Newsticker

Keine Chance für Bahnstrecke Bocholt-Coesfeld-Münster

Zweckverband NWL will Projekt nicht weiter verfolgen

Gescher (fjk). Aus für die Bahnverbindung Bocholt-Coesfeld-Münster? Nach Mitteilung des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe kann eine Reaktivierung der Schienenstrecke, die auch über Gescher führt, nicht erfolgversprechend weiterverfolgt werden.

Die an der Trasse liegenden Kommunen Bocholt, Rhede und Borken werden nun unterstützt vom Kreis Borken weiter beraten, ob jetzt ausschließlich die Planungen zum Radschnellweg weiterverfolgt werden. Ziel ist eine politische Beratung und Entscheidung in den Stadtvertretungen. Das Verfahren soll schnellstmöglich mit dem Kreis abgestimmt werden damit sich die politischen Gremien in den betroffenen Kommunen mit der Thematik beschäftigen können.

Der Traum, das Gescher wieder eine Bahnanbindung erhält. dürfte ausgeträumt sein.

Eine Machbarkeitsstudie hatte 2020 zwar einen Bedarf gesehen, jedoch auf große Schwierigkeiten Bahnübergänge oder Überführungen einzurichten hingewiesen. Der Zweckverband bedauert, unter diesen Umständen die Reaktivierung der Strecke nicht weiter verfolgen zu wollen.

8 Kommentare zu Keine Chance für Bahnstrecke Bocholt-Coesfeld-Münster

  1. Claus Zielinski // 7. Mai 2021 um 14:21 //

    Hallo zusammen,
    es war für mich von vorne herein klar, dass die Bahn nicht kommt. Wir befinden uns hier in einem Gebiet, das seit 1974 dem Schienenverkehr entwöhnt wurde. Besonders ärgerlich ist es, dass die Fraktion Bündnis 90 die Grünen, die Umweltschutzpartei, sich nicht massivst für die Strecke eingesetzt hatte. Mir ist nichts dazu bekannt. Alle Entscheidungsträger einschließlich des aus Rhede stammenden Verkehrsminister Wüst. haben leider noch nicht erkannt, dass wir in Zeiten des Klimawandels leben. Was ist mit der Empfehlung, dass man das Auto stehen lassen soll.
    Zum Radschnellweg, so einem Quatsch, könnte ich viel schreiben, das aber sprengt den Rahmen.

  2. genervter Bürger // 6. Mai 2021 um 10:46 //

    Dann bleibt es wohl dabei die schlechtgelaunten und kamikazefahrenden Busfahrer weiter ertragen zu müssen.

  3. David // 6. Mai 2021 um 09:00 //

    Das ist aber tatsächlich eine extrem schwache Leistung des Zweckverbandes, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Nahverkehr zu erhalten und auszubauen. Ausnahmegenehmigungen für Bahnübergänge als „sehr unwahrscheinlich“ einzustufen klingt danach, als hätte man nicht alle Optionen geprüft. Es hinterlässt den Eindruck, dass den Verantwortlichen die Angelegenheit zu kompliziert ist und man lieber den bequemen Weg geht – bzw. gar nicht geht und einfach nichts tut. Stattdessen will man einem Radweg beratend begleiten. Wow!
    Geradezu lächerlich das zweite Hauptargument des Zweckverbandes, dass die Bahnstrecke „faktisch entwidmet“ sei und eine Reaktivierung „zum jetzigen Zeitpunkt“ keine Aussicht auf Erfolg habe. Ich frage mich: wird die Strecke (wie von Zauberhand) in ein paar Jahren nicht mehr entwidmet sein? Wenn man die Flächen für die Strecke will, dann muss man was dafür tun. Sowohl heute, als auch in der Zukunft. Wobei ich die Prognose wage, dass es in der Zukunft sogar noch schwieriger wird.

    Alles in allem eine enttäuschende Nachricht und ein Armutszeugnis für einen Nahverkehrsverband.

  4. B. Homann // 6. Mai 2021 um 08:44 //

    BaumbergeStrassenbahn: Münster – Coesfeld – Gescher – Borken – Bocholt.

    Wann macht der Bahnbetreiber Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) endlich seine Hausaufgaben und richtet eine Strassenbahn-Trassenführung ein, statt an teurer Eisenbahn festzuhalten? Ein Strassenbahn-Trasse kommt ohne teure Brücken und Unterführungen aus. Am Beispiel der Friedrichshagener-Rüdersdorfer Straßenbahn in Berlin ist zu sehen, wie man prima 15 Kilometer im 20 Minutentakt über Land fahren kann. Friedrichshagen, Schöneiche und Rüdersdorf haben zusammen ca. 50.000 Einwohner, Bocholt, Borken, Gescher und Coesfeld zusammen ca. 170.000 Einwohner. Teilweise könnte die BaumBergeStrassenBahn auch nicht rückkaufbare Strecken in Gescher-Borken-Bocholt umfahren und relevantere Ziele ansteuern.

    Statt dessen bezahlen die NWL-Bedenkenträger andere Bedenkenträger für teuere Gutachten, die keine Problemlösungen bieten. Statt ihren Job zu machen, empfehlen sie Fahrräder.

    #BaumBergeStrassenBahn

    https://www.presse-service.de/data.aspx/static/1070814.html

    https://web.archive.org/web/20200216222749/https://www.nwl-info.de/fileadmin/NWL/Downloads/Informationen_fuer_Meinungsbildner/Machbarkeitsstudie_Wiederinbetriebnahme/Studie_Strecke_Bocholt-Borken-Coesfeld_.pdf

  5. Der fossile Zweckverband erfüllt seinen modernen Zweck nicht.

  6. Gescheraner // 6. Mai 2021 um 06:34 //

    Ich sehe auf die letzten 60 Jahre zurück. Ich empfinde, dass der Ausbau von Bundesstraßen und die zu erwarten gewesene Steigerung des Straßenverkehr (vor allem mehr Lkw Verkehr), von der Bundesregierung, Landesregierung, Kreistag (jeweils CDU) gewollt war und bis heute so gewollt ist. Anders kann man die Stilllegung vom Schienennetz gleichzeitig in Folge (fast parallel der ehemaligen Eisenbahnschienen) der Neubau (A 31) und Ausbau (B 67, B 525, B 70) nicht sinnvoll erklären. Entsprechend wundert es mich nicht, dass die Reaktivierung des Schienennetz abgelehnt wurde.

  7. Christoph Sator // 5. Mai 2021 um 23:06 //

    Es ist in der Tat mehr als verwunderlich, dass der NWL als Aufgabenträger für den regionalen Schienenverkehr noch nicht mal alle Optionen ergebnisoffen prüfen lässt, bevor er diese wichtige Verkehrsachse regelrecht Totredet und allen ernstes einen Radschnellweg empfiehlt. Dass es für höhengleiche Kreuzungen mit dem Straßenverkehr keine Ausnahmegenehmigung geben wird, mag ja sein (obwohl schon das mal zu hinterfragen wäre, wenn man es mit der Verkehrswende ernst meint). Aber warum erwähnt der NWL mit keinem Wort, dass es eine Betriebsform gibt, bei welcher man überhaupt keine Ausnahmegenehmigung bräuchte, sondern es sehr wohl auch wieder höhengleiche Kreuzungen mit dem Straßenverkehr geben könnte? Moderne Regionalbahnen müssen nicht zwingend nach der Eisenbahn-Betriebsordnung (EBO) betrieben werden, denkbar wäre durchaus auch, die sogenannte BoStraB (Betriebsordnung Straßenbahn) anzuwenden. Beispiele hierfür gibt es in Deutschland längst an anderer Stelle. Und schon müssten keine teuren Brücken oder Unterführungen gebaut werden! Also lieber NWL: Hausaufgaben machen, über den Tellerrand schauen, und nicht politische Entscheidungsträger lückenhaft zuungunsten eines modernen Schienenverkehrs beeinflussen!

  8. SPD Kreistagsfraktion // 5. Mai 2021 um 21:12 //

    Mit großem Erstaunen haben wir als SPD Kreistagsfraktion Borken die heutige Presseinformation des Kreis Borken, sowie das angehängte Schreiben des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) zum Ergebnis der Studie zur Schienenstrecke Bocholt-Coesfeld-Münster aufgenommen.

    Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie des NWL aus dem Jahr 2019 zu der Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Bocholt und Coesfeld (und Anbindung von dort nach Münster) mit verschiedenen Planfällen zeigte zwar für keinen Fall eine Wirtschaftlichkeitsfaktor von über 1,0, welcher für eine Förderung notwendig wäre. Im Anschluss daran gab es aber Bestrebungen zu prüfen, ob Ausnahmen von der Annahme möglich sind, dass alle Kreuzungspunkte mit Straßen als Über- oder Unterführung ausgeführt werden müssen, wodurch die Strecke wesentlich günstiger werden könnte.

    Mit der heutigen Presseinformation teilt der Kreis Borken nun mit, dass laut dem NWL “eine Reaktivierung der Schienenstrecke Bocholt-Coesfeld-Münster nicht erfolgsversprechend weiterverfolgt werden kann”. Diese Aussage wird damit begründet, dass nach Prüfung der Möglichkeit nach den o.g. Ausnahmen an Kreuzungspunkten möglich sind dies sehr unwahrscheinlich ist und zudem die “faktische Entwidmung” der Strecke ein weiteres Problem darstellt.

    Vor dem Hintergrund der Verkehrswende, die überall proklamiert und diskutiert wird halten wir diese Entscheidung des NWL für falsch und hätten uns stattdessen ein größeres Bestreben für einen Weg zur Reaktivierung dieser Strecke als Verbindungsachse des südlichen Kreisgebietes Borken mit dem Knotenpunkt Münster gewünscht.

    Viel mehr als die Aussage zur Bahnstrecke selbst irritiert uns jedoch der abschließende Absatz im Schreiben des NWL. Als Aufgabenträger im SPNV (Schienenpersonennahverkehr) wirkt es doch eher wie ein abgekartetes Spiel mit den Verwaltungen, wenn dieser den Radschnellweg, dessen Planungen teilweise auf derselben Strecke verlaufen, als “begrüßenswerte Entwicklung” bezeichnet und sich somit für ein Projekt, das direkt von der Entscheidung betroffen ist, selbst Stellung bezieht.

    Daniel Höschler, stellv. Vorsitzender der Kreistagsfraktion Borken und Sprecher im Ausschuss für Verkehr dazu: „Wir geben uns mit dem Schreiben des NWL und der Pressemitteilung des Kreises Borken nicht zufrieden. Die Unterlagen, die dieser Einschätzungen des NWL zugrunde liegen, werden wir uns vorlegen lassen und genau prüfen“.

Kommentar hinterlassen

%d Bloggern gefällt das: