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Nachlese: Die Stellungnahmen der Fraktionen.

GESCHER (fjk). Auf Wunsch vieler Besucher dieser Seite hier die Stellungnahmen aus der letzten Ratssitzung der einzelnen Fraktionen zur Entscheidung über den zukünftigen Standort der Marienkirche.

Lies hier: Stellungnahme von Egbert Kock (CDU)

Lies hier: Stellungnahme von Werner Bönning (UWG)

*Stellungnahmen von SPD und Grüne liegen nicht vor!

Stellungnahme der FDP Fraktion:

Meine Damen u. Herren,
verehrte Kolleginnen u. Kollegen

Die Diskussion über den neuen Standort der Bücherei droht unsere Stadt zu spalten. Um das zu erklären, bedarf es einige Worte der Rückschau

Am 3. November 2009 fand im Turm der Marienkirche ein Treffen des Arbeitskreises Marienkirche statt. Zum erstenmal war auch der neue Bürgermeister Hubert Effkemann in dieser Funktion mit dabei.

Klar war an diesem 3. November, dass bis Anfang 2010 ein tragbares Konzept stehen sollte,  mit dem wollte der neue Bürgermeister dann in die öffentliche Diskussion gehen, klar war,  dass eine Investition wie von Pesch u. Partner angedeutet in der Größenordnung 2 bis 3 Million Euro für die Stadt nicht zu stemmen war.

Zwei Dinge waren aber ebenso klar: 1. Dass die Marienkapelle gesetzt, also als vereinbart galt,  und 2. eine Übernahme der Kirche für eine Bücherei nur in Zusammenarbeit mit einem Investor als realisierbar angesehen wurde. Den gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Eine weitere Sitzung fand seit dem nicht mehr statt.

Statt dessen begann die beispiellose Demontage einer bis dahin vorhandenen Einigkeit in der Zielsetzung, die Marienkirche mit Hilfe der Stadt Gescher zu erhalten!

Zwei Ratssitzungen fanden statt, größtenteils in den nichtöffentlichen Teil gelegt. Und wer glaubt, in diesen nichtöffentlichen Sitzungen sei Entscheidendes beschlossen oder auf den Weg gebracht worden,  der irrt. Meist  wurden Positionen und Informationen auf Stammtischniveau ausgetauscht.

Parallel oder vorgeschaltete Fachausschüsse wurden mit dem Thema überhaupt nicht beschäftigt.. Fehlanzeige.

Wo war die Bau- und Planungsauschußsitzung, die sich mit den baulichen Aspekten der Sitzungsvorlage beschäftigt?

Warum gibt es kein Votum des Schulausschusses, der fachlich für`s Büchereiwesen zuständig gewesen wäre?

Warum gibt es keine Bewertung der Zahlenmanipulationen von Frau Kucharz seitens des Finanzausschusses?

Demokratische Gepflogenheiten, elementar wichtig um richtige Ergebnisse zu erzielen, wurden mit Füßen getreten.

Ich will den Blick nur kurz, und auch nur bewertend, auf die Manipulationsversuche bei den Finanzierungsvergleichen der Kämmerin werfen. Manipulation deshalb weil „geschönt“ nicht das richtige Wort ist.

Frau Kucharz es ist nicht zulässig, die Investitionspauschale in die Bewertung der Neubauprojekte einfließen zu lassen. Sie maßen sich an Ratsbeschlüsse vorweg zu nehmen.

Denn der Rat beschließt über Investitionen und wie die Investitionspauschale eingesetzt werden soll u. kann.

Es mag legal sein aber es ist unzulässig,  in solchen Vergleichsbewertungen wie diesen, den Grundstückswert der Neubaugrundstücke auf Null zu setzen.

Die größte Manipulation allerdings ist, dass sie uns verschwiegen haben, dass es 3 Angebote, nämlich noch zwei wesentlich niedrigere als ihr Zahlenmaterial weis machen will, gibt.

Ihre Bewertungen sind nicht neutral. Sie sind manipuliert in Zielrichtung auf das gewünschte Ergebnis.

Ende 2009 drängte der Bürgermeister, wie bereits erwähnt, darauf mit einem Konzept in die öffentliche Diskussion gehen zu wollen. Heute heißt es, wir haben noch Zeit satt. 2013 ist nicht übermorgen… konnte man seitens der UWG vernehmen.

Um auf Ihre Bemerkungen zurückzukommen, Herr Bönning: Die UWG ist doch auf jede Sau gestiegen, die in Sachen Bücherei durch`s Dorf gallopiert ist. Erst waren Sie Feuer und Flamme für das Modell Rest, dann war das Kutschenmuseum Ihr Favorit, danach ein Höhepunkt das „alte Rathaus“, zwischendurch natürlich auch der Stadtpark und zum Schluß sind sie bei „Eschstraße Pennekamp“ angekommen. Wer will die UWG noch ernst nehmen, Herr Bönning.

Dabei drängt die Zeit wirklich. Alle haben Ihre Schularbeiten gemacht: Der Investor ein tragfähiges Konzept vorgelegt, die Kirche machte den Weg für ein Investorenmodell durch eine moderate Kaufpreisforderung frei.

Gescher´s Innenstadt könnte vor dem größten Investitions- und Innovationsschub der letzten Jahrzehnte stehen. Das Konzept Sonderwohnen des Investors ist auf den Punkt die Antwort auf die Anforderungen des demographischen Wandels.

Ganz hinten in der Schlange stehen die vielen Jugendlichen und ehrenamtlichen Helfer der Jugendarbeit die darauf hoffen, schon bald in ein neues, endlich funktions- und bedarfsgerechtes Jugendheim am Kirchplatz ziehen zu dürfen. Denn Jugendarbeit kann am TOT Marienkirche im eigentlichen Sinne schon lange nicht mehr geleistet werden. Auch hier besteht dringender Handlungsbedarf. Darüber wurde in der Diskussion bisher überhaupt noch nicht gesprochen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,

St. Marien bietet für die Unterbringung der Bücherei die fachlich und finanziell besten Voraussetzungen.

Doch findet überhaupt noch eine Sachdiskussion statt? In der Marienkirche steht eine ebenerdige Fläche von mehr als 600 qm zur Verfügung. Das bedeutet,  neue Konzepte im Büchereiwesen realisieren zu können. Weg von der Aufbewahrungsstelle für Bücher hin zu einem wirklichen Haus des Wissens.

Mit Räumen für Vorlesungen, Autorengespräche und Buchbesprechungen.

Mit großzügigen Spiel- und Lesezonen für die Jüngsten.

Mit Internetterminal für die Freaks, denen sowieso jede Bücherei zu klein ist,  die auf das Wissen der Welt zugreifen wollen… auf`s Internet.

Mit einem kleinen Cafe für die Senioren und für die Mütter, die immer länger auf Ihre Kids warten müssen weil die sich von der Faszination  des neuen Hauses nicht trennen können.

Das können Sie alles in St. Marien machen… weil sie dort Platz haben. Wollen sie das gleiche in einem Neubau auf 2 Etagen installieren ist Gescher pleite!

Dafür brauch`ich keine Tabellen, Frau Kucharz.

Abschließend möchte ich feststellen: Die Lösung in dieser Problematik können sie nicht errechnen, weil sie die Zukunft nicht errechnen können.  Werte entfernen sich immer von der Annahme, in die eine oder in die andere Richtung.

Wie halten Sie`s mit der Marienkapelle, liebe Kollegen?  Ich denke, auch für diese Mitbürger stehen wir hier im Rat in der Verantwortung.. das ist nicht nur Kirchenangelegenheit.

Für sie ist die Kirche ein Stück Ihrer Identität, von der sie mit der Marienkapelle einen Zipfel vor der Zeit retten möchten. Es steht Ihnen zu, dass wir Ihnen dabei helfen. Denn es sind Mitbürger die ihr Leben lang hart gearbeitet … und Steuern gezahlt haben. Die Bücherei in St. Marien ist untrennbar mit der Marienkapelle verbunden…

Sehr geehrte Damen u. Herren,

ich möchte meine Ausführungen beenden mit einem Brief, eigentlich war`s eine Email, eines Bürgers aus  Hochmoor. Er schrieb folgendes, ich lese vor..

Die Werte unserer Gesellschaft sind durch das Christentum (Menschenrechte, den sozialen Rechtsstaat usw.) wesentlich geprägt, ähnlich wie der Islam die Werte in seiner Gesellschaft entscheidend prägt. Diese Werte bringen wir zum Ausdruck in den Gotteshäusern unserer christlichen Religionen.

Neben dem ortsbildprägenden Charakter, den die Kirchengebäude bei uns haben, symbolisieren diese Kirchen auch das Fundament unseres Zusammenlebens,  durch diese besagten Werte.

Wenn es wie hier sinnvolle Möglichkeiten gibt, diese Gebäude weiter zu nutzen, dann ist dieses immer einen Mehrbetrag wert und gleichzeitig bleibt ein wesentlicher Bezug zu unseren Wurzeln weiter erhalten und für alle sichtbar, denn unsere Gesellschaft baut auf diese christlichen Werte auf.

Wir Liberalen ziehen auch solche Gedanken in unsere Entscheidung mit ein. Deshalb sprechen wir uns eindeutig für die St. Marienkirche als neuen Standort für die Bücherei aus.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Franz-Josef Kunst

Beifall

4 Kommentare zu Nachlese: Die Stellungnahmen der Fraktionen.

  1. Franz-Josef Kunst // 6. Februar 2011 um 11:41 //

    In dieser Woche gibt`s einige Weichenstellungen. Am Montag tagt der Kirchenvorstand und am Dienstag der LOV (Landwirtschaftliche Ortsverein). Letzterer hatte zusammen mit den Landfrauen die Unterschriftenaktion organisiert.

    Jetzt muß sich der „Widerstand gegen den Ratsbeschluß“ organisieren. Ich denke, gegen Ende dieser Woche wissen wir mehr…

  2. Beobachter // 6. Februar 2011 um 01:26 //

    Hallo zusammen,

    gibts schon was neues in Sachen Kirche? Wird schon von irgendeiner Seite etwas vorbereitet richtung Volksbegehren oder Bürgerentscheid?

  3. Wutbürger // 5. Februar 2011 um 14:00 //

    @ Carsten

    Es ist viel schlimmer als du denkst. Die Gescheraner wissen nur 10 % von dem, was sich im Rathaus abspielt .

    „Das Wasser steht uns bis zum Hals“, sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig kauft er für über 300000 €
    Ackerland, das noch sechs Jahre billig verpachtet ist, ohne einen Verwendungsnachweis darzustellen. Wirtschaftsförderung soll das sein!!!!?????

    Der Rathausvorplatz soll für 140000€ saniert werden!!!!?????

    Herr Effkemann, tun Sie mir einen Gefallen. Fahren Sie bitte über Karneval in den Urlaub. Ich möchte an diese Dinge nicht erinnert werden.

  4. Carsten B. // 5. Februar 2011 um 11:21 //

    Sehr geehrter Herr Kunst,

    die Zusammenfassung der Ratssitzung mit den Äußerungen der Sprecher ist ein kleines Highlight auf Gescherblog, und das die FDP mehr hinter den christlichen Werten steht als die CDU ist schon klasse.

    Es hat verdammt gut gepasst, wie Sie den Schluss damit gemacht haben.

    Jedes CDU-Mitglied muss sich doch danach schämen,
    nein die mussten doch eigentlich fuer die Marienkirche abstimmen, das werden sie sich noch vorhalten lassen muessen wenn die Kirche vielleicht doch abgerissen wird.

    Ich glaube aber der Investor baut auch ohne Bücherei, lässt den Kirchturm stehen und verdichtet um den Turm herum.

    Würde mich nicht wundern, wenn Effkemann da nicht was im Koffer noch hat.

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