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Corona: Ansteckung häufig im familiären und privaten Bereich

400 Coronavirus-Neuinfektionen wurden analysiert

Gescher/Kreis Borken (pd). Der Wert der „7-Tage-Inzidenz“ im Kreis Borken sinkt seit gut einem Monat nicht mehr. Fachleute des Kreisgesundheitsamtes im Auftrag von Landrat Dr. Kai Zwicker haben sich kurzfristig darangemacht, exemplarisch alle über 400 Coronavirus-Neuinfektionen in der ersten Februarhälfte näher zu analysieren – mit aufschlussreichen Ergebnissen.

Sicher nachweisen lassen sich Ansteckungsketten derzeit vor allem im familiären bzw. privaten Bereich: Das Zusammenleben in häuslicher Gemeinschaft führt immer noch zu den höchsten Folgeinfektionen. Mit steigender Tendenz!

Zusammenhängende größere Infektionsgeschehen, -sogen. Cluster etwa in Einrichtungen der Altenpflege oder im Krankenhaus – gebe es hingegen im Kreis aktuell kaum. Ein weiterer Teil der Infektionen finde darüber hinaus im Zusammenhang mit den Kontakten am Arbeitsplatz oder beim Treffen „im kleinen Kreis“ statt. So hatten z. B. Treffen und Zusammenkünfte im kleinsten Kreise etwa, um gemeinsam Fußballspiele im TV anzuschauen,  in den vergangenen Wochen zu einer schnellen Weiterverbreitung des Virus geführt, so das Kreisgesundheitsamt.

Bei Betrachtung dieser Infektionsketten stellte sich heraus, dass für ein Drittel aller Infektionen das häusliche bzw. familiäre Umfeld ursächlich war. Ein weiteres Drittel der Fälle war nicht aufzuklären, entweder weil die vorliegenden Sachverhalte keine weiteren Infektionszusammenhänge ergaben oder weil Aufklärung gar nicht möglich war (etwa aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten oder weil die Betroffenen aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung nicht ansprechbar waren). Jeweils 5 Prozent hatten ihre Ursache am Arbeitsplatz sowie in medizinischen Einrichtungen. Allen übrigen Infektionsfällen lag ein diffuses Geschehen zugrunde.

Dr. Hörster, Kreis Borken, sieht vor allem folgende Schlussfolgerung: „Das Risiko, sich in der häuslichen Gemeinschaft zu infizieren, ist weiterhin sehr groß – gerade auch mit gegenüber dem ‚Stamm-Virus‘ deutlich aggressiveren Virusmutanten.“ Dass im Kreis Borken der britische Virustyp bereits bei 16 Prozent der von den Hausärzten veranlassten Befunde nachgewiesen wurde, stehe im deutlichen Widerspruch zu den Ergebnissen einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Münster, wonach sich die Virus-Mutanten in NRW vor allem in den Ballungsräumen und nicht so sehr in den Grenzregionen wie dem Kreis Borken ausbreiten würden.

Obwohl die Inanspruchnahme der Notbetreuung in Schule und Kita in der ersten Februarhälfte bei rund 40 Prozent lag, seien dort bislang weiterhin keine nennenswerten Infektionsketten oder gar „Cluster“ bekannt geworden. Man verfolge diese Entwicklung aber sehr aufmerksam.

Das Risiko größerer Infektionsgeschehen in Einrichtungen der Altenpflege und Behindertenhilfe, aber auch im Bereich der Krankenhäuser gebe es aktuell weiterhin, wenngleich es in der ersten Februarhälfte im Kreisgebiet dort nur wenige Fälle gegeben habe, so der Kreisdirektor weiter.

„Leider lässt sich eine große Anzahl von Infektionsketten nicht sicher nachverfolgen“, bedauert Dr. Hörster. Ob und wieweit das gelingt, hänge schließlich maßgeblich auch vom Antwortverhalten der von den Kontaktermittlern des Kreisgesundheitsamtes befragten infizierten Personen und deren Kontaktumfeld ab. Gehe es um die Frage nach möglichen Infektionsquellen, seien in vielen Fällen die Antworten ausweichend, gerade in Bezug auf das Freizeitverhalten und die Kontakte am Arbeitsplatz.

7 Kommentare zu Corona: Ansteckung häufig im familiären und privaten Bereich

  1. Die Büchse der Pandora läßt sich bei den Ungleich Bezahlungen schon lange nicht mehr schließen, und diese Ausufernde Realität kann man auch nicht mehr zurück drehen.
    Doch spätestens bei der Gesundheit sollte doch das Gleicheitsprinzip wieder gelten.
    Wo Homeoffice nicht möglich, eine Ansteckung aber real sollte es doch eine gesetzliche Regelung geben.
    Mfg Jürgen

  2. Gescheraner Junge spricht mir voll aus der Seele….DANKE für diesen Kommentar.

  3. Hallo Rainer, das ich mich bei der Arbeit auch mit einer Grippe anstecken kann ist klar, ich würde aber jetzt den Coronavirus nicht mit einer normalen Grippe gleichsetzen.
    Dann bräuchten wir nicht die ganzen Maßnahmen.
    Meines Wissens ist es so, stecke ich mich bei der Arbeit z. B. mit Meningitis an und habe dadurch Spatfolgen ( und das kann ja nun mal bei Corona auch der Fall sein) wird die Ansteckung sehr wohl als Arbeitsunfall angesehen.
    Meiner Meinung nach sollte der Gesetzgeber dies alles mit berücksichtigen.
    Mfg Jürgen

  4. Hallo zusammen. Bei einer Ansteckung bei der Arbeit, wird es nicht als Arbeitsunfall gewertet. Man kann sich auch bei den Kollegen mit Grippe ansteken. Ist auch kein Arbeitsunfall. Bei der Familie ist es so, das man selbstverpflichtend die Corona Maßregeln beachten muß. Keine Entschädigung.Es könnte sein, das der Kreis Borken in Form des Ordnungsamtes und Gesundheitsamtes „Sie“ heranzieht mit einer Ordnungswiedrigkeitsstrafe. Es ist die Regel, das das Gesundheitsamt anruft und eine Quarantäne von 14 Tage verhängt. Schlimm ist, das vorher nicht getestet wir und auch nicht am ende der 14 Tage. Aktuelle Fälle besagen, das nicht alle nach 14 Tagen negativ sind. Mein Tipp ist, Schnelltest machen, das 1 mal die Woche, Maske tragen, wenn möglich impfen lassen, egal welche Impfstoff. Dann hat man den größtmöglichen Schutz für sich die die Mitmenschen. (Familie,Arbeitskollegen)Viel Glück bei der Umsetzung!

  5. Nicht das ich die Daten in Zweifel stellen möchte, ganz im Gegenteil. Mich treibt eher die Frage um, was passiert wenn ich mich bei der Arbeit anstecke, ist das dann als Arbeitsunfall zu werten und was passiert mit meinen Angehörigen wenn sie sich über mich anstecken?
    Wenn sich das Ansteckungszenario so detailliert zurück verfolgen läßt wird es doch mal Zeit auch diese Frage rechtlich zu klären.
    Vielleicht gibt es aber auch schon Erfahrungen in dieser Sache?
    Mfg Jürgen

  6. Gescheraner Jung // 23. Februar 2021 um 10:23 //

    Diese Pressemitteilung macht eines zumindest bezogen auf den Kreis Borken deutlich:
    Die Lockdown Maßnahmen sind bedingt sinnvoll!
    Aber allen voran fehlt es an der Vernunft eines Großteils der Mitmenschen!

    Alle Lockdown Maßnahmen haben wenig sinn, wenn hintenherum Schlupflöcher gesucht werden oder die Regelungen versucht werden zum eigenen Nutzen Bestmöglich auszulegen.

    Die Hotspots in der Öffentlichkeit sind im Griff => Inzidenzzahl steigt nicht weiter und stagniert seit Wochen.

    Im privaten Raum werden die einfachsten Dinge nicht eingehalten: Regelmäßiges Lüften, Desinfizieren von Flächen, Maske tragen etc.
    Hinzu kommt noch die Unvernunft der Menschen.
    Wie oft man immer noch hört, wer sich mit wem getroffen hat etc. und dann auch noch aus welchen Gründen…
    Da schüttelt man einfach nur mit dem Kopf.
    Aus den oben genannten Gründen müssen wir uns nicht wundern, warum die Zahlen stagnieren!

    Aber solange der Faktor Eigensinnigkeit des Menschen nicht ausgeschaltet werden kann, wird sich an der Situation leider nicht viel ändern.

    Ja, für alle ist die Situation gelinde ausgedrückt bescheiden und ja Alle gehen physisch und psychisch auf dem Zahnfleisch, jedoch durch die Eigensinnigkeit, wird die Problematik nur schlimmer.

    Und die Aussage: „Was soll denn da passieren! Wir achten schon darauf! Da passiert schon nichts!“ Den kann ich allmählich nicht mehr hören.

    Wir alle sind Opfer dieser Pandemie. Überstanden ist sie aber noch lange nicht.
    Aber in unserer Konsumwelt müssen wir jetzt alle mal den Arsch zusammenkneifen und uns an Regeln halten und nicht gleich rumstänckern.

    Ich selbst bin froh, dass ich kein Politiker oder Entscheider auf höherer Ebene bin. Denn auf einer diesem Posten kann man nur Verlieren und das Arschloch der Nation sein! Und warum, weil die Medien und Menschen alles kritisieren bevor sich selbst erstmal kritisch hinterfragen.
    Hauptsache es kann gemotzt und gemeckert werden, da man sich ja einschränken muss! Hinzu kommt das gegenseitige Aufschaukeln und zum die intransparente Berichterstattung der Medien. Diese sind zum Großteil nur noch geil auf Quoten, nicht aber auf eine objektive Berichterstattung ist. => Der Konsument glaubt, was da berichtet wird!

    Es gibt weitaus schlimmeres im Leben, als 2 Jahre hintereinander auf den Urlaub am Strand, den Besuch in der Kneipe/ Restaurant die große Geburtstagsfeiern etc. zu verzichten.
    Das höchste Gut ist die Gesundheit und dieses Gut vernachlässigen die meisten, wodurch Sie sich nicht nur selbst, sondern auch noch ihre Mitmenschen gefährden.
    Und alles nur aus reinem Egoismus! Dieser Egoismus ist aus dem Komsum der letzten Jahrzehnte entstanden, da wir nichts anderes mehr kannten als immer mehr, weiter und höher!
    Unsere vorherigen Generationen wären froh, wenn sie so hätten leben dürfen und sich NUR mit der „kleinen“ Einschränkung der Pandemie hätten auseinander setzen müssen.

    Aber den Egoismus legt ja keiner gerne ab und daher werden wir noch lange mit der Pandemie zu kämpfen haben und zerfleischen uns irgendwann gegeneinander!!!

  7. Leider sieht man hier wieder deutlich, das Politik versagt. Jens Spahn sagte , am 1.3.2021 gibt es Schnelltest für jeden und die Kreise, Städte können sich Partner zum testen suchen. Auf Anfrage bei dem Kreisgesundheitsamt Borken kam die Antwort. Es gibt noch keine Rechtliche Aussage oder Verordnung von Jens Spahn und der Kreis Borken sieht keine V eranlassung zur Durchführung von Schnelltest an die Bevölkerung. Der Kreis Borken wartet ab. Diese Antwort ist schriftlich gegeben worden, zum nachlesen. Könnte da nicht die Ursache sein, warum die Zahlen nicht sinken?

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