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Hendrik Wenning: „Niemand fällt gerne Bäume“.

Gescher (fjk). Der Neubau des Kindergartens an der Riete durch die Katholische Kirche war Thema der letzten Ratssitzung. Auf Antrag der FDP-Fraktion wurde es auf die Tagesordnung gesetzt. Die Bürgermeisterin lud Pastor Hendrik Wenning zu einer Aussprache ein. Die Fraktionen, mit Ausnahme der FDP, hielten die Fällung der Bäume für unverzichtbar. Hier der Vortrag von Hendrik Wenning im vollen Wortlaut:

Pastor Hendrik Wenning

„Sehr verehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,
meine Damen und Herren,

„Wer Ohren hat, der höre“, diesen Satz habe ich versucht in den letzten Wochen zu beherzigen. Die Bürgermeisterin, Vertreter der Parteien, Nachbarn, interessierte Bürger und viele Fachleuchte waren meine Gesprächspartner. Dabei habe ich verstanden wie vielen Menschen in unserer Stadt Gescher die Bäume auf der Riete und der Naturschutz am Herzen liegen. Ich habe den Wunsch, beteiligt zu werden, vernommen und die nüchterne Frage nach der Verkehrssituation habe ich auch gehört. Neben all diesen Fragen steht der Bedarf an Kindergartenplätzen und der Wunsch von Stadt und Kirche, ein weiteres Mal gemeinsam einen Kindergarten auf den Weg zu bringen.

Die geplante Kindertagesstätte auf der Riete wird – das ist meine feste Überzeugung – nicht nur 100 Kindern eine Betreuung ermöglichen, die den hohen Standards kirchlicher Einrichtungen entspricht, sondern auf Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität unserer Stadt für junge Familien leisten.

Um das zu ermöglichen sind Stadt und Kirche seit mehr als 18 Monaten in Verhandlungen. Einen passenden Standort zu finden, war nicht einfach. Die Zahl der geeigneten und insbesondere der verfügbaren Standorte ist geringer als man annehmen würde. Punkte wie Lage, Verkehrsanbindung und Verfügbarkeit haben die Gespräche ebenso bestimmt wie die schiere Größe des Grundstücks.

Ergebnis all dieser Beratungen ist, dass das Gelände auf der Riete den Anforderungen für einen Kita-Neubau nahezu optimal entspricht. Unter anderen gehört auch der alte Baumbestand zu den positiven Aspekten dieses Standorts; bietet dieser doch insbesondere im Süden natürlichen Schatten für den zentralgelegenen Spielplatz. Die hochgewachsenen Linden im Norden und die amerikanischen Sumpfeichen im Westen des Grundstücks lassen sich leider nicht mit dem Bau des neuen Kindergartens vereinbaren, so die aktuelle Einschätzung der Experten. Die technischen Gründe hierfür werden sicher gleich noch erörtert werden, ebenso die entsprechenden Gutachten. Ich weiß, dass diese Aussagen nicht auf großen Beifall stoßen. Viele wünschen sich sowohl einen neuen Kindergarten als auch den Erhalt der Bäume.

Ich persönlich hatte – und da weiß ich mich in einem Boot mit der Frau Bürgermeisterin – noch die Hoffnung, dass zumindest an der Kreuzstraße zwei weitere Eichen hätten erhalten werden können. Leider muss ich sagen, dass dies nach eingehender Prüfung durch entsprechende Sachverständige nicht möglich ist. Die entsprechenden Details werden sicher gleich noch thematisiert werden.

Zusammengefasst lässt sich aber jetzt schon sagen, dass nur der Erhalt der Bäume im Süden und Osten des Grundstücks mit dem geplanten Bau einer 5-Gruppen-Anlage auf der Riete vereinbar ist. Dementsprechend wurden der Kirchengemeinde seitens der Stadt keinerlei Auflagen in Bezug auf die Bäume gemacht. Eine Baumsatzung gibt es in Gescher nicht.

Jenseits rechtlicher Fragen möchte ich hier eins in aller Deutlichkeit feststellen: Der Pfarrgemeinde St. Pankratius und St. Marien liegt es fern, gegen den Willen des Rates oder der Bürger einen Kindergartenneubau gleichsam durchzudrücken. DAS MACHEN WIR NICHT. Gemeinsam mit der Stadt hingegen wollen wir dieses Projekt gerne voranbringen. Im Sommer 2022 kann die Kita fertiggestellt sein.

Auf der anderen Seite gibt es berechtigte Einwände, die ich nachvollziehen und auch sogar teilen kann. Niemand fällt gern Bäume. Es ist bedauerlich, wenn alte Bäume einem neuen Haus weichen müssen. Lieber wäre es uns, wie im Priesterwald der Natur freien Lauf zu lassen. Schöner ist es Bäume zu pflanzen. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die jüngste Aufforstungsmaßnahme der Kirchengemeinde am alten Krankenhaushof, bei der 1500 Jungpflanzen den ehemaligen Nadelwald ersetzt haben (420 Stieleichen, 840 Rotbuchen, 50 Esskastanien, 100 Vogelkirschen, 25 Fichten, 25 Nordmanntannen, 50 Blaufichten, 25 Walnuss) Natürlich sind wir gerne bereit, zum Ausgleich für die Fällung auf der Riete weitere junge Bäume zu setzen.

Mir ist klar, dass dieser Trost als mau empfunden werden wird. Nichtsdestotrotz gilt: „Politik die Kunst des Möglichen ist.“. Wir wünschen uns, den Erhalt der Bäume auf der Riete mit einem großen Kindergarten, der den pädagogischen Konzepten unserer Tage entspricht, zu vereinbaren. Diesen Wunsch umzusetzen, sieht sich der Investor Eco-Plan als Bauherr bedauerlicher Weise nicht in der Lage. Auch aus Sicht des Kirchenvorstandes ist dies – so leid es mir tut – nicht möglich.

Eine zweite, wichtige Frage ist die nach der Verkehrssituation. Hier hoffe ich, die vorgebrachten Sorgen durch zwei Hinweise abmildern zu können: Zum einem hat die Verwaltung erklärt, dass die Kreuzstraße nach wie vor breit genug ist, um Gegenverkehr zuzulassen. Zum anderen können wir davon ausgehen, dass sowohl die hohe Zahl an Stellplätze als auch die deutlich differenzierteren Bring- und Holzeiten zu einer Entzerrung beitragen. Zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang sicher auch nicht die Zahl an Eltern, die ihre Kinder mit dem Fahrrad oder zu Fuß bringen. So zumindest meine Erfahrung beim Pankratiuskindergarten, den ich tagtäglich beobachten kann.

Ich danke Ihnen, dass Sie meinen Ausführungen geduldig zugehört haben. (Eine Sonntagspredigt wäre kürzer gewesen.) Jetzt bin ich gerne bereit, mich Ihren Fragen zu stellen und natürlich den pädagogischen Ausführungen von Frau Schnieder und den technischen Erläuterungen von Herrn Vestrick zuzuhören.“

Die Fraktionen von CDU, SPD, UWG und GRÜNE sahen im Wesentlichen keine Alternative zur Fällung der Bäume. Kritik kam nur von der FDP-Fraktion. Fraktionssprecher Thomas Haveresch bemängelte die Qualität der Planung des Architekten insgesamt:

„Die FDP-Fraktion hat mit anderen  Architekten gesprochen“, sagte Haveresch.  Alle seien übereinstimmend der Meinung gewesen, dass die Aufgabestellung auf diesem Grundstück nur durch einen Mix von Ein- und Zweigeschossigkeit hätte gelöst werden dürfen und in idealer Weise hätte gelöst werden können. Die Optik des Gebäudes hätte sich besser in die Umgebung eingepasst, die Versiegelung des Grundstückes wäre auf ein erträgliches Mass reduziert worden, die wegen der aktuellen Planung spärlichen Freiflächen würden großzügiger ausfallen und die prächtigen  Bäume hätten gerettet werden können.

Es sei fast nicht vorstellbar, dass der Architekt von Ecoplan die sich aufdrängende Planungslösung nicht gesehen habe. Man müsse fragen, was  die Gründe gewesen seien, dass die Kirche sich für diesen schlechten Entwurf entschieden habe, machte Haveresch seinen Unmut deutlich.

UWG-Fraktionssprecher Matthias Homann, in Personalunion auch Vorsitzender des örtlichen Naturschutzvereins, wollte sich nicht gegen eine Fällung der Bäume positionieren. Es könne nicht angehen, dass die FDP mit anderen Architekten spreche. „Die Haltung der FDP ist populistisch“, schrieb er den Liberalen in´s Stammbuch.

 

13 Kommentare zu Hendrik Wenning: „Niemand fällt gerne Bäume“.

  1. Zugegebenermaßen kenne ich die Details nicht. Aber ich behaupte mal einfach: Wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Wieso kann der alte Kindergarten nicht erhalten bleiben? Dort ist doch in den letzten Jahren baulich immer wieder Geld rein geflossen. Und an der Riete eine Filialkindergarten? Wenn man wollte, hätte der alte Kindergarten erhalten bleiben können. Oder das neue geplante Gebäude so um geplant werden können, das es mit Satteldach weniger Grundfläche benötigt hätte und die Bäume damit stehen bleiben können. Fünfzügigkeit eines Kindergartens hat schon etwas mit Verwahr- und Aufbewahrungsstätte zu tun. Antwort zu den vielen Fragen aus der Gemeinde, von Seiten der Kirche? Wie immer wenn es unangenehm wird….. Fehlanzeige.

    Ecoplan baut quadratisch, praktisch, teuer und hässlich. Siehe die zahlreichen Beispiele in Gescher (sogenannte Marienquartier, Pankratiuskindergarten) oder auch in den Nachbarorten wie Coesfeld.

    Hendrik Wenning: „Niemand fällt gerne Bäume“. Wenige Tage später wurden die Bäume trotz Proteste und Widerspruch aus der Gemeinde und Nachbarschaft, gefällt.

    Von meinem Gefühl eine ähnliche Aussage, wie die vor circa 60 Jahren von einem Politiker gesprochen wurde:

    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

    Diesen Satz sagt DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz. Zwei Monate später ist die Berliner Mauer gebaut.

    Die meisten Bewohner von Gescher, wünschten den Erhalt der Bäume auf der Riete mit einem Kindergarten, der den pädagogischen Konzepten unserer Tage entspricht, zu vereinbaren. Seht euch das Massaker mal vor Ort an. Danke, liebe Kirche für die Zerstörung von Umwelt und Natur. Tragt ihr (Mitbürger in Gescher und Umland) das mit, was die sogenannte katholische Kirche da anrichtet?

    Als Konsequenz hilft nur der sogenannten katholischen Kirche den Rücken zu kehren. Wie es bereits viele Mitbürger aus dem Bistum Köln uns vorgemacht haben. Wie viele Menschen in Gescher und Umgebung haben den Mut es denen gleich zu tun? Die Jahresstatistik 2021 wird es uns allen im Jahre 2022 zeigen.

  2. Entsetzt // 26. Februar 2021 um 20:18 //

    Gescher, natürlich ( nicht zu verwechseln mit Natur) anders ! Kann so bleiben! Zum kotzen!

  3. Massaker // 26. Februar 2021 um 12:11 //

    Seht euch das Massaker mal vor Ort an. Tragt ihr das mit, was die katholische Kirche da anrichtet?
    Tragt ihr mit, dass der Vorsitzende des Naturschutzvereins Gescher tatenlos bleibt? Was ist das für ein Verein?? Was ist mit den Verantwortlichen in Gescher? Nur Posten bekleiden?

  4. Kortbuss // 26. Februar 2021 um 10:36 //

    Danke liebe Kirche für die Zerstörung von Umwelt danke auch an der CDU den Grünen der SPD und der uwg und danke Herr homann

  5. Grüne für Gescher // 26. Februar 2021 um 10:19 //

    Grüne Partei in Gescher? Das ich nicht lache, die wollen vielleicht alles wissen, aber grün gehandelt hat diese Partei noch nicht.
    Gescher Fair Trade Stadt? NIEMALS….

  6. Seit heute Morgen wird die Axt angesetzt – Danke liebe Kirche, Danke liebe CDU/Grüne und UWG, Danke Naturschutzbund.

  7. Hallo. Mich würde nochmal interessieren wieso der alte Kindergarten nicht erhalten bleiben kann. Dort ist doch in den letzten Jahren baulich immer wieder Geld rein geflossen. Warum muss überhaupt neu gebaut werden. Nur damit St.Marien einen neuen Kindergarten hat? Und dann 5 zügig. Wir haben doch wirklich viele Kindergärten. 5zügig hat schon etwas mit Aufbewahrungsstätte zu tun. Vielleicht würde es Sinn machen den Kindergarten da zu lassen wo er ist und an der Riete das Gebäude zu bauen was an der Twente entstehen soll. Da könnten die Bäume bestimmt bleiben.

  8. Verärgert // 25. Februar 2021 um 21:14 //

    Ich kann meinen Vorrednern nur voll und ganz zustimmen, und Herr Haveresch spricht mir aus der Seele! Sicherlich geht es hier um den Bestandschutz von Bäumen, aber auch um die Zukunft von Kindern! Warum hacken wir den Naturnahen Lebensraum für Mensch und Tier um, anstatt durch ein Satteldach Spiel- und Lebensraum ohne unnötige Flächenversiegelung zu gewinnen? Wo haben Herr Wenning und Herr Homann ihre Kindheit verbracht? bis zu 45Wochenstunden auf versiegelter Fläche? (der kleine Rest Aussengelände wird mit Fallschutz versiegelt werden)
    Noch eine Anmerkung zum Schluss, macht das Versäumnis eine Baumsatzung zu haben, die Bäume vogelfrei? Herr Homann? Aufwachen!

  9. Was nützt eine Kita, wenn in Zukunft die Bäume fehlen, die den Sauerstoff zum Atmen für die Heranwachsenden Kinder produzieren? Aber das Geld steht heutzutage leider meist über dem Leben…

  10. Zugegebenermaßen kenne ich die Details nicht. Aber ich behaupte mal einfach: wo ein Wille, da auch ein Weg. Vielleicht ist der „Weg“ nicht ohne Kompromisse zu bauen, aber dass keinen „Weg“ gibt, das glaube ich nicht.

    Man mag sagen „ach, sei ein Aufschrei, wegen der paar Bäume“ und ja es sind nur ein paar Bäume, und die machen „den Braten nicht fett“. Aber es fängt im Kleinen an.

    Und insgeheim mag jeder von uns alten Baumbestand, er erhöht schon die Lebensqualität.

    A pros pros Qualität: ich bin mir sicher, dass wenn man guten Planungsbüros gute Ziele vorgibt, so werden großartige Projekte daraus.

  11. Gibs die Grünen in Gescher überhaupt noch?
    Sind doch eher zum Schoßhündchen der Schwatten verkommen

  12. Man muss doch gar nicht mit anderen Architekten sprechen um zu erfahren, dass man Kinderärten auch anders bauen kann. Man muss nur die Augen öffnen. Wir haben doch in Gescher ebenfalls Beispiele für solche Bauten, jede Kommune, die weniger Platz hat, mag müde lächeln über diese schwache Argumentation der Kirche. Dass die UWG nicht viel mit Naturschutz anfangen kann, ist mir klar, aber die Grünen hätten sich schon bewegen müssen. Pennen da so viele?

  13. Also jetzt macht sich der Hohmann wirklich lächerlich, erst streckt er mit seinem beschämenden Leserbrief als Vorsitzender des Naturschutzbundes die Waffen, jetzt hält er tatsächlich anderen vor, dass sie in der Angelegenheit mal fachkundige Leute befragt haben?!? Den Job hätte er als Naturschützer gehabt. Der hat gepennt-

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