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Bundeswehreinsatz gegen Wildschweine in der Bröke?

GESCHER (fjk). Könnten Sie sich das vorstellen? Unvorstellbar werden Sie sagen. Doch sie sind zu einem fast unlösbaren Problem geworden: Schwarzkittel erobern überall in deutschen Landen Feld und Flur. Zuwachsraten von 200 bis 300 Prozent sind mancherorts keine Seltenheit. Mit mittlerweile beträchtlichen Schäden für die Land- und Forstwirtschaft. Vom erhöhtem Risiko für einen Schweinepestbefall ganz zu schweigen.

wildschweine1Auch im Kreis Borken tut man sich mit dem Wildschweinproblem nicht leicht. Erst kürzlich tagte im Kreishaus ein Arbeitskreis von Fach- und Jagdleuten. -GescherBlog berichtete- Das Ergebnis: Man setzt auf eine vermehrte Bejagung durch sogen. Drückjagden.

Mit rüderen Mitteln will man jetzt in Süddeutschland gegen „die Landgewinne“ der Schwarzkittel vorgehen. Vor dem Hintergrund drastischer Schwarzwildschäden hat der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV), Norbert Schindler, eine Zwangsbejagung der Tiere gefordert, nötigenfalls unter Zuhilfenahme der Bundeswehr. Er wies jetzt darauf hin, dass im Rahmen der diesjährigen Getreideernte nicht nur die Wetterkapriolen, sondern auch Schwarzwildschäden zu erheblichen Ernteverzögerungen geführt hätten.

Daher sei eine Zwangsbejagung notwendig, eventuell auch unter Einsatz der Bundeswehr, denn das Problem sei mit normalen jagdlichen Methoden nicht mehr zu lösen, sagte der dortige Bauernpräsident. Immer wieder gebe es Probleme, da die Mähdrescher mit dem Schneidwerk in durch Wildschweine verursachte Erdhügel gerieten, die von der Kabine aus nicht zu erkennen seien. Hier sei das Risiko besonders hoch, die wertvollen Maschinen zu beschädigen.

wildschwein2Trotz heftigen Protestes aus der Jägerschaft: „Die Jagd auf sämtliches Wild muss in den bewährten Händen der Jäger bleiben, wir wollen keinen Krieg gegen Wildtiere,“ bleibt Schindler bei seinen Vorstellungen.

Zum Teil von den Jägern hausgemacht, sieht der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Levert Rost das Problem, „denn Mutter Natur hat eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, sorgen für die Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Männliche Tiere (Keiler) statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab.

Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, was besonders bei intensiven Drückjageden der Fall sein wird, löst sich die Ordnung auf: Führungslose Wildschweine brechen in die Felder ein. Und junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. Es tritt also durch die Drückjagden der gegenteilige Effekt ein, dessen was man wünscht. Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt bis zu drei mal im Jahr Junge”, erklärt der Naturschutzexperte.

Levert Rost (FDP): „Die Wildschweine mit dem Einsatz der Bundeswehr zu bekämpfen, ist einfach absurd“. Es wäre nicht effektiv und unter jagdethischen und Tierschutz-Gesichtspunkten nicht vertretbar.

Am Sonntag ist Wahltag.. EUROPAWAHLTAG

2 Kommentare zu Bundeswehreinsatz gegen Wildschweine in der Bröke?

  1. arbeitenderGescheraner // 3. September 2010 um 20:02 //

    Menno – da hat man nach dem Ende des kalten Krieges endlich mal wieder ein Feindbild in der Nähe gefunden und dann wirs auch direkt wieder Kritisiert …;-)

  2. Christoph // 3. September 2010 um 17:50 //

    Der Bauernpräsident sollte mal einen Blick in unser Grundgesetz werfen – ich sehe hier weder eine Naturkatastrophe oder einen besonders schweren Unglücksfall (Art. 35 II, III GG) noch sehe ich die freiheitlich demokratische Grundordnung (Art. 87a IV GG) durch die Wildschweine gefährdet. 😉

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