Und auch diese Bürger unserer Stadt dürften durchaus verstanden haben was Quarantäne bedeutet.Nun ist das Thema sowieso beendet, da sie gesund sind.

    Ob sie in der Zwischenzeit weitere Personen angesteckt haben weiß man nicht.Es ging nie darum irgendeine “ Kuh“ durch den Ort zu treiben. Sondern lediglich darum sich an Regeln zu halten und somit größeren Schaden abzuwenden.Das Thema wäre wahrscheinlich auch gar nicht so in den Fokus geraten, wenn die örtlichen Behörden anders reagiert hätten. Zu Recht besorgte Bürger sollten ernst genommen werden.

    Aussagen wie :“ Wir können es schließlich nicht 24 Stunden überwachen“ oder „in 7 Tagen schicken wir jemanden hin weil jetzt ist die Angestellte in Urlaub“ oder“ auch Gescheraner haben sich nicht an die Quarantäne gehalten “ um die Antworten der verschiedenen Nachbarn zusammen zu tragen die sie erhalten haben sollen, sind nicht wirklich hilfreich.

    Natürlich hat man auch Positives wahr genommen. Die Corona Hilfe Gescher die dort war und Masken gebracht hat. Nun sind alle gesund und sie können wieder Geld verdienen und dürfen zu Recht machen was sie wollen. Das freut mich. Aber was mich wirklich verwundert, unabhängig von dieser Geschichte, ist die Tatsache das wochenlang nicht kommuniziert wurde, dass man bei einer angeordneten Quarantäne durchaus das Haus, sogar für Spaziergänge, verlassen darf.

    Dieses wird erst kommuniziert, nachdem sich die Beschwerden häuften. Andere Bürger in Gescher haben andere Anweisungen erhalten. Das erweckt zumindest den Eindruck, dass hier im Nachhinein etwas okay gegeben wird, weil man nicht mit der Situation fertig wird. Dieser Artikel in der Zeitung hat mich wirklich sehr irritiert.Bisher hat man in den Medien immer eine andere Darstellung der Quarantäne vermittelt bekommen.

    Auch das hat dazu geführt, dass die Verunsicherung immer größer wurde. In einer Antwort des Gesundheitsamtes Borken heißt es, das Verlassen des Hauses ist nach vorheriger Absprache möglich für Arztbesuche und zum Luft holen rund ums Haus.Von abendlichen Spaziergängen steht da nichts. Das scheint mir eine sehr großzügige Auslegung zu sein. Die Bedingungen sollten für alle gleich sein.

    Ob das juristisch nach dem Infektionsgesetz oder wo immer das geregelt wird Bestand hat, kann und will ich nicht beurteilen. Aber unterschiedliche Handhabung geht nicht in Ordnung und führt dann dazu, dass solche Situationen sich aufschaukeln.Aufgabe ist es die Sorgen ernst zu nehmen, Alle gleich zu behandeln und zu kommmunizieren.Dann würden uns auch plakative und teilweise hetzerisch wirkende Kommentare erspart bleiben die hier der ein oder andere platziert. Bleibt alle gesund.

  5. Wise Gys // 27. Mai 2020 um 13:24 //

    Die Quarantäne dürfte wohl seit einigen Tagen beendet sein mit anschließender erneuter Testung. Autos sind auch wohl zur Versorgung der dortigen Bewohner vorgefahren. Westfleisch produziert wieder, warum sollen genesende Mitarbeiter nicht mit dem Bus zur Arbeit gebracht werden, wenn sie gesundheitlich unbedenklich zum Arbeiten in der Lage sind? Westfleisch ist bestimmt auf der Hut um einen neuen Ausbruch zu verhinder. Was verstehen manche Mitbürger nicht? Immer schön die Kuh durchs Dorf treiben, ich meinte Stadt mit dörflichem Charakter. Wir sollten uns doch freuen, wenn die Bewohner dort so gut die Erkrankung ohne Folgeschäden überstanden haben.

  6. Wilhelm Schütte // 27. Mai 2020 um 11:55 //

    Keiner weiß wer wann wo wohnt wie auch?
    Sind halt Wanderarbeiter werden halt dahin geschickt wo Sie gebraucht werden. Wenn Sie nicht arbeiten dürfen verdienen sie auch vielleicht kein Geld und fahren vielleicht lieber nach Hause wo Sie kostenfrei schlafen können? Diese Menschen sind Opfer die mann mit diesem Problem vielleicht auch ein bisschen alleine gelassen werden.
    Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst und Scheiße fällt immer nach unten.

  7. verärgerter Bürger // 27. Mai 2020 um 11:04 //

    Allmählich muss man davon ausgehen, solange das Corona-Virus nicht ins Rathaus gelangt ist, ist alles egal.
    Zumindest zeigt sich die Informationspolitik und der Umgang mit der Pandemie von dort.

    Man könnte sich ja evtl. bei den Kontrollen selbst anstecken.
    Was kümmert einem auch der Rest der Stadt.

  8. Uli W. // 27. Mai 2020 um 10:11 //

    Wie jetzt??? Es werden Mitarbeiter weiterhin mit Bussen abgeholt??? In Rhede wird ein ganzes Haus vom Sicherheitsdienst bewacht, damit keiner das Haus verlässt. Alle wohnen leider immer noch auf engstem Raum zusammen, da steckt doch einer den anderen an!!! Und dann uns Gescheraner…. warum wird kein Sicherheitsdienst beauftragt??? Und jetzt kommen ja noch die bei Grenelo Vino infizierten Mitarbeiter hinzu. Davon sollen knapp 50 im Kreis Borken wohnen. Als Wohnsitz wurde „Deutschland“ angegeben. Wie viele Unfizierte wohnen hiervon in Gescher???? Das ist doch ein Witz langsam !!!!!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: