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Rettungszentrum zu groß, zu teuer und nicht finanzierbar

Feuerwehrchef Christian Nolte kritisiert Planungsbüro: "Wir wollen keinen Palast"

Gescher (fjk). Bürgermeisterin Anne Kortüm steht vor einem Scherbenhaufen. Das noch von ihrem Vorgänger Thomas Kerkhoff geplante und auf  den Weg gebrachte Projekt einer neuen Rettungswache ist so nicht durchführbar. Viel zu teuer und damit nicht im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. Kosten bis zu 13.7 Millionen Euro hat ein Planungsbüro aus Nürnberg errechnet. Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Lenkungsausschusses Rettungszentrum. 

Bürgermeisterin Anne Kortüm

Am 13.01.2021 tagte der Lenkungsausschuss als Videokonferenz. Das Ergebnis der durch das Ingenieurbüro Pfaller/Nürnberg erstellten Studie zur grundsätzlichen Machbarkeit und zu den Kosten der Errichtung eines Rettungszentrums durch den Umbau der von der Stadt Gescher hierzu erworbenen Gewerbehalle an der Bahnhofstraße,  oder alternativ durch Errichtung eines Neubaus an bislang nicht definierter Stelle, rief bei den anwesenden Politikern lange Gesichter hervor.

Beide Varianten übersteigen mit veranschlagten 10,7 Mio. Euro für den Umbau der Gewerbehalle, ohne Anschaffungskosten, den Finanzrahmen. Sogar 13,7 Mio. Euro soll ein Neubau kosten. Das liegt weit über den von Politik und Verwaltung bislang für das Projekt angenommenen Finanzbedarf.

Bürgermeisterin Anne Kortüm: „Es wird daher gemeinsam mit den Nutzern des Rettungszentrums zu sondieren sein, wie sich die Kosten des Gesamtvorhabens reduzieren lassen, wobei z.B. die erforderlichen Raumbedarfe auf den Prüfstand zu stellen sind.“

Gleichzeitig betonte Bürgermeisterin Anne Kortüm die enorme Wichtigkeit der durch die freiwillige Feuerwehr im Zusammenwirken mit dem DRK Kreisverband und dem Rettungsdienst des Kreises Borken  zu erfüllenden  Aufgaben.

Feuerwehrchef Christian Nolte

Aus ihrer Enttäuschung machen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr keinen Hehl.  Auf Anfrage von GescherBlog äußert sich Stadtbrandinspektor Nolte zum Ergebnis der Sitzung des Lenkungsausschusses:

„Das Planungsbüro Pfaller hat nie mit der Feuerwehr gesprochen,“ so Nolte. Das Büro habe zu großzügig geplant. Ein vom Planungsbüro angesetzter Platzbedarf sei viel zu groß. „Wir wollen keinen Palast,“ sagt der sichtlich frustrierte Feuerwehrchef.  Es könne nicht angehen, einen Neubau mit Fantasiezahlen zu planen und zu kalkulieren.

Im Oktober 2018 habe die Feuerwehr mit der Verwaltung den Raumbedarf für die Feuerwehr exakt geplant und man sei auf 1.900 qm gekommen . „Wenn jetzt das Planungsbüro Pfaller 2800 qm für Umbau oder Neubau kalkuliert, muss man sich nicht über die Kostenexplosion wundern“.

Ein deutlich größeres Rettungszentrum als von der Feuerwehr benötigt sei 2019 in Stadtlohn für ca 7 Millionen Euro entstanden, incl Abbruch der alten Wachen und Neubau am gleichen Standort . Billerbeck als reine Feuerwehr habe 4.7 Millionen ausgegeben. „Aus Sicht der Feuerwehr macht es keinen Sinn mehr, den Umbau an der Bahnhofstraße weiter zu verfolgen.  Der Standort sei ohnehin problematisch und der jetzige Plan zeige,  dass das Gebäude ungeeignet sei .

Christian Nolte: „Mir ist  wichtig, dass nicht auf dem Rücken der Feuerwehr Politik gemacht wird. Wir müssen jetzt schnellstens eine vernünftige Planung auf den Weg bringen.  Nolte sieht zwei Varianten, die belastbar geprüft werden müssen:  Neubau an geeigneter Stelle oder Abbruch und Neubau am Venneweg!

Lies hier: GZ online – „Projekt Bahnhofstraße aufgeben“

6 Kommentare zu Rettungszentrum zu groß, zu teuer und nicht finanzierbar

  1. verärgerter Bürger // 18. Januar 2021 um 13:15 //

    Verständlich ist es schon lange nicht mehr.

    Wenn man über den Tellerrand mal hinweg sieht, wird man feststellen, das Stadtlohn wesentlich mehr Industrie hat wie Gescher. Eine entsprechend ausgestattete Feuerwehr benötigt und gerade eine neue Feuerwache gebaut hat, a b e r, max 7,5 Mio dafür ausgeben musste.

    Sieht man sich die Dimensionen vor Ort an, wird jeder sehen, das es sich im Rahmen der derzeitigen Größe von der gescheraner Feuerwache bewegt.
    Was spricht eigentlich dagegen, wenn man mal von Gescher aus nach Stadtlohn fährt- oder gar anruft und in der Verwaltung nachfragt, was man da anders gemacht hat? Warum muss in Gescher die Feuerwache größer ausfallen wie in allen umliegenden Ortschaften?

    Die lange Suche nach einem entsprechendem Planungsbüro wäre dann auch beendet u n d, Kosten für eine Machbarkeitsstudie würden auch entfallen.
    Was würde eigentlich dagegen sprechen, wenn man sich in Gescher mit dem Grundstücks“NACHBARN“ der Feuerwache -davor stehend links-
    unterhält über einen Ankauf der Fläche? Einer evtl. notwendigen Erweiterung stünde dann nix mehr im Weg.
    Warum muss eigentlich in Gescher immer alles anders laufen?

    Im Übrigen halte ich es für unangebracht das ein Angestellter
    -Feuerwehrchef- sich über seinen Chef -Bürgermeister und Rat-
    „in der Öffentlichkeit“ beklagt- oder diesen kritisiert.

  2. Gescheraner // 18. Januar 2021 um 12:07 //

    Es Stellt sich doch die Frage, ob dem Planungsbüro kein Kostenrahmen vorgegeben wurde. Wenn nein, dann muss Gescher ja noch froh sein, daß es nicht 30 Mio geworden sind. Im aktuellen Haushaltsplan sind 500k für Planung und Konzeption vorgesehen. Das wird die Rechnung sein, die das Büro noch schicken wird …wenn jetzt umfangreich neu geplant wird, dann dürfte das erneut extra kosten. Mit Erwerb der Halle wären wir dann jetzt schon bei Kosten von 2,5 Mio, ohne daß nur eine Nagel in der Wand ist …

  3. Wise Guy // 17. Januar 2021 um 14:46 //

    Baut einfach ein neues Rettungszentrum mit weitsicht.Die Fläche soll groß genug für Erweiterungen sein ebenso die Struktur
    Solche Projekte werden oft nur auf Sicht gebaut .Ich selbst habe gesehen das solche Projekte auch Schulen und Krankenhäuser immer als modern bezeichnet worden wurden und nach 10 Jahren schon in vielen Bereichen zu klein waren.
    Nachbesserungen kosten mehr.Schon jetzt am Abspecken denken macht später alles nur teurer,also fett.
    Ein Projekt für die Zukunft auf Kante zu nähen rächt sich.Man sieht es ja am alten Standort ,alles ist nicht mehr zeitgemäß.Räume ,Unterbringung,Umkleiden und so weiter.Baut neu und im Modulsystem mit Option auf sinnvolle Erweiterungen.

    Denkt daran in der Regel werden auch Fahrzeuge und Wartung immer mehr Raum benötigen,und auch die freiwilligen Helfer,keine gute Infrastruktur für unsere Freiwilligen=weniger Helfer in der Zukunft.
    Keiner möchte Luxus,nur Zweckmäßigkeit.

    Also laßt Platz für Expansion und Erweiterungen.

  4. Das ist ja wohl mal ein Witz, dass die Feuerwehr Gescher nicht weiter an den Planungen der Rettungswache eingebunden wurde!!! Wenn 1.900 qm benötigt werden, dann sollten daraus nicht 2.800 qm werden. Und dann wird sich gewundert, dass die Haushaltsmittel nicht ausreichen?

  5. Hallo, ist es nicht möglich das jetzige Gebäude aufzustocken? Alles ist möglich. In anderen Städten wird der Rettungswagen ausgelagert an Fremdunternehmen, die sehr gute Arbeit leisten und der Stadt Gescher keine zusätzlichen Kosten verursachen. Was woanders geht, sollte die Politik bei der Haushaltslage wenigstens besprechen.

  6. Dirk Drauschke // 16. Januar 2021 um 18:03 //

    Hallo zusammen.

    Nach längerer Abwesenheit in der Onlinewelt möchte ich als freier Demokrat an dieser Stelle Folgendes vorschlagen:

    1. Ein Abbruch kommt nicht in Frage, da man das bisherige Gebäude zur Stationierung der Rettungswagen nutzen kann und sollte.

    2. Als Neubaustandort eignet sich aus meiner Sicht der Hof am Bahnhof. Dieser sollte in Erbpacht oder mit ähnlichem Angebot von der Stadt für diese Zwecke angeworben werden. Auch hier gilt es die ländliche Tradition mit der Moderne zu verbinden. Genauer ein Umbau der vorhandenen Gebäude zu Mannschaftsräumen und Zentrale. Der Neubau beträfe dann lediglich eine Fahrzeug- und Gerätehalle.

    3. Die ortsansässigen Unternehmen wie Huesker, oder auch Eing könnten so auf eine Berufsfeuerwehr verzichten und sich an den Kosten beteiligen.

    4. Die alte Halle könnte d.velop vielleicht als Serverhalle nutzen?!

    In diesem Sinne BWG und , ❤️.

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