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„Auch im Kreis Borken wurden Zwangsarbeiter hingerichtet…“

HOCHMOOR (fjk). Heute ist es soweit. Nach zuletzt heftigen, teils kontroversen, Diskussionen über Art und Weise des Gedenkens und über den Standort eines Mahnmals für die in Gescher inhaftierten Zwangsarbeiter, wird der fast 10 Tonnen schwere Granitblock in einer stimmungsvollen Feier im Ortsteil Hochmoor der Öffentlichkeit übergeben.

Bürgermeister Effkemann hebt in seiner Begrüßungsansprache hervor, dass es sich durchaus um ein dunkles Kapitel Gescheraner Geschichte handelt. Er bedankt sich bei den zahlreichen Mitgliedern des Arbeitskreis Zwangsarbeit, sie hätten den Entstehungsprozeß des Mahnmals über fast 10 Jahre mit unermüdlichem Einsatz begleitet. Auch erfreulich, so Effkemann sei, dass der Gedenkstein mit Spendenmittel finanziert worden sei. Dafür bedankte er sich ausdrücklich bei den anwesenden Sponsoren.

Einen tiefen Einblick in das Alltagsleben eines Zwangsarbeiters im Münsterland, eher seltener eine Zwangsarbeiterin, vermittelte eine Vertreterin von Pax Christi die Historikerin Ingeborg Höting aus Stadtlohn. Danach seien in ganz Deutschland 10 bis 20 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt worden. In Gescher gab es Läger in Estern, Capellen, Büren und das wohl größte in der Nähe von Klasmanns Torffabrik in Hochmoor. Das Schicksal der Zwangsarbeiter war hart und für nicht wenige endete es mit dem Tod durch Entbehrung, einige auch durch Hinrichtung. So wurde eine Liebesbeziehung zu einem/einer Deutschen mit dem Tode bestraft, es reichte schon das sogen. „unsittliche Annähern“. Dies sei auch im Kreis Borken durch Akten, beispielsweise aus Asbeck, belegt, erfuhren die anwesenden Gäste.

Veronika Hüning verliest eine Grußbotschaft der Künstlerin.

Veronika Hüning verliest eine Grußbotschaft der Künstlerin.

Die Enthüllung des Denkmals wird duch Bürgermeister Effkemann (CDU) und dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses Hochmoor Reinhold Gertz (CDU) vorgenommen. Auf dem Granitblock ist eine Bronzeplatte angebracht, die mit kleinen Feldern an jeden einzelnen Zwangsarbeiter, der in Gescher verweilen mußte gedenken sollen. Ein ehemaliger Zwangsarbeiter nimmt an den Feierlichkeiten nicht teil.

denkmal-900

Lies hier: GZ online – „Beitrag zum Nichtvergessen“.

8 Kommentare zu „Auch im Kreis Borken wurden Zwangsarbeiter hingerichtet…“

  1. Franz-Josef Kunst // 27. Oktober 2010 um 06:53 //

    @Vater
    Danke fuer die Klarstellung. Ihr Hinweis bezueglich der professionellen Aufarbeitung ist exakt richtig.

    @Frau Hüning
    Meine Emailanschrift finden Sie im Impressum, oben.

  2. @Frau Hüning
    Der Begriff Moralkeule stammt von dem Schriftsteller Martin Walser. Ich finde das Wort dann angebracht, wenn nach dem Krieg geborene immer noch sozusagen einem „Tätervolk“ zugeordnet werden und so getan wird, als ob der „normale“ Bürger(z.B.Mütter), nicht auch in dieser grauenhaften Zeit gelitten hätten.
    Ich habe bei Ihnen eine gewisse Tendenz vermutet, und daher vor dem „Einsatz“ solcher „Keulen“ als Vater gewarnt.
    Wenn ich Sie da falsch eingeschätzt habe, beruhigt mich das ungemein.

    Bei Herrn Kunst habe ich das Zitat im Zusammenhang mit der Forderung nach einer professionellen Aufarbeitung des Themas z.B. in Schulen gesehen. Das kann ich voll unterstützen.
    Gruß
    V.

  3. Veronika Hüning // 26. Oktober 2010 um 23:15 //

    Lieber ‚Vater‘,
    das Zitat stammte von Herrn Kunst: „Es wäre mir wichtig gewesen, in den Köpfen der jüngeren Mitbürger, der Kinder und Jugendlichen etwas anzustoßen.“
    Wo hätte ich die Moralkeule geschwungen? So etwas besitze ich gar nicht.
    Und die FDP hoffentlich auch nicht.
    V.H.

  4. @Veronika Hüning
    Ich möchte die Debatte nicht stören.

    Nur das, Zitat:“… in den Köpfen… ,der Kinder und Jugendlichen etwas anstoßen“

    Bitte schwingen Sie nicht die Moralkeule gegen unsere Kinder. Wir schreiben das Jahr 2010 !!!

  5. Veronika Hüning // 26. Oktober 2010 um 20:23 //

    Ist der „Gescher-Blog“ dazu da, ein Ping-Pong-Spiel z.B. zwischen Herrn Kunst und Frau Hüning auszutragen?

    Wenn ja:
    – Wir sind uns einig in Sachen Beachtung des Themas Zwangsarbeit in Schulen, Würdigung der menschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern, Respekt vor den Worten des Vorsitzenden des Hochmooraner Schützenvereins u.a.m.
    – Wir sind uns nicht einig über die Wahl des Standorts für das Zwangsarbeiter-Mahnmal, seine Gestaltung, den Entscheidungsprozess.
    – „Wofür brauchen wir noch ein Denkmal…?“ – Es geht hier nicht um ein Gedächtnis der Toten, sondern der Opfer eines konkreten Unrechtssystems. Schade, dass Sie das nicht verstanden haben!
    – Sie scheinen die Kunst zu beherrschen, einem das Wort im Mund umzudrehen. Ich habe nicht ausgeführt, die Einladung eines ehemaligen Zwangsarbeiters „sei durch den Arbeitskreis nicht finanzierbar gewesen“. Ich habe lediglich nach dem Engagement der FDP gefragt – im Arbeitskreis und finanziell (Ergebnis: Null).
    – Wie haben Sie und Ihre Partei bisher versucht „in den Köpfen der jüngeren Mitbürger, der Kinder und Jugendlichen etwas anzustoßen“?

    Wenn nein:
    – Ich übe das Lächeln über Ihre Bemerkungen („Pax Christi Ikone“, „Arroganz der ‚Gutmenschen'“…), die nichts anderes anzielen als eine inzwischen völlig unangebrachte Polarisierung und atmosphärische Verunreinigung in Gescher und Hochmoor. Sie „enttäuscht“ zu haben sollte mich nicht unbedingt beeinträchtigen.
    – Geben Sie mir doch bitte eine Adresse an, über die ich Sie persönlich erreichen kann, um unsere Auseinandersetzung weiterführen zu können, ohne dass gleich die öffentlichen Scheinwerfer darauf ausgerichtet werden!

    V.H.

  6. Franz-Josef Kunst // 26. Oktober 2010 um 15:55 //

    Schön Frau Hüning, dass Sie sich zu Wort melden.

    Ja, es ist richtig, ich zähle nicht zu den Befürwortern eines Denkmals an diesem Ort. Sicher sind wir uns einig, dass Gedenken und Erinnern.. in den Köpfen stattfinden muß. Ich hätte mir gewünscht, einen Ort des Gedenkens zu wählen der Bezug zum realen Geschehen hatte. Auch sollte dieses Thema in Schulen, Ausstellungen usw. mehr Beachtung finden als es das vielleicht tut. Von städtebaulichen Aspekten will ich an dieser Stelle nicht reden.

    Es wäre mir wichtig gewesen, in den Köpfen der jüngeren Mitbürger, der Kinder und Jugendlichen etwas anzustoßen. In diese Richtung hätte ich mir tatsächlich mehr Engagement des Arbeitskreises gewünscht.

    Ein Zweites halte ich für unglücklich. Es ist immer wichtig bei derartig sensiblen Themen „den Bürger mitzunehmen“ wie es so schön heißt. Der Hochmooraner war und ist bereit sich „mitnehmen“ zu lassen. Daran habe ich keinen Zweifel. Doch mit der Wahl des Ortes und auch mit dem Zustandekommen der Standortentscheidung haben sich nicht wenige Bürger in Hochmoor „überfahren“ gefühlt.

    Besser hat das der Vorsitzende des Bürgerschützenvereins Hochmoor beschrieben, der mir in einem Gespräch sagte: „Wir (Anmerkung: die Hochmooraner) haben ein Denkmal für ALLE Toten der beiden Weltkriege, für die hingerichteten Desertierten, für die ermordeten Juden, für die gefallenen Soldaten, für die umgekommen Zivilisten, für die auf der Flucht getöteten Vertriebenen und natürlich auch für die durch Entbehrung und manchmal auch durch Denunziation umgekommenen Zwangsarbeiter“, und er fügte hinzu: „Wofür brauchen wir also noch ein Denkmal auf der gegenüberliegenden Seite.“

    Kein Zweifel, auch er hält ein Denkmal zu Ehren der Zwangsarbeiter mit realen, lokalen Bezug für angebracht, denn die meisten haben Gott sei Dank überlebt, und sind ein besonderes, weil trauriges, Kapitel in der Geschichte unserer ländlichen Region das immer und immer wieder aufgearbeitet werden muß….

    Sie halten das für Lippenbekenntnisse? Ich selbst habe die Rede des Vorsitzenden beim diesjährigen Schützenfest (Kranzniederlegung) gehört. Inhaltlich beschäftigte sich dieser mit dem Schicksal jüdischer Mitbürger und um Aufklärung bemühte Jugendliche in unserer Zeit. Das nicht in einem Nebensatz, sondern 5 Minuten lang. Ein bemerkenswerter Schützenverein mit einem bemerkenswerten Vorsitzenden. Ich auf jeden Fall war beeindruckt weil ich solche Töne auf einem Schützenfest nicht unbedingt erwartet hatte. Das zum Thema Sensibilität der Hochmooraner.

    „…hätte die FDP evtl. die Reise aus Polen oder der Ukraine finanziert? Der Arbeitskreis Zwangsarbeit hat leider nicht so viele Aktivitäten von fjk und seiner Partei in dieser Richtung wahrnehmen können…

    Das ist ihre, ich muß es leider so sagen, zynische Antwort auf meine Bemerkung, dass es schön gewesen wäre, einen Zwangsarbeiter selbst zur Feier einzuladen, denn es leben wahrscheinlich noch welche! Und weiter führen sie aus, es sei durch den Arbeitskreis nicht finanzierbar gewesen. Ich mußte zweimal hinschaun, ob das die von mir hoch respektierte „Pax Christi Ikone“ Veronika Hüning, wirklich gesagt hat.

    Mir kommt das vor wie die Arroganz der „Gutmenschen“, jene die wissen was richtig und falsch, was gut und böse ist und sich dafür gern ein Denkmal setzen (würden). Sie betonieren einen „protzigen Granitblock“ für 10.000 Euro in den feuchten Grund Hochmoors, das Geld für eine Hotelübernachtung eines ehemaligen Betroffenen haben Sie angeblich nicht.

    Ein Anruf bei Herrn Bölting (Volksbank) oder Herrn Rudde (Kreissparkasse) hätte gereicht das Problem, so sie es denn gehabt hätten, wäre gelöst gewesen.

    Ich bin von Ihnen enttäuscht, Frau Hüning.

    Eins muß ich zum Schluß noch loswerden. Was mir in dieser ganzen Diskussion gefehlt hat, ist die positive Rolle,vielleicht nicht vieler, aber sicher auch nicht weniger Deutsche in dieser Zeit. Es gab tiefe menschliche Beziehungen zwischen Zwangsarbeiter/innen und Deutschen. Auch hier in Gescher. Diese Deutschen waren bereit, ein hohes persönliches Risiko einzugehen: Gesellschaftliche Ächtung, Konzentrationslager oder schlimmstenfalls das Fallbeil… drohte deutschen Frauen. Wer setzt jenen Bürgern ein Denkmal? Ich weiß, wovon ich rede! Auch darüber hätte man während der Feierlichkeiten einen Satz verlieren können.

  7. Veronika Hüning // 25. Oktober 2010 um 23:51 //

    Meine Anerkennung für diesen Beitrag von fjk, der bekanntlich nicht gerade zu den Befürwortern des Denkmals an diesem Ort gehörte!
    Ein Fehler muss allerdings korrigiert werden: Den „Einblick in das Alltagsleben eines Zwangsarbeiters“ gab die Historikerin Frau Ingeborg Höting, die leider (noch) kein Mitglied von pax christi ist.

    Zum letzten Satz des Berichts: Ja, schade, dass kein/e ehemalige/r Zwangsarbeiter/in bei der Feierstunde anwesend war! Es leben auch nur noch wenige. Und: hätte die FDP evtl. die Reise aus Polen oder der Ukraine finanziert? Der Arbeitskreis Zwangsarbeit hat leider nicht so viele Aktivitäten von fjk und seiner Partei in dieser Richtung wahrnehmen können…

    V.H.

  8. Gegenwart // 24. Oktober 2010 um 20:20 //

    Gute Sache.

    Es ist sicher auch eine Aufgabe der Politik, in Reden von der dunklen Vergangenheit zu Sprechen.

    Ich ziehe ausdrücklich keinen Vergleich. So zynisch darf man auch nicht sein. Aber nun sollte die Politik an Arbeitsbedingungen z.B. bei Kik oder in großen Schlachthöfen denken und handeln.

    Ein Bürgermeister hat hier keine Verantwortung. Träge Parteigenossen sehr wohl.

    Herzlichst

    Die Gegenwart

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