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Antonius Kloster: „Den Getreideanbau nicht verlernen!“

GESCHER/STADTLOHN (pd/fjk). Wir haben nur eine Chance, wenn alle zusammen arbeiten“, Heinrich Große Liesner, Landwirt in Stadtlohn, schaut besorgt auf die Maisfelder in Almsick, „Wenn der Maiszünsler hier ankommt, müssen wir mit bis zu 30 Prozent Schaden an den Pflanzen rechnen!“ Und Antonius Kloster, OV Vorsitzender der Gescheraner Landwirte, meint dazu: „Wenn man die fortschreitende Verbreitung des Maiszünslers beobachtet, weiß man, dass dieses Problem auch Gescher erreichen wird. Nur eine Frage der Zeit,“ sagt Kloster im Gespräch mit GescherBlog.

maiszunsler-2Die Raupe des Maiszünslers, eines nachtaktiven Schmetterlings, zerstört die Maispflanzen. Größtes Problem: Die Tiere können fliegen und sich so auf großen Flächen ausbreiten. „Die Maiszünsler sind vor drei bis vier Jahren im Kreis Warendorf aufgetaucht, aktuell wurden sie in Heek gesichtet“, erzählt Große Liesner weiter. Schaden für die Landwirte 500 bis 700 Euro Verlust pro Hektar…

„Der Befall ist anzeigenpflichtig“, stellt Antonius Kloster, Gescher, fest. Schon heute würde in den Maisschlägen vorsorglich Falterfallen aufgestellt, um unverzüglich reagieren zu können.

maiszunslerDoch die Landwirte wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Raupen den Mais zerstören. Sie planen die ökologische Bekämpfung des Schädlings: Durch die Zerhäckslung der Maisstoppeln auf den Feldern und das anschließende Unterpflügen wollen sie dem Maiszünsler sein Winterquartier nehmen. Die chemische Bekämpfung sehen die Landwirte nicht als Alternative. „Sie ist teurer, zeitlich schwerer planbar und man benötigt einen Hochradschlepper – wer hat den hier schon“, so Große Liesner aus Stadtlohn. Außerdem habe das „Abschlegeln“, die Zerhäckslung der Stoppeln und das tiefere Pflügen positive Effekte auf die Ernte. Für den zusätzlichen Arbeitsschritt auf den Feldern rechnen die Landwirte mit Kosten von etwa 60 bis 70 Euro pro Hektar. Im Vergleich mit dem möglichen Schaden ein mehr als erträglicher Betrag.

„Wichtig ist eben nur, dass alle Landwirte, egal ob Schweine-, Rindermast- oder Biogasbauer mitmachen“, fordert auch Heinrich Dalhues, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Stadtlohn. Nur ein Landwirt, der die Mehrarbeit nicht leiste, könne den Erfolg der Aktion zunichte machen. „Es ist ein Anliegen, das uns alle angeht“, so die Landwirte. Sie sind sich sicher, dass ihre Kollegen fest zusammenstehen werden.

kloster-feldDas der vermehrte Maisanbau die Ausbreitung des Maiszuenslers begünstigt, steht für Kloster (links) außer Frage. Und er rät: „Der Landwirt sollte das Getreideanbauen nicht verlernen“. Denn Maisschläge, die von dem Schädling befallen wurden, können 2 Jahre für den Maisanbau nicht genutzt werden. Gen veränderte Sorten, resistent gegen den Schädling, sind für A. Kloster keine Alternative. „Der Verbraucher will sie nicht!“ Das sei zu akzeptieren.

Quelle: Münsterländer Zeitung.

Lies nachfolgend: Von der Eiablage bis zur Verpuppung.
Ein Jahr im Leben des Maiszünslers


Im kühleren Mitteleuropa gab es bislang nur eine Zünsler-Generation
im Jahr. Inzwischen breitet sich in der Schweiz und
in Baden-Württemberg eine neue Maiszünsler-Rasse aus, die zwei
Generationen im Jahr hervorbringt.

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Maiszünsler-Weibchen. Etwa ab Mitte Juni fliegen die Falter in die
noch jungen Maisbestände. Auf der Unterseite der Blätter legen die
Weibchen ihre Eier ab.

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Eigelege. Ein Eigelege besteht aus etwa zehn bis vierzig
einzelnen Eiern. Ein Weibchen kann bis zu fünfzig dieser Häufchen produzieren.

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Zünsler-Larven. Nach etwa zehn Tagen schlüpfen die Larven.
Sie fressen sich schnell in den Stängel der befallenen Maispflanze.
Dort sind sie sicher – sowohl vor natürlichen Feinden wie auch vor
Insektiziden, mit denen die Landwirte üblicherweise Fraßschädlinge
bekämpfen.

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Im Stängel. Nachdem die Zünslerlarven den Stängel erreicht haben,
fressen sie sich
im Inneren der noch jungen Maispflanze nach unten.

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Abknickende Pflanzen.
Die Fraßschäden der Zünsler
schränken die Wasser- und Nährstoffversorgung der
Maispflanze ein. Der Stängel wird ausgehöhlt und
kann leicht abknicken.

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Ernteverluste.
Im Verlauf der Vegetationsperiode fressen sich die Zünslerlarven bis
in den Wurzelkopf. Bei Wind, aber auch durch das
Eigengewicht der Kolben knicken viele der befallenen Maispflanzen.

Ist der Befall schwach, nehmen die Landwirte solche Ertragsverluste in
Kauf. Bei Körnermais fallen sie stärker ins Gewicht, da die Kolben
der abgeknickten Pflanzen bei der Ernte nicht erfasst werden bzw.
die Kolben nicht ausreifen.

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Überwinterung.
Die Zünsler überwintern in den
Stoppeln oder im Wurzelbereich der Maispflanzen. Dort überstehen sie
auch strenge Winter. Im Frühjahr verpuppen sich die
Raupen, verwandeln sich in Falter und der Zyklus beginnt
von vorn.

Eine Maßnahme, um den Zünslerbefall im Folgejahr zu reduzieren,
ist es, die Stoppeln kurz über dem Boden abzuschneiden und damit die
Überwinterungsmöglichkeiten der Raupen einzuschränken. Auch eine
Bodenbearbeitung kann ähnliches bewirken. Voraussetzung für den
Erfolg ist allerdings, dass alle Landwirte einer Region sich an
einer Bekämpfung des Zünslers beteiligen.

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Pilzgifte. Die Fraßspuren der Zünsler sind Einfallstore für Pilzsporen. Sie
finden im Inneren des Maisstängels ideale Entwicklungsmöglichkeiten:
Es siedeln sich Schimmelpilze an – darunter auch solche, die extrem
giftige Stoffwechselprodukte
bilden. Futter- und Lebensmittel aus zünslerbefallenen Maispflanzen
sind stärker mit Mykotoxinen belastet als solche aus zünslerfreien
Beständen.

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4 Kommentare zu Antonius Kloster: „Den Getreideanbau nicht verlernen!“

  1. Landwirt // 3. Dezember 2010 um 21:48 //

    Das Vorhaben den Maiszünsler durch Bearbeitung zu verdrängen, ist völlig fehlgeschlagen. Besonders wegen der Jäger. An der Autobahnauffahrt A 31 lässt man sogar Mais für das Wild stehen!
    Unsere Jäger sind nicht nur unfähig das Wildschweine – Aufkommen zu beschränken (z.B. durch Hilfe von Berufsjägern), sondern richten bei der Zünslerbekämpfung auch noch Schäden an!!!!
    Die müssen behördlicherseits mal richtig was zwischen die Hörner bekommen.

  2. Beobachter // 29. November 2010 um 16:09 //

    vielleicht sollte Antonius Kloster selbst mit gutem Beispiel vorangehen und seine Ackerflächen entsprechend bearbeiten. Der Mais ist nun schon einige Wochen abgefahren, aber die Stoppeln stehen immer noch…

  3. Rudi Ratlos // 18. Oktober 2010 um 23:03 //

    Die Apposition muss natürlich im gleichen Fall stehen wie das vorangegangene Substantiv. Also: Die Raupe des Maiszünslers, eines nachtaktiven Schmetterlings …

    Admin: Danke fuer den Hinweis! Ich wußte es immer schon: Die Leser von GescherBlog wissen mehr… schönen Tag noch!

  4. Landwirt // 16. Oktober 2010 um 13:48 //

    „Wir haben nur eine Chance, wenn alle zusammen arbeiten“ sagen die Steigbügelhalter des Johannes Röring . Soll man jetzt lachen oder weinen ?

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