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Biogas aus Biostoffpresswasser… ein Weg aus der Sackgasse.

GESCHER (pd). Die derzeitige Förderung der Biogasgewinnung geht ruinös zu Lasten der bäuerlichen Landwirtschaft. Der Konflikt zwischen bäuerlichen Veredlern und Biogasbetreibern um die Fläche ist dabei nur vordergründig. Dahinter steht der Kampf um die bäuerliche Landwirtschaft schlechthin. In einer Pressemitteilung fordern die Gescher`s Liberale jetzt,  dass Genehmigungen von Biogasanlagen bis auf Weiteres ausgesetzt werden.  Außerdem benötige der Kreis dringend ein Energiekonzept.

[singlepic id=175 w=320 h=240 float=left]Am Wochenende besuchte die FDP-Fraktion (links, größer? – klick auf Bild!) die EGW in Estern, um sich hier den Betrieb einer „mustergültigen“ Biogasanlage zeigen zu lassen. Dipl. Ing. Hubert Reismann erklärte den Fraktionsmitgliedern das Prinzip der Biogasgewinnung aus Biostoffpresswasser. Durch das Presswasserverfahren würde das Abfallvolumen erheblich verringert und mit hoher Co2-Effektivität zu Biogas bzw. Strom verarbeitet. 3.8 Mio kw/h per anno betrage die Produktion derzeit. Das sei der Strombedarf für fast 1000 Haushalte. Die Anlage werde ausschließlich mit den Biostoffen der braunen Tonne und Speiseresten gefüttert. „Nawaros“  (nachwachsende Rohstoffe) wie z. B. Mais kämen nicht zum Einsatz.

„Die Biogasgewinnung in der Landwirtschaft hingegen ist gekennzeichnet durch ein hohes Gefährdungspotenzial für Umwelt- und Naturschutz. Insbesondere durch die bis jetzt noch nicht ausreichend erforschten Risiken durch Botulismus, der durch das unvermeidliche Ausbringen der Reststoffe aus der Biogasgewinnung auf die Felder  in unseren Nahrungskreislauf gelangen kann,  durch Nutztiere aber auch durch Wildtiere und Fische “ darauf weist der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Christian Rose hin.

Fraktionssprecher Franz-Josef Kunst: „Bis nicht eindeutig feststeht, wieviel Biogasanlagen  die landwirtschaftliche „Intensivstation“ Kreis Borken überhaupt noch verträgt, sollten  keine weiteren Genehmigungen ausgesprochen werden.  Die Anzeichen mehrten sich, dass die 70 z. Zt. aktiven Biogasanlagen schon zuviel seien.

Außerdem monieren die Liberalen, dass Biogasproduktion in der Landwirtschaft kosteneffektiv nur mit einer exorbitant hohen Förderung möglich ist. Schädlich sei dem Prinzip Biogas die hohe Förderung des Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen.  Förderung von Gülle, sogen. Wirtschaftsdünger, fordern daher Gescher`s Liberale. Das gebe einen positiven Treibhauseffekt und eine Entlastung in der Fläche. „Ohne ein Energiekonzept geht das alles nicht,“  ist das Fazit der Liberalen.

„Z. Zt. profitiert vom Biogasboom vornehmlich die Lobby um die Anlagenbauer, zu der zählen wir auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring“, sagt Franz-Josef Kunst, FDP-Fraktionssprecher. Und weiter: „Die Biogasproduktion muß auf den Prüfstand und auf ganz neue „Förderbeine“ zugunsten der Verwertung von Wirtschaftsdünger (Gülle) gestellt werden. Auch dürfe die mögliche gesundheitliche Gefährdung durch Botulismus nicht heruntergespielt werden. Gerade laufende wissenschaftliche Untersuchungen müßten schnellsten vorgelegt werden, meinen die Liberalen.

[singlepic id=176 w=320 h=240 float=left]Der Meinungsaustausch zwischen der FDP-Fraktion und Hindrik Stegemann, Chef der EGW, hingegen war gekennzeichnet durch hohe Übereinstimmung in Fragen der Abfallentsorgung. Man war sich einig: Dies wird nicht das letzte Treffen gewesen sein. „Alle Seiten profitieren von solchen Gesprächen wenn sie auf einem gutem, fachlichem Niveau stattfinden, meinte der EGW-Boß am Schluß des dreistündigen Treffens. (Bild links: Dipl. Ing. Hubert Reismann am Sammelschacht).

Lies hier: Alle Beiträge zum Thema Biogas.

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7 Kommentare zu Biogas aus Biostoffpresswasser… ein Weg aus der Sackgasse.

  1. Hallo zusammen!
    Danke für den Beitrag. Hab hier auch einen sehr kritischen Artikel zum Thema Biogasanlagen gelesen – vielleicht interessiert er Euch ja: http://www.myheimat.de/springe/politik/da-wird-das-ei-in-der-pfanne-verrueckt-h-d2494642.html

    Schöne Grüße,
    Doro

  2. Solange die Biogasanlagen nicht extra Flächen beanspruchen sehe ich kein Problem. Besser ist ein Güllekraftwerk eine Biogasanlage die mit Gülle betrieben wird.
    Sonst sehe ich das Problem Energiewirt oder Lebensmittel – Landwirt

    Besonders für die FDP man muss den Energie Mix sehen. Fragen Sie mal in Kassel was Sie ohne SMA machen ? Die Industrie soll sich wandeln. Wie soll Deutschland Technologieführer bleiben? Die Erneuerbaren Energien können ein Exportschlager werden. Siehe SMA die Liefern Weltweit jetzt starten die auch die USA mit Erneuerbare Energien.

    Zur günstigen Atomkraft bauen die EVU die AKW ab und entsorgen das ganze?
    Und wenn das ganze nicht so Problematisch ist warum behalten die Franzosen die Castoren nicht?
    Für die Wirtschaft ist es besser wenn die Energie dezentral eingespeist wird. der kleine Handwerker vor Ort ist mitbeteiligt. Also mehr Arbeitsplätze.

    mit sonnigen Grüßen vom Solarstrom Simon aus München / FFB

  3. Grüner Gärtner // 29. November 2010 um 16:32 //

    Sehr geehrter „Franz“ , von mir aus können sie anonym bleiben.

    Allerdings sollten sie dem Leser die „mangelhafte Informationsbasis“ mit Informationen aufbessern. So steigern sie ihre Glaubwürdigkeit und lenken die Diskussion in die richtige Richtung.

    Mit ihrem Kommentar haben sie der „ökologischen Idee – Biogas“ einen Bärendienst erwiesen. Sie bestätigen den Eindruck, dass es nur um Geld geht!

    Nutzen sie ihre Chance und informieren sie !

  4. Franz-Josef Kunst // 27. November 2010 um 16:32 //

    Hallo Franz,

    eins vorab: Die von Ihnen angegebene Emailanschrift ist nicht Ihre. Schon aus diesem Grunde müßte ich Ihren Kommentar eigentlich „rausschmeißen“. Sie können hier natürlich immer unter Nutzung eines Benutzernamens ihre Meinung kundtun, aber Sie müssen sich schon dem Administrator, also mir gegenüber, identifizieren. Soviel sollten Sie „in der Hose haben“. Und keine Angst, ich beiße nicht… 😉

    Dann bitte ich Sie noch um eines: Schreiben Sie doch was zur Sache. So können Sie meine angebliche, wahrscheinlich aber tatsächliche „mangelhafte Informationsbasis“, denn wer weiß schon genug, durch einen fundierten Sachbeitrag verbessern. Nix.. nur heiße Luft!

    Wissen Sie, wenn Ihre Unterstellungen zuträfen, würde ich ganz einfach einen Autor erfinden und den über mich in meiner Funktion als Fraktionssprecher berichten lassen. So ist doch alles klar… oder? Lassen Sie uns über die Sache streiten. Da warte ich jetzt auf einen Beitrag von Ihnen… aber bitte mit korrekter Emailanschrift.

  5. Herr Kunst,
    warum zitieren Sie sich in Ihrem Artikel selbst? Dass Sie den Beitrag verfasst haben, steht doch oben. Ich finde den Artikel nicht besonders informativ. Ihre pseudoobjektivität, die sie so linkisch versuchen zu suggerieren, ist lächerlich. Schreiben Sie besser Kommentare anstatt zu versuchen über Themen zu informieren und so Einfluss auf den Leser zu nehmen. Besser Bescheid als die meißten Leser wissen Sie nicht. Versuchen Sie bitte nicht mehr auf mangelhafter Informationsbasis Diskussionen unter Ihrer Regie loszutreten.
    Also: Schreiben Sie Kommentare, dann fällt es leichter Sie ernst zu nehmen.

  6. Andreas Heumer // 6. November 2010 um 12:01 //

    Nachfolgender Leserbrief von Andreas Heumer wurde am 6. Nov. 2010 in der Gescheraner Zeitung veröffentlicht.

    Neben der Biogasförderpraxis muss die gesamte Interessenvertretung der Bauern auf den Prüfstand. Es kann doch nicht sein, dass die FDP Gescher landwirtschaftliche Betriebe vor den Lobbyisten aus den eigenen Reihen schützen muss.

    Im Sommer 2008 war der Schaden für diese Region durch das am 1.01.2009 in Kraft getretene Gesetz schon absehbar. Johannes Röring sprach am 27.07.2008 von einem „Gewinn für den Kreis“. Geht man im Kreis von 25 MW installierte elektrische Leistung Biogas aus, sind rund 10000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche der Nahrungsmittelproduktion für 20 Jahre entzogen. Die Mindestgröße eines Familienbetriebes dürfte bei ca.50 ha liegen.

    Was Johannes Röring Gewinn für den Kreis nennt, ist in der Praxis die Vernichtung der Existenzgrundlage von ca.200 Bauern im Kreis als Folge einer verhängnisvollen “ Planwirtschaft! “ Das Gesetz wurde mit den Stimmen der CDU,SPD und der PDS beschlossen. Die FDP hat geschlossen dagegen gestimmt.

    Bei der Verstromung von Mais gibt es keinen vor- und nachgelagerten Bereich (Futtermittel , Fleisch und Milchverarbeitung usw.) Die Landwirtschaftskammer NRW hat klar nachgewiesen , dass auch dort Arbeitsplätze vernichtet werden. Biogas geht uns alle an.

    Andreas Heumer
    Landwirt

  7. top agrar // 5. November 2010 um 15:34 //

    Pressemeldung von „top agrar“ vom 5. 11.2010.

    Die FDP will die „Überförderung durch das Erneuerbare- Energien-Gesetz“ abbauen. Durch die gesetzlich festgelegt Einspeisevergütung für Biogasanlagen werde den Landwirten Konkurrenz gemacht, die für den Markt produzieren. Diese Unwucht passe nicht zu dem Leitbild einer unternehmerisch orientierten Landwirtschaft.

    „Deshalb haben wir uns in der christlich-liberalen Koalition darauf verständigt, zum 1. Januar 2012 eine EEG-Novelle auf den Weg zu bringen. Dabei sollen insbesondere bei der Biomasse-Verstromung organische Reststoffe gegenüber nachwachsenden Rohstoffen stärker gewichtet werden“, erklärt die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan. Die Biogasanlagen müssten vorrangig Reststoffe der Land- und Ernährungswirtschaft verwerten. Dafür müsse als erster Schritt der Nawaro-Bonus für die Biogaserzeugung im EEG gestrichen werden. Wer zukünftig nur für die Verwertung in einer Biogasanlage anbaut, dürfe keine gesonderte Förderung mehr erhalten.

    „Wir brauchen eine ökologisch und ökonomisch ausbalancierte Einspeisevergütung, die die Stromproduktion durch Biomasse attraktiv macht, ohne dadurch die landwirtschaftliche Veredlungswirtschaft im Wettbewerb zu belasten“, fordert Happach-Kasan. Die FDP setze sich für deutlich bessere Rahmenbedingungen der agrarischen Veredlungswirtschaft in Deutschland ein: Schweine-, Geflügel- und Milchviehhalter dürften nicht länger als mittelständische Unternehmer durch ausufernde Bürokratie und eine ideologische Energiepolitik im harten Wettbewerb benachteiligt werden.

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